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In MV noch nicht erlaubt : Windrad im Wald noch kein Thema

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Experten diskutierten über Chancen für solche Projekte / In MV derzeit nicht erlaubt / Pilotprojekt denkbar, aber derzeit nicht geplant

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 11:45 Uhr

Windenergie aus dem Wald ist in anderen Bundesländern längst keine Ausnahme mehr. Könnten Windräder über den Baumwipfeln auch in Mecklenburg-Vorpommern eine Option sein? Dieser Frage wollte die Blau MV GmbH aus Schwerin nachgehen und hatte dazu jüngst Vertreter aus Politik und Verwaltung, von Vereinen und Verbänden zu einem Werkstattgespräch eingeladen. Das Fazit: Windenergieanlagen im Wald sind kein unumstößliches Tabu, aber in MV allenfalls in wenigen Einzelfällen denkbar.

„Bei bestimmten Themen ist es wichtig, die Wassertemperatur zu messen“, erklärt Reinhard Stuth, einer der Geschäftsführer und Mitgründer der Blau MV GmbH, seinen Vorstoß. „Wo gibt es rote Linien, die niemand überschreiten würde? Was wäre unter bestimmten Voraussetzungen und bei entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen vielleicht denkbar?“ Für sein Beratungsunternehmen geht es letztlich um die Schlussfolgerung, was man Interessenten an einem Projekt „Windkraft im Wald“ raten kann: Es zu versuchen oder besser gleich die Finger davon zu lassen. Die Blau MV GmbH begleitet unter anderem Stadtwerke, Kommunen und andere Investoren bei Infrastrukturprojekten, insbesondere im Bereich Windenergie.

Für die Schweriner Landesregierung hat das Thema „Windräder im Wald“ nach Aussage von Steffen Wehner vom Energieministerium „keine herausgehobene Bedeutung“. Waldarme Länder wie Mecklenburg-Vorpommern (22 Prozent der Landesfläche sind Wald) hätten in der Regel ausreichend Flächen außerhalb des Waldes, um den Ausbau der Windkraft zu realisieren, erklärte er auf SVZ-Anfrage. Zudem komme dem Schutz des Waldes eine besondere Bedeutung zu. Allerdings „wäre ein Projekt mit Pilotcharakter auch in MV denkbar, das im Bereich von ökologisch weniger wertvollem Wirtschaftswald mit Nadelbaumbestand errichtet werden könnte, um damit beispielsweise die Auswirkungen auf Flora und Fauna speziell in MV untersuchen zu können“, teilte Steffen Wehner weiter mit. Dazu gebe es jedoch keinerlei konkrete Planungen.

Im Moment ist die Errichtung von Windenergieanlagen im Wald in unserem Land generell nicht erlaubt. Allerdings seien in dieser Legislaturperiode der generelle Ausschluss von Wald in Windeignungsgebieten sowie die 300-Meter-Schutzradien um Waldgebiete verändert worden, so Steffen Wehner. Demnach können „Waldflächen bis zu einer Gesamtgröße von zehn Hektar […] in Windeignungsgebieten liegen“, so Wehner. Der Bau der Anlagen habe aber außerhalb des Waldes zu erfolgen. Der Mindestabstand von Windenergieanlagen zum Waldrand richte sich nach dem Landeswaldgesetz, das grundsätzlich 30 Meter Distanz zu allen baulichen Anlagen vorschreibt.

Die Deutsche Wildtier-Stiftung sieht in der Öffnung des Waldes für Windenergieanlagen – wie sie in anderen Bundesländern bereits erfolgt ist – eine große Gefahr für viele Tierarten und damit für die Artenvielfalt in Deutschland. Dennoch lehnt auch sie solche Projekte nicht pauschal ab. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es geeignete Standorte in einzelnen Waldgebieten gibt, die für den Naturschutz geringwertig sind und in denen keine windkraftsensiblen Arten leben“, sagte Dr. Jochen Bellebaum, einer der Teilnehmer des Werkstattgesprächs, gegenüber SVZ. „Aber das wird nicht der Regelfall. In den allermeisten Fällen wird es Probleme geben.“ Die Deutsche Wildtier-Stiftung verlange für Windenergieanlagen in Wäldern deutlich höhere Hürden. „Und die Beweislast muss umgekehrt werden“, so Dr. Bellebaum weiter. „Diejenigen, die bauen wollen, müssten nachweisen, dass das Projekt unschädlich ist.“ Bislang sei es andersherum, liege die Beweislast, dass es schädlich ist, bei den Naturschutzbehörden. Buchen- und andere Laubwälder sind nach Auffassung der Wildtier-Stiftung für Windräder tabu.

Auch für Ulrich Dohle, stellvertretender Vorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute und Revierförster im Raum Sternberg, sind Windräder im Wald hierzulande kein großes Thema. „In wenigen Einzelfällen in Randbereichen könnte das eine Option sein. Aber in einem waldarmen Land wie MV, das auf den Tourismus setzt, wird es kein Massenphänomen.“ Zwar gebe es gewisse Vorteile – zum Beispiel den größeren Abstand zur Wohnbebauung, denen stehen aber der Natur- und Artenschutz entgegen.

Reinhard Stuths Schlussfolgerungen aus dem Werkstattgespräch: „Wenn ein Interessent mit einer entsprechenden Projektidee an uns herantreten würde, würden wir nicht von vornherein abraten. Man muss aber genau schauen, wohin man mit den Anlagen geht, und der Investor sollte auf jeden Fall begleitende Untersuchungen und Forschungen zum Artenschutz in Auftrag geben.“ Gegen Windräder in einem forstwirtschaftlich genutzten Nadelwald gebe es aus seiner Sicht keine generellen Gegenargumente. „Man muss immer den konkreten Einzelfall sehen.“

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