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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 14:14 Uhr

Dadow : Windräder im Naturidyll?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Einwohnerversammlung in Dadow zeigt: Mehrheit der Gemeindebewohner gegen Windeignungsgebiete vor der Haustür

von
erstellt am 19.Jan.2015 | 08:00 Uhr

„Windräder Hier? Nein Danke“. Es ist ein einzelnes Schild am Ortseingang von Dadow, das diese Botschaft verkündet. Doch die Mehrheit der Bewohner der Gemeinde Gorlosen teilt diese Meinung, wie die Einwohnerversammlung am Sonnabendvormittag im Dadower Feuerwehrgerätehaus zeigte. Rund 150 Frauen und Männer waren gekommen. Sie wollten wissen, ob auf Gemeindegebiet Windenergieanlagen aufgestellt werden sollen und was man dagegen unternehmen kann.

Die Einwohnerversammlung war einberufen worden, obwohl die Gemeindevertretung sich bereits klar positioniert hatte. „Wir haben beschlossen, dass wir in der gesamten Gemeinde kein Windeignungsgebiet wollen“, erklärte Bürgermeister Berthold Böttcher nach der Versammlung. Doch die Bürger waren unruhig geworden, weil Windpark-Projektentwickler durch die Gemeinde ziehen und einige Grundstückseigentümer auch schon Vorverträge unterschrieben haben sollen. Zudem hatte der Regionale Planungsverband im Herbst auf Grundlage eines Rechtsgutachtens signalisiert, dass der gemeindliche Wille bei der Entscheidung über die Ausweisung von Windeignungsgebieten nicht im ursprünglich gedachten Maße berücksichtigt werden könne.

Zum Auftakt der Einwohnerversammlung trug Gemeindevertreterin Kathrin Heiden zusammen, welche negativen Folgen durch Windkrafträder zu befürchten sind: Zerstörung des Landschaftsbildes und des Lebensraumes seltener Vögel, Wertverlust von Immobilien, gesundheitliche Beeinträchtigungen für den Menschen durch Schattenwurf, Lärm und Infraschall. „Eine vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2014 erwähnt die krankheitsauslösende Wirkung von Infraschall“, betonte Kathrin Heiden. „Das kann man doch jetzt nicht mehr ignorieren.“ In diesem Zusammenhang verwies sie auf die Schutzpflicht des Staates laut Grundgesetz – und damit auch einer Gemeinde – gegenüber den Bürgern.

Holger Döring verwies auf einen anderen Aspekt. „In dieser Region ist in den vergangenen Jahren viel für den Naturschutz getan worden. Dafür flossen EU-Fördermittel in erheblichem Umfang“, erklärte der Dadower. „Und das will man jetzt für Windräder aufgeben?“ Doch gerade im Naturschutz sieht er einen erfolgversprechenden Ansatzpunkt, um die Ausweisung des Windeignungsgebietes zu verhindern. „Seeadler, Schwarzstorch, Silberreiher – sie alle sind in dem Gebiet schon gesehen und erfasst worden“, so Döring. „Schreiben Sie auf, wo und wann Sie sie gesehen haben, und melden Sie das an die Untere Naturschutzbehörde.“ Ein anderer Einwohner erinnerte daran, dass in einem Waldgebiet wegen eines brütenden Schwarzstorches ein Jagdverbot ausgesprochen worden war. „Und jetzt sollen da Windräder hin?“

Stefan Sternberg, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Grabow, verwies auf die Zwickmühle, in der viele Gemeinden stecken. „Von den 14 Gemeinden im Amtsbereich haben nur noch drei oder vier einen normalen Haushalt, alle anderen seien in der Haushaltskonsolidierung“, erklärte er. Da komme von der Kommunalaufsicht ganz schnell die Forderung, die Steuern anzuheben und mögliche Einnahmepotenziale zu nutzen. „Aber die Entscheidung, ob Windenergieanlagen gebaut werden, muss da gefällt werden, wo sie gebaut werden“, so Sternberg.

Holger Friel, Ludwigsluster Stadtvertreter und als Mitglied des Regionalen Planungsverbandes auf der Einwohnerversammlung, sprach den immer wieder geforderten und auch notwendigen Ausgleich zwischen denen, die die Windräder ertragen müssen, und denen, die den Ertrag haben, an. „Bei jährlichen Pachten um die 40 000 Euro sind 100 Euro Stromersparnis aber kein Angebot.“

Noch ist in der Gemeinde Gorlosen – wie überall in Westmecklenburg – kein neues Windeignungsgebiet ausgewiesen. So soll es nach Auffassung der meisten auch bleiben. „Ich würde auch eine Demo nicht ausschließen“, meinte eine Einwohnerin zum Schluss.

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