Grabow : Wind: Widerstand wächst weiter

Die Teilnehmer der Windkraft-Konferenz vor dem Schützenhaus in Grabow.
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Die Teilnehmer der Windkraft-Konferenz vor dem Schützenhaus in Grabow.

Anhänger vernünftiger Energiepolitik trafen sich in Grabow und berieten im Schützenhaus über dieses brisante Thema

svz.de von
31. August 2016, 07:00 Uhr

Windkraft als Thema in der bunten Stadt an der Elde: Vertreter von Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland kamen jetzt im mecklenburgischen Grabow zusammen. Angesichts eines im ganzen Land als Belastung von Natur, Landschaft und Lebensqualität erlebten, dabei technisch und ökonomisch fragwürdigen Windkraftausbaus berieten Mitglieder der Bundesinitiative Vernunftkraft im Schützenhaus über Wege zu einer vernünftigeren Energiepolitik.

In Mecklenburg-Vorpommern stehen die negativen Aspekte der Windkraft dank des Engagements des Aktionsbündnisses Freier Horizont, das auch bei der Landtagswahl in MV antritt, im politischen Rampenlicht, heißt es in einer Erklärung von Vernunftkraft, der Bundesinitiative (BI) für vernünftige Energiepolitik. Die BI legte ihre diesjährige Mitgliederversammlung daher ganz bewusst nach Grabow. Delegierte von Landesbündnissen windkraftkritischer Bürgerinitiativen aus allen Flächenbundesländern berieten über Wege zu einer vernünftigeren Energiepolitik. Auch Landesminister Pegel war zu einem Impulsvortrag eingeladen, konnte die Einladung zum freundlich-konstruktiven Diskurs jedoch leider aus terminlichen Gründen nicht annehmen. Dabei wird die energiepolitische Konzeption des Landes Mecklenburg-Vorpommern von Vernunftkraft schon lange hinterfragt. Der Technologiesprecher der Initiative, Dr.-Ing. Detlef Ahlborn, erläutert: „Erwiesenermaßen bewirkt der Zubau an Windkraft- und Solarkapazitäten einen Anstieg der Leistungsschwankungen und Leistungsspitzen. Die von der Windkraftlobby verbreitete These von der Glättung durch Ausbau in der Fläche ist durch eindeutige Fakten und durch klare Mathematik widerlegt. Als Folge der volatilen Stromerzeugung wurden im Jahr 2015 nicht weniger als 4700 GWh Überschussstrom gegen eine Entsorgungsgebühr von 45 Mio. Euro im Ausland verklappt. Im letzten Jahr wurde mehr als 200 Mio Euro für abgeregelten Strom bezahlt, Strom, der hätte produziert werden können (!) Die Netzbetreiber haben nicht weniger als 1 Mrd. Euro aufgewendet, um das Stromnetz vor dem Blackout zu bewahren und unsere elektrischen Nachbarn bauen für 200 Mio. Euro an den Grenzen auf unsere Kosten Stromsperren ein, um die eigenen Stromnetze zu schützen. Dieses Stromerzeugungssystem subventionieren wir jährlich mit 24 Mrd. Euro für Strom, der dann 1,5 Mrd. Euro an den Strombörsen wert ist. Jede neue Anlage verschärft die Situation und produziert Energiemüll.“

Vor diesem Hintergrund einen weiteren Ausbau zu forcieren und dazu die Ressourcen Landschaft und Lebensqualität zu opfern, erscheint den Vernunftkraft-Protagonisten unangebracht – in MV wie andernorts.

Für die „Politik aus Notwehr“ (so ein Slogan der Partei Freier Horizont), die sich in der Teilnahme der mecklenburgischen Partner an der Landtagswahl manifestiert, entwickelten die Vertreter der Bündnisse aus den anderen Ländern daher tieferes Verständnis.

In mehreren thematisch gegliederten Sitzungsrunden wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Bundesländern und strategische Ansatzpunkte für ein gemeinsames, nachdrückliches Eintreten für eine vernünftigere – Mensch, Natur und Landschaft schonende – Energiepolitik beraten, heißt es in der Erklärung weiter. Der Vorsitzende der Bundesinitiative, Dr. Nikolai Ziegler, resümiert: „Der Ansatz, den unsere mecklenburgischen Partner aus Notwehr wählten, ist sehr interessant. Die Konstellationen in den anderen Bundesländern sind anders – die Notwendigkeit zum politischen Engagement im Sinne der Gefahrenabwehr ist jedoch überall gegeben. Die aufgeklärte Bürgerschaft ist überall gefordert – unser Verein wird sie im Wahljahr 2017 noch stärker unterstützen.“

Die Gesprächsatmosphäre entsprach dem eitlen Sonnenschein, bei dem Grabow seine Gäste empfing. Im Sinne Erich Kästners: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern“, bestand Einigkeit, weiterhin die Unschuld bewahren zu wollen, heißt es es in der Presseerklärung der Bürgerinitiative Vernunftkraft abschließend.

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