Mahnfeuer in Steesow : „Wir haben den Wolf nicht vermisst“

Mehr als 350 Teilnehmer kamen zur ersten länderübergreifenden Mahnwache anlässlich der Wiederansiedlung des Wolfes.
Mehr als 350 Teilnehmer kamen zur ersten länderübergreifenden Mahnwache anlässlich der Wiederansiedlung des Wolfes.

Landwirt Lothar Pawlowski aus Karstädt sprach aus, was die Teilnehmer des ersten länderübergreifenden Mahnfeuers bewegt

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22. Juni 2017, 21:00 Uhr

„Leben ohne Wolf“ stand auf dem Plakat, das ein Mann in die Kamera hielt. Er brachte damit auf den Punkt, weshalb mehr als 350 Landwirte, Jäger, Vertreter von Zuchtverbänden und Einwohner der Region am Mittwochabend auf einem Feld zwischen Steesow und Rambow an der ersten länderübergreifenden Mahnwache anlässlich der Wiederansiedlung des Wolfes teilgenommen hatten. Initiiert hatten dieses Mahnfeuer der Bauernverband Ludwigslust und der Kreisbauernverband aus der Prignitz. „Über das Wolfsmonitoring wurden neue Daten veröffentlicht, die Entwicklung zeigt, dass es an der Zeit ist, sich zu positionieren und seinem Protest Ausdruck zu verleihen. Wenn wir uns zusammentun, können wir mehr Aufmerksamkeit erreichen, als wenn es jeder allein macht“, sagte Nicole Gottschall, die Geschäftsführerin des Bauernverbandes Ludwigslust, und begründete damit die Entscheidung, die Kundgebung mit dem Bauernverband des Kreises Prignitz gemeinsam durchzuführen. „Wir sind nicht komplett gegen den Wolf, aber es muss klare Regelungen geben, was im Schadensfall zu tun ist, was vorbeugend zu machen ist. Das ist wichtig für alle, die Weidetierhaltung haben.“ Christine Stettin als Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Prignitz ergänzt: „Der Wolf war in Brandenburg nie weg, war bis 1992 im Jagdrecht. Da stellt sich auch die Frage, wie viel Wolf verträgt die Prignitz? Wir wollen eine Wolfsstudie haben, das ist unsere Forderung an das Bundesministerium. Die Reproduktionsrate wächst rasant, hier muss gehandelt werden, um die Population des Wolfs zu regulieren.“

Die Auswirkungen der zunehmenden Wolfspopulation hat ganz konkret auch Schäfermeister Maik Gersonde aus Schlesin zu spüren bekommen. „In diesem Jahr hatten wir über hundert tote Schafe, die Förderung über das Land zum Ausgleich der Schäden läuft nicht richtig. Den Wolf bei uns wieder heimisch zu machen, kommt bei der Bevölkerung nicht an, das ist der falsche Weg. Beim Wolfsmonitoring müssen alle Politiker angesprochen werden. Die Hilfe reicht nicht aus, das Thema muss bis hoch in die Bundespolitik.“

Lothar Pawlowski, Landwirt aus dem brandenburgischen Karstädt mit Milchvieh- und Mutterkuhhaltung, hat ebenso schon Bekanntschaft mit dem Wolf gemacht. „Wir hatten mehrere Wolfssichtungen und Übergriffe auf Herden. Wir als Landwirte und Nutztierhalter kämpfen nicht darum, dass der Wolf hier wieder seinen Platz einnimmt. Wir haben ihn in den letzten Jahren nicht vermisst. Die Schaf- und Weidetierhaltung sehe ich durch den Wolf stark gefährdet.“

Der Vizepräsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Manfred Leberecht, übergab an den Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Dr. Jürgen Buchwald, ein Positionspapier, das von acht Verbänden unterzeichnet wurde. „Die Wolfsübergriffe auf Schafe, Gatterwild, Rentiere, Rinder, Ziegen und Pferde bereiten den Weidetierhaltern Ängste, zusätzliche Arbeit und Kosten. Sie sehen sich finanziell und personell überfordert, aus eigener Kraft ihre Tiere in der offenen norddeutschen Weidelandschaft wolfssicher zu schützen.“

Die Vertreter der Weidetierhalter fordern deshalb ein Umdenken in der Politik. Dazu gehöre aus ihrer Sicht die Überarbeitung des Managementplans Wolf und der Förderrichtlinie Wolf, finanziell abgesicherte und praxisnahe Schutzmaßnahmen und einen angemessenen Schadensausgleich.

„Der Wolf steht unter Naturschutz, und es geht nicht darum, dass jemand mit dem Wolf Geld verdient“, so Dr. Jürgen Buchwald. „Die Sorgen der Landwirte nehmen wir sehr ernst. Nicht ohne Grund haben wir bereits im vergangenen Jahr ganz MV mit Ausnahme der Ostseeinseln zum Wolfsgebiet erklärt und so die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen auf größerer Fläche ermöglicht“, erklärte der Staatssekretär. Natürlich ist die Arbeit damit nicht getan. Gerade mit Blick auf die dynamische Populationsentwicklung müssten bundesweit abgestimmte Lösungen her. „Wir führen dazu sowohl länderübergreifend als auch mit dem Bund entsprechende Abstimmungen. Ziel ist es, eine Population sowie Maßnahmen zu definieren, die eine Vereinbarkeit der verschiedenen Anforderungen an die Kulturlandschaft auch zukünftig ermöglicht. Der Austausch mit den Landwirten ist dabei von großer Bedeutung“, so Buchwald.

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