Kaliss : Winzlinge mit Bodenhaftung

André Herm, Ramona von Hoff und Joseph Lang beim Pflanzen der Kiefernsämlinge. Fotos: Uwe Köhnke
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André Herm, Ramona von Hoff und Joseph Lang beim Pflanzen der Kiefernsämlinge. Fotos: Uwe Köhnke

Tausende Kiefernsämlinge werden im Forstamt Kaliß fachmännisch gepflanzt, damit sie Wurzeln schlagen können

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04. März 2016, 17:00 Uhr

Der Nebel hat sich gelichtet, die Sonne ist gerade herausgekommen. Ein Hauch von Frühling liegt gestern Morgen über dem Revier Heidhof. Brigadeleiter Bodo Kerschke und seine Kollegen Ramona von Hoff, Joseph Lang, André Herm und Peter Wöhling haben schon früh mit der Arbeit im Wald begonnen. Sie pflanzen einjährige Kiefernsämlinge und wollen die morgendliche Feuchtigkeit ausnutzen. Die zarten Pflänzchen, die zu drei Viertel aus Wurzeln bestehen, sind sehr empfindlich. „Wenn die Luft zu trocken ist und die Wurzeln ungeschützt sind, kann es nach zehn Minuten schon zu spät sein“, erklärt Jan Nehring. Er ist Geschäftsführer der Güstrower Garten-, Landschafts- und Forstbaugesellschaft mbH (Galafo). Das privatwirtschaftlich geführte Unternehmen nimmt die Kiefernpflanzung für die Landesforst im Kalisser Forstamtsbereich vor.

Wie eine Wissenschaft ist das. Einer geht mit dem Huffschen Pflanzspaten voran. Das Gerät hat ein speziell geformtes Blatt, mit dem sich das richtige Pflanzloch strukturieren lässt – Standardverfahren für einjährige Sämlinge. Die Schößlinge drängen sich in einer abgedeckten Kiste, so vor der Sonne geschützt. Vor dem Pflanzen werden die Wurzeln geschlämmt, also richtig durchfeuchtet. Dann kommen sie in ihr künftiges Bett. Reinsetzen, etwas anheben, mit dem Fuß festdrücken. So „hängt“ die Wurzel richtig. „Ob man es richtig gemacht hat, erkennt man so: An einer Nadel der Pflanze ziehen. Wenn sie abbricht, sitzt der Sämling richtig. Wenn die ganze Pflanze hochkommt, wurde was falsch gemacht“, erklärt Wolfgang Mundt vom Forstamt Kaliß.

Bevor die Pflanzbrigade aus dem Galafo-Betriebsteil Vellahn angerückt ist, hat ein Traktor bereits die Pflugstreifen vorbereitet. Deshalb sieht die Fläche auch ein wenig wie eine Mondlandschaft aus. Aber solche Pflugstreifen sind Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Aufforstung. 12 000 junge Kiefern stehen auf einem Hektar. Die Brigade schafft 0,5 bis 0,65 Hektar am Tag.

Nebenan steht eine Fläche vierjähriger Kiefern. Die Bäumchen sind wie dicht gesät. Sie haben sich unabhängig von Menschenhand zusätzlich auf natürlichem Wege vermehrt. Mindestens fünf Großbäume pro Hektar bleiben bei der „Ernte“ stehen – Lebensraum für Kleingetier und Spechte, Sitzplatz für Vögel… Zapfen wachsen an ihnen und streuen Samen aus. – Was die Natur nicht ausliest, wird der Mensch später nachholen, um einen wirtschaftlich wertvollen Waldbestand heranzuziehen.

Im Forstamtsbereich Kaliß pflanzt die Galafo dieses Jahr auf ca. 25 Hektar, davon über 13 Hektar im Landes- und den Rest im Privatwald. Pflanzbeginn war bereits am 25. Februar im Revier Grittel. „Zur Saatgutgewinnung und Pflanzenerzeugung werden nur geprüfte und leistungsfähige Bestände der Rasse Norddeutsche Tieflandskiefer ausgewählt“, erzählt Jan Nehring.

Die gegenwärtig wirtschaftlich genutzten Bestände wurden übrigens nach dem Zweiten Weltkrieg begründet, damals viel dichter gepflanzt mit ca. 22 000 Pflanzen pro Hektar.

Die Kiefer gilt als wichtigste Wirtschaftsbaumart im nordostdeutschen Tiefland und neben der Fichte am besten erforscht – was die Begründung von Beständen und spätere Behandlung betrifft.

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