Hospizdienstes Stift Bethlehem in Ludwigslust : „Wir schenken Zeit“

Neu in Ludwigslust und beim ambulanten Hospizdienst in Ludwigslust: Kathrin Deicke ist die Koordinatorin.
Neu in Ludwigslust und beim ambulanten Hospizdienst in Ludwigslust: Kathrin Deicke ist die Koordinatorin.

Kathrin Deicke ist die neue Koordinatorin des ambulantes Hospizdienstes des Stiftes Bethlehem. Ab Herbst gibt es einen neuen Kurs für künftige Sterbebegleiter

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13. März 2020, 05:00 Uhr

Für Kathrin Deicke ist es ein doppelter Neuanfang. Vor einem halben Jahr zog sie nach Ludwigslust, seit Januar ist sie die neue Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes des Stiftes Bethlehem. Doch während das Leben in einer Kleinstadt für die 50-Jährige eher ungewohnt ist, ist es die Arbeit nicht. Im Gegenteil. „Die Hospizarbeit ist mein eigentliches berufliches Zuhause“, sagt sie.

Kathrin Deicke war aus Magdeburg nach Ludwigslust gezogen, weil es den Rest ihrer Familie und Freunde nach und nach hierher verschlagen hatte. Beim Pflegestützpunkt fand sie eine Arbeit, doch als sie die Ausschreibung des Stiftes Bethlehem sah, zögerte sie nicht lange. „Ich habe noch nie so viel Zufriedenheit gespürt wie in der Hospizarbeit“, erklärt die gelernte Krankenschwester ihren schnellen Wechsel. „Es ist so eine wertvolle Arbeit, so sinnstiftend. Und der Bedarf ist groß.“ Sie muss es wissen. Denn mehrere Jahre lang hatte sie bereits als Hospizkoordinatorin bei den Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg gearbeitet. „Ich freue mich, wieder in diesem Bereich tätig sein zu können.“

In Ludwigslust will Kathrin Deicke den ambulanten Hospizdienst neu und breiter aufstellen. „Ich spüre einen ganz großen Bedarf an Begleitung und an Aufklärung darüber“, sagt die Koordinatorin. Aber auch eine Hemmschwelle. „Viele haben Probleme mit dem Wort Hospiz“, sagt Kathrin Deicke. Für sie bringe ein Hospizbegleiter quasi den Tod mit in die Tür. „Wer sich dem noch nicht gestellt hat, tut sich schwer.“ Das kommt bei Klienten genauso vor wie bei deren Angehörigen. Die 50-Jährige erklärt deshalb gern erst einmal, was hinter dem Begriff Hospiz steckt. „Er kommt von hospicium und bedeutet Herberge“, sagt sie. „Und die bieten wir Sterbebegleiter im Prinzip auch. Wir bieten Raum für die Sorgen und Nöte.“

Wer für sich, einen Angehörigen oder einen anderen Menschen eine Begleitung wünscht, kann sich bei der Koordinatorin melden. Die Anfragen kommen auch von Krankenhäusern und Pflegeheimen. Dann folgt das Erstgespräch mit dem Betroffenen und dessen Angehörigen. Erst dann wird der Kontakt zu einem der ehrenamtlichen Hospizhelfer hergestellt. „Wenn ich aber spüre, dass der Betroffene selbst die Begleitung nicht möchte, dann gehe ich wieder“, sagt Kathrin Deicke.

Auch in der Begleitung selbst führt nach Aussage der Koordinatorin der Betroffene Regie. „In einer Lebensphase, in der Zeit ganz kostbar geworden ist, schenken wir Zeit“, sagt Kathrin Deicke. „Der Klient kann aussuchen, was wir in dieser Zeit machen.“ Das können Spiele sein, manchmal auch kleine Ausflüge, vor allem aber Zuhören, Reden und auch Weinen. „Gemeinsam aushalten von etwas, das nicht aushaltbar ist.“ Profitieren würden auch die Angehörigen – die Besuche verschaffen ihnen eine Verschnaufpause.

Derzeit gehören zum ambulanten Hospizdienst des Stiftes 17 Ehrenamtler, die als Hospizbegleiter in Krankenhäusern, Heimen oder in der Häuslichkeit aktiv sind. Kathrin Deicke möchte, dass es mehr werden. Um möglichen Interessenten den Einstieg leichter zu machen, will sie nun gemeinsam mit dem Hospizdienst Hagenow einen Qualifizierungskurs „Sterbende begleiten lernen“ anbieten. Bisher fanden die Schulungen in Schwerin statt. Der Aufwand für die Fahrt dorthin könnte für manch einen ein Hindernis sein. „So entstand die Idee, so einen Kurs in unserer Region anzubieten.“

Ein paar Voraussetzungen müssen angehende Hospizbegleiter mitbringen. „Es sollten Menschen sein, die sich auf andere Menschen einlassen können, die offen sind“, sagt Kathrin Deicke. „Und sie sollten selbst keine Angst vor dem Sterben haben und dazu beitragen wollen, dem Sterben Raum in der Gesellschaft zu geben. Denn das Sterben gehört zum Leben dazu.“ Sie sollten sich nicht nur mit ihrer eigenen Endlichkeit, sondern auch mit ihren eigenen wunden Punkten auseinandergesetzt haben, „um in der Begleitung ganz bei dem anderen Menschen sein zu können“, so die Koordinatorin. Auch dazu soll der Kurs dienen.

In Ludwigslust fühlt sich Kathrin Deicke angekommen. „Als ehemalige Großstädterin genieße ich die Entschleunigung der Kleinstadt“, sagt sie und ergänzt mit Blick auf ihre neue Arbeit: „Es hat sich alles gefügt.“

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