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Ludwigsluster Tageblatt

11. Dezember 2017 | 05:03 Uhr

Ludwigslust : Windkraft zieht nicht (mehr)

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Kaum mehr als 40 Bürger bei einer Einwohnerversammlung. Die Stadt Ludwigslust entschleunigt ihre eigenen Windpark-Planungen.

von
erstellt am 06.Mai.2016 | 07:00 Uhr

Während das Thema Windkraft anderswo noch Säle füllt und für aufgeheizte Stimmung sorgt, herrschte in der Ludwigsluster Stadthalle am Dienstagabend große Leere und Ruhe. Nur 45 Besucher waren zur Einwohnerversammlung gekommen, um zu hören, wie es um die Planung der Windeignungsgebiete und um die Integration von Flüchtlingen steht. Rund ein Drittel davon waren Stadtvertreter oder Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Enttäuscht war der Gastgeber, Bürgermeister Reinhard Mach, dennoch nicht. Nicht einmal überrascht. „Wir haben zu beiden Themen nicht so viel Neues zu berichten, weil wir es von Anfang an regelmäßig getan haben“, so Mach. „Die früheren Veranstaltungen sind von den interessierten Ludwigslustern stark genutzt worden, so dass sie orientiert sind.“ Und dann sei ja noch Fußball gewesen…

Doch für einige Ludwigsluster waren Windräder und ihre Auswirkungen dann doch wichtiger. Reinhard Mach informierte sie, dass die Zahl der vorgeschlagenen Windeignungsgebiete und zum Teil deren Größe im jetzigen Entwurf für das Regionale Raumentwicklungsprogramm im Vergleich zu ursprünglichen Überlegungen verringert worden seien. Das Gebiet zwischen Techentin und Karstädt gehe nur noch bis zur 110-kV-Leitung. „Allerdings nicht wegen dieser Leitung“, so Mach. „Als Begründung wurden vielmehr Großvögel genannt.“ In diesem Gebiet will die Stadt in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Ludwigslust-Grabow mehrere Windenergieanlagen errichten. Auch das Gebiet zwischen Glaisin, Bresegard und Eldena sei jetzt viel kleiner. Ein Bürger bemängelte, dass die Begründung, warum ein Suchraum weggefallen ist oder verkleinert wurde, nicht öffentlich eingesehen werden könne.

Arnold Lübcke sprach das Thema Infraschall an. „Dazu hört man wenig, außer dass in Dänemark Projekte auf Eis gelegt wurden, um die Folgen für den Menschen zu erforschen.“ In der Stellungnahme, die die Stadt zum Entwurf des Regionalen Entwicklungskonzeptes Westmecklenburg abgeben will, ist dieser Aspekt nach Aussage des Bürgermeisters bislang nicht enthalten. „Infraschall spielt weder in der Gesetzgebung noch in der Rechtsprechung zu Windkraftanlagen eine Rolle“, begründete er. Ihm sei auch kein Fall bekannt, dass eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) wegen des Infraschalls zu Fall gebracht worden ist.

In ihrer eigenen Windpark-Planung ist die Stadt inzwischen etwas auf die Bremse getreten. „Das Ziel, bis Silvester etwas Belastbares zu haben, ist uns abhanden gekommen“, so der Bürgermeister. „Wir haben festgestellt, dass wir den Planungsprozess in dieser Geschwindigkeit nicht durchgesetzt bekommen.“ Viele Projektentwickler wollen gern noch in diesem Jahr an den Start gehen, weil sich ab 2017 die Regularien für die Einspeisevergütung, die man für den Windstrom erhält, ändern. Die Karstädter, die bereits weiter seien, würden an diesem Ziel noch festhalten, so Mach.

Für die Ludwigsluster Pläne gibt es laut Mach zwei Prioritäten: Wenn etwas in dem Gebiet geschieht, will die Stadt daraus auch eigene Erlöse erzielen. Oberste Priorität habe aber der Schutz des Flächendenkmals Ludwigslust. „Die denkmalschützerische Beurteilung des städtebaulichen Ensembles soll demnächst beginnen“, so Mach.

Dass der Denkmalschutz des Landes – wie es in den vergangenen Tagen hier und da hinter vorgehaltener Hand hieß – Windräder im Radius von zehn Kilometern um Denkmale pauschal ablehnt, bestätigte sich bei SVZ-Recherchen nach der Sitzung bisher nicht. Sowohl Dr. Michael Bednorz, Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, als auch Karl Schmude von der Geschäftsstelle des Planungsverbandes dementierten, dass es eine solche pauschale Aussage oder Stellungnahme gibt. „Es muss immer der Einzelfall betrachtet werden“, so Bednorz. „Gibt es merkbare Beeinträchtigungen, heben wir den Finger.“

Wer sich zu den vorgeschlagenen Windeignungsgebieten und dem Entwurf des Raumentwicklungsprogramms äußern möchte, kann das noch bis zum 30. Mai tun. Schriftlich, online oder zur Niederschrift. 

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