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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 02:24 Uhr

Muchow : Windpark: Bürger gegen Prüfung

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Deutliche Mehrheit gegen Wirtschaftlichkeitsprüfung. Projekt trotzdem noch nicht endgültig vom Tisch

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Die Muchower haben entschieden: Sie wollen nicht, dass die Gemeinde die Wirtschaftlichkeit eines Windparkprojektes vor ihrer Haustür prüfen lässt. Bei der Bürgerbefragung am Sonntag sprach sich eine deutliche Mehrheit dagegen aus. Endgültig vom Tisch ist das Vorhaben damit aber noch nicht. Wie wichtig den Muchowern das Thema ist, zeigt die Wahlbeteiligung. Sie lag bei rund 84 Prozent.

Wie Bürgermeister Hans-Jürgen Stier auf SVZ-Anfrage mitteilte, stimmten 51 Bürger für die Prüfung, 160 dagegen. „Das kommt nicht ganz überraschend“, meinte der Bürgermeister. „Damit ist das Thema für mich ad acta gelegt.“ Würde man das Votum jetzt nicht akzeptieren, hätte man sich die Befragung auch sparen können. „Jetzt kehrt hoffentlich wieder Ruhe in der Gemeinde ein“, so Stier.

Die Gegner des Windpark-Projekts sind zufrieden. „Wir freuen uns über die sehr hohe Beteiligung und das eindeutige Votum der Bürger von Muchow und hoffen, dass der gemeindliche Wille von allen respektiert wird“, erklärte Dr. Philipp Pahl, Pressesprecher der Interessengemeinschaft „Muchow – Freier Westhorizont“. Die hohe Beteiligung stelle unter Beweis, dass die Muchower sehr engagiert sind. „Wir sind eine junge und kreative Gemeinde. Wir wollen mitreden und mitgestalten“, so Pahl. „Das haben wir in der Vergangenheit schon in diversen herausfordernden Projekten bewiesen. Daher sind wir zuversichtlich, dass wir Muchows Zukunft erfolgreich gestalten werden.“

Für die Vorhabenträger – die Wemag Wind Energie GmbH und die KWE New Energy GmbH – scheint das Projekt möglicherweise noch nicht endgültig vom Tisch. „Wir werden erst in den nächsten Tagen darüber sprechen, wie wir mit dem Ergebnis der Befragung umgehen“, erklärte Reinhard Stuth gestern gegenüber SVZ. Er ist Geschäftsführer der Blau MV GmbH, die unter anderem für die Kommunikation rund um das Projekt ins Boot geholt worden war. Die Befragung habe sich schließlich nur auf einen einzelnen Aspekt – eine Wirtschaftlichkeitsprüfung – bezogen. „Trotzdem gehen wir davon aus, dass sie das Stimmungsbild nicht nur zur Prüfung des Vorhabens, sondern zum Projekt insgesamt widerspiegelt.“ Bei seiner Sprechstunde in Muchow in der vergangenen Woche sei ihm aber aufgefallen, dass es eine sehr große Unkenntnis zu wichtigen Aspekten gibt – etwa zur weiteren Einflussnahme der Gemeinde und zum Genehmigungsprozess. Er würde deshalb empfehlen, den Dialog und die Gespräche fortzusetzen.

Hans-Jürgen Stier will das Votum akzeptieren, glücklich scheint er damit allerdings nicht. „Es stellt sich nun die Frage nach der künftigen Finanzausstattung unserer Gemeinde“, sagte er. Immerhin hatten die Investoren in Aussicht gestellt, dass der Windpark jährlich mehr als 100 000 Euro in die Gemeindekasse spülen könnte. „Nun müssen wir auf den neuen Landtag schauen, ob die Finanzausstattung so verändert wird, dass die Gemeinden ihren Haushalt darstellen können“, so Stier. Mit Sorge blickt er auf den Reparaturstau an Straßen und Wegen etwa. „Selbst bei einer 70-Prozent-Förderung bleibt eine immense Belastung für die Einwohner.“

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