Wöbbelin : „Wir wissen, wo es hakt“

Viola Tonn (parteilos) kandidiert für die Partei „Achtsame Demokraten“. Täglich tourt die 49-Jährige übers Land und sucht das Gespräch mit den Wählern. Die Arbeit im Garten hilft ihr, durchzuatmen und aufzutanken.
Viola Tonn (parteilos) kandidiert für die Partei „Achtsame Demokraten“. Täglich tourt die 49-Jährige übers Land und sucht das Gespräch mit den Wählern. Die Arbeit im Garten hilft ihr, durchzuatmen und aufzutanken.

Die parteilose Bürgermeisterin Viola Tonn kandidiert für „ Achtsame Demokraten“ und kämpft für mehr Eigenverantwortung der Gemeinden

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23. August 2016, 07:00 Uhr

„Achtsam. Das klingt gut. Wenn ich in meinem Garten achtsam mit meinen Pflanzen umgehe, dann bekomme ich auch etwas zurück. Und so ist es auch mit den Menschen.“ Viola Tonn sitzt auf der Gartenbank neben ihrem Wöbbeliner Haus. Sie trägt Jeans und ein blaues Poloshirt. „Wir sind achtsam, ... weil WIR hier zuhause sind!“, steht auf dem Shirt. Viel Zeit hat Viola Tonn nicht. Am Nachmittag will sie ihre Wahlkampf-Flyer in Hornkaten, Glaisin und Göhlen verteilen. Erst am Morgen zuvor ist sie um fünf Uhr aufgestanden und hat gemeinsam mit ihrem Mann die ersten Wahlplakate aufgehängt. „Wahlkampf ist anstrengend“, sagt sie. „Erst recht, wenn die Partei das erste Mal ins Rennen geht.“ Die Leute, die sie auf ihren Touren übers Land in den Gärten oder an den Haustüren anspricht, würden oft nur fragend gucken. „Die Achtsamen?“

Kaum einer kennt die Partei, die sich auf Initiative des Hiddenseer Bürgermeisters Thomas Gens 2013 auf der Insel gegründet hat. Fast 50 Mitglieder, die meisten von ihnen sind Bürgermeister und Kommunalpolitiker, zählt die Partei heute landesweit. Es ist die einzige Partei, die bundesweit nur in Mecklenburg-Vorpommern für den Landtag kandidiert. Für die Achtsamen haben sich 15 Kommunalpolitiker aufstellen lassen, darunter acht ehrenamtliche Bürgermeister, wie aus Siggelkow, Dümmer, Crivitz oder Dobbertin.

Die Wöbbeliner Bürgermeisterin Viola Tonn kam eher durch Zufall zu den Achtsamen. „Erst hat mich der Name neugierig gemacht, dann das Programm.“ Mehr Geld für die Kommunen, Stärkung des Ehrenamtes, Wertschätzung der freiwilligen Leistung - das alles sind Themen, die sie als Bürgermeisterin tagtäglich beschäftigten. „Wer kennt die Nöte der Gemeinden vor Ort besser als wir“, sagt sie. „Wir wissen, wo es hakt.“ Achtsam, so Viola Tonn, sei sie den Menschen gegenüber. Und achtsam auch bei der Lösung von Problemen. „Sich auf Menschen einlassen, sie ernst nehmen - das geht in unserer Gesellschaft doch mehr und mehr unter“, sagt sie. „Klar. Ich könnte zum Landrat gehen mit all den Sorgen und Nöten der Gemeinden“, sagt sie. „Aber dort lacht man uns doch nur aus.“ Im Landtag dagegen könne man sich kritisch einbringen, hinterfragen und ein bisschen „Laus im Pelz“ sein.

Dass die Achtsamen es gleich auf Anhieb in den Landtag schaffen, davon ist die 49-Jährige überzeugt. „Wir haben starke kompetente Frauen am Start. Und wenn es auch nur eine schafft, dann ist das ein Erfolg und eine kritische Stimme mehr.“ Sowieso wünscht sich die gebürtige Brandenburgerin mehr „weibliche Kompetenz“ im Landtag. „Frauen ticken anders, denken weitreichender und komplexer als Männer.“ Probleme, sagt sie, lösen sich nicht durch Rumdoktern an den Symptomen. Man muss die Ursachen finden. „Auch hier ist es wie in der Natur: Will man etwas ändern, muss man es an der Wurzel packen.“

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