Neuer Unternehmerverband in Ludwigslust : "Wir lassen uns nicht als Spalter beschimpfen"

<strong>Die Unternehmer </strong>Gerhard Klinckmann aus Picher (li.) und Wolfgang Reiner Hildesheim aus Ludwigslust sind auch durch die Beschimpfungen ihrer Gegner fast unfreiwillig zu Symbolen des Aufbruchs in Unternehmerkreisen geworden. <foto>Foto: Mayk Pohle</foto>
Die Unternehmer Gerhard Klinckmann aus Picher (li.) und Wolfgang Reiner Hildesheim aus Ludwigslust sind auch durch die Beschimpfungen ihrer Gegner fast unfreiwillig zu Symbolen des Aufbruchs in Unternehmerkreisen geworden. Foto: Mayk Pohle

Die Ludwigsluster Unternehmer Gerhard Klinckmann und Wolfgang Reiner Hildesheim äußern sich im Interview mit unserer Zeitung zu den Ursachen und der Gründung des neuen Unternehmerverbandes und dessen Aussichten.

svz.de von
29. Juni 2012, 05:30 Uhr

Ludwigslust | Sie waren lange im Regionalvorstand des Schweriner Unternehmerverbandes, haben Auszeichnungen bekommen, der Autohändler Hildesheim ist erst vor wenigen Wochen zum Unternehmer des Jahres geworden. Jetzt ist das Tischtuch mit dem alten Verband endgültig zerschnitten. Für ihren früheren Verein sind sie die Spalter, die Überehrgeizigen, die nur ihre eigenen Interessen im Sinn hatten. Für die allermeisten Unternehmer aus dem Landkreis Ludwigslust sind Gerhard Klinckmann und Wolfgang Reiner Hildesheim dagegen die Standhaften, die nun an der Spitze des neuen Verbandes mit stehen. SVZ sprach mit beiden über die Ursachen für den bisher beispiellosen Streit.


Frage: Auf der jüngsten Versammlung des Schweriner Verbandes hat man an Ihnen beiden ja kein gutes Haar gelassen. Hatten Sie mit derartigen Beschimpfungen gerechnet?

Hildesheim: Nach einem Jahr des Streits ist klar, dass so eine Trennung nicht ohne Bemerkungen bleiben konnte. Aber was uns in den Beratungen, die vorher stattfanden, an Verdächtigungen und Unterstellungen gab, das war aus meiner Sicht schon unwürdig.

Klinckmann: Mit der Heftigkeit habe ich persönlich nicht gerechnet, aber es ist doch wirklich billig, diese an sich einmalige Trennung jetzt nur zwei Leuten in die Schuhe schieben zu wollen.

Frage: Wer wollte denn die Trennung und Neugründung?

Klinckmann: Wir sicher nicht, wir haben immer nur gesagt, dass wir keinen Grund für einen sehr schnellen Zusammenschluss sehen. Und wenn ich Wir sage, dann meine ich immer den gesamten Vorstand, zu dem ja auch Hans- Bodo Bachmann, Ruth Jürß, Steffen Wilke, und Uwe Masberg gehörten.

Hildesheim: Wir haben das doch nicht allein gemacht, sondern sind auf einstimmigen Beschluss der Mitgliederversammlung damit beauftragt worden. Ich habe den Verband doch mit aufgebaut, war jahrelang aktiv dabei. Es soll doch keiner glauben, dass uns dieser Schritt leicht gefallen ist.

Frage: Warum waren denn Trennung und Neugründung nötig?

Hildesheim: Weil das am Ende nicht mehr der Unternehmerverband war, den wir alle mal aufgebaut hatten. Am Ende hatte das schon Züge einer Behörde. Dabei geht es um einen Lobbyverein, in dem man freiwillig ist.

Klinckmann: Was wir an Umgang aus Schwerin erlebt haben war am Ende anmaßend, zynisch. Ein Umgang, der nicht länger zu ertragen war. Aber wir wollen nun nicht mehr nach hinten schauen, sondern nach vorne blicken.

Frage: Es sind nur wenige Wochen nach der Gründung des Verbandes West-Mecklenburg vergangen. Wie sieht der Zuspruch aus?

Klinckmann: Im Moment sind wir schon bei fast 80 Mitgliedszusagen und wir sind ziemlich sicher, sehr bald die 100 zu erreichen. Wenn man bedenkt, dass wir im alten Landkreis früher 104 Mitglieder hatten, würde ich das als gewaltige Zustimmung werten.

Hildesheim: Angesichts dieser Zahlen zeigt sich auch, welche Witzveranstaltung da vor Tagen in Neustadt-Glewe stattgefunden hat. Da reklamiert der Schweriner Verband für sich, den Kreis Ludwigslust mit zu vertreten und hat gar keine Mitglieder in dem Bereich. Und selbst für die neue ,Regionalleitung fand sich keiner aus Hagenow/Ludwigslust. Was soll das denn? Nein, der Schweriner Verband kann sich hier nicht mehr anmaßen, Stimme der Unternehmen in der Region zu sein. Das sind jetzt wir.

Frage: West-Mecklenburg, wie eng fassen sie den Begriff?

Klinckmann: Unser Problem beschränkt sich auf die Führung des Schweriner Verbandes und deren Umgang mit uns. Mit den Parchimer Unternehmen hat das nichts zu tun. Die leisten in ihrer Region hervorragende Arbeit, da gibt es gar keinen Zweifel.

Hildesheim: Auch wenn wir das Gebiet des alten Kreises Ludwigslust sicherlich als Keimzelle unseres Verbandes haben, so stehen wir doch allen in der Region herzlich gern offen, auch den Unternehmen aus der Parchimer Region.

Wir wollen nicht eigenbrötlerisch in einer Ecke unser Ding machen, sondern den Unternehmen und damit der Wirtschaft in der Region eine neue Stimme geben.

Frage: Für einen Verband in Gründung haben Sie alle schon viel Wirbel veranstaltet. Sind sie zufrieden mit dem Start des neuen Verbandes?

Hildesheim: Ja, sehr, auch wenn wir formal ja bisher nur Mitgliedszusagen haben. Denn trotz der Kündigungen sind die meisten Unternehmen wegen der Fristen formal Mitglied im alten Verband. Außer den Mitgliedern der alten Regionalleitung, die wurden ja als die Bösen gleich rausgeworfen.

Klinckmann: Und dennoch haben wir die bisherige Isolation schon wirksam aufgebrochen. Wir sehen in der IHK, aber auch in der Kreishandwerkerschaft nicht Gegner, sondern Verbündete im Kampf um gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Denn wir wollen für unserer Unternehmen da sein. Und wenn man sieht, wie viele Tausend Arbeitsplätze hinter unseren avisierten Mitgliedern stehen, dann geht es auch um das Wohl Tausender Familien.

Frage: Zur Politik gibt es ja auch vielversprechende Kontakte?

Hildesheim: Ja, der Landrat hat nicht umsonst gleich Zeit für uns gehabt, auch von anderen politischen Ebenen gibt es bereits gute Signale. Westmecklenburg hat in Sachen Unternehmertum in den vergangenen Jahren nur noch eine leise Stimme gehabt. Die Küste, Rostock, gar Vorpommern waren in der Landespolitik wichtiger. Dabei sind wir die wirtschaftlich stärkste Region des Landes. Und die braucht eine Unternehmerstimme und keinen Verein, der sich nur um sich selbst dreht.

Frage: Neue Verbindungen gibt es auch zur Vereinigung der Unternehmerverbände. Geht es da nur um die Suche nach weiteren Verbündeten?

Hildesheim: Diese Vereinigung ist uns wichtig, weil wir für unsere Region nicht allein kämpfen können und wollen. Kaum jemand hat doch gewusst, dass der alte Verband da nicht mehr Mitglied war und folglich isoliert gehandelt hat. Das ändern wir jetzt, weil es ganz einfach sinnvoll ist.

Klinckmann: Niemand von uns muss das hier machen. Es gibt kein Sitzungsgeld, keine Kilometerpauschale, nichts außer ein wenig mehr Arbeit. Aber wir haben als Unternehmer in den Jahren auch gelernt, dass man alleine nichts werden kann. Und wenn wir in der Politik, aber auch in der Gesellschaft gehört werden wollen, brauchen wir Unterstützer. Es geht ja im Verein auch darum, dass wir unseren Mitgliedern in komplizierten Einfällen einen Rat geben wollen. Dafür braucht man Fachleute, die wir allein gar nicht haben können.

Frage: Das klingt alles nach harter Arbeit und viel Streß. Den haben Sie doch in ihren Firmen schon genug?

Beide: Ein wenig Spaß, ein paar entspannte Aktionen gibt es bei uns natürlich. Das haben wir als frühere Regionalgruppe schon immer so gehalten.

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