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glaisin : „Witwerschaft“ von Brieftauben erhöht ihre Form

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Gefiederte Langstreckenflieger auf dem Forsthof ausgestellt Zwei Vereine präsentierten Brieftaubensport in der hiesigen Region

Es sind Top-Athleten, die da am Sonnabend auf dem Forsthof Glaisin zu sehen waren. Dass Brieftauben mit 100 Stundenkilometern in der Luft unterwegs sind, ist keine Seltenheit. 200 bis 600 Kilometer in einem Ritt – das kann man von einer gut trainierten Alttaube verlangen. Der das sagt, ist Günther Möller, seines Zeichen Züchter von Jugend an und gegenwärtig Kassierer im Zuchtverein „Rauschende Schwingen“ Krenzlin. Brieftaubenzüchter dieses und des befreundeten Vereins „Friedenstaube“ Malliß hatten am Wochenende zu der Ausstellung ihrer besten Tiere eingeladen.

Brieftauben haben natürlich heute keine praktische Bedeutung für die Nachrichtenübermittlung mehr. Der Brieftaubensport indessen findet durchaus seine Anhänger. „In Mecklenburg gibt es rund 1000 Züchter, die in zwei Regionalverbänden organisiert sind“, erzählt Möller. Im hiesigen Regionalverband „Mecklenburg 200“ sind es 600 Mitglieder. Das klingt viel, ist auch nicht schlecht, aber die Mitgliederzahlen stagnieren. Es ist wie in vielen Bereichen: Der jugendliche Nachwuchs fehlt.

Wenn es um die Brieftauben geht, ist Günther Möller in seinem Element. Er plaudert über interessante Details, die der interessierte Laie verwundert aufnimmt, weil das selten jemand so genau weiß. So erfährt man, dass die Brieftauben zwar gern fliegen, ihnen weite Strecken auch im Blut liegen, sie aber trainiert werden müssen. Wird das systematisch und fachgerecht gemacht, gibt es so gut wie keine Verluste. Jedenfalls nicht, weil die Tauben sich verfliegen oder nicht fit genug sind, ihren Heimatschlag wieder zu erreichen. „Wenn Tauben nicht wieder nach Hause kommen, liegt das meistens an den Greifvögeln, die sich unterwegs die Beute schnappen“, so Günther Möller.

Mit drei bis fünf Jahren haben Brieftauben ihren Leistungszenit, danach dienen sie vor allem der Zucht. Bis zu 15 Jahre alt können die kleinen ausdauernden Flieger werden.

Schon die Jungtauben absolvieren ihre Trainingsflüge. Wenn sie drei bis vier Monate alt sind, schaffen sie schon locker 80 bis 100 Kilometer. Der Züchter vergrößert den Radius zum Heimatschlag systematisch, damit sich die Tiere an weite Strecken gewöhnen.

Die Flugzeit ist von Mai bis August. Zwölf Wochenenden hintereinander gehen die Tauben auf Kurs. Die Mallisser und Krenzliner Züchter gehören der Reisevereinigung Hagenow an. Gemeinsam werden die Tauben nach Polen gebracht und dort aufgelassen. Die Tiere finden zielsicher ihre Heimatschläge. Um sie zusätzlich zu motivieren, kommt die „Witwerschaft“ ins Spiel. Dahinter verbirgt sich, dass die Taubenpärchen die Woche über getrennt und erst am Tag vor dem Flug wieder zusammen gelassen werden. Die Folge ist eine gesteigerte „Sehnsucht“, den Heimatschlag wieder zu erreichen. Fast menschliche Züge, oder?

Das alles konnte erfahren, wer sich am Sonnabend auf dem Forsthof mit den Taubenzüchtern unterhielt. 100 Besucher werden es am Ende gewesen sein, die die 70 Tiere in den einzelnen Kategorien begutachteten. Und ein Teil von ihnen erlebte die Versteigerung von Gutscheinen für Tauben mit. Günther Möller hatte dafür seine beste Jungtaube zur Verfügung gestellt. Sina ist 2013 geschlüpft und die achtbeste Jungtaube der Reisevereinigung.

Der Erlös aus der Versteigerung soll einem guten Zweck zur Verfügung gestellt werden.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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