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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 18:54 Uhr

Ludwigslust : Wieder müssen Linden weichen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bürgermeister: Viele Bäume am Kirchenplatz laut Gutachter nicht mehr bruch- und standsicher / Fällaktion am Freitag

von
erstellt am 22.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Die Natur macht der Lindenstadt einen Strich durch die Rechnung. Die Stadt muss kurzfristig 47 Linden rund um den Kirchenplatz zu Leibe rücken, obwohl das Konzept für dessen geplante Neugestaltung noch nicht steht. „Ein Baumgutachter ist zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Bäume nicht mehr stand- und bruchsicher sind“, teilte Bürgermeister Reinhard Mach gestern Nachmittag mit. Wenn ein Gutachter der Stadt so etwas bescheinigt, komme man mit Blick auf die Verkehrssicherungspflicht nicht umhin zu handeln. „Wir sind da leidgeprüft“, so Mach unter Hinweis auf das Unglück, bei dem in der Klenower Straße ein Mann von einem Baum erschlagen worden war.

Die Motorsägen werden bereits ab morgen heulen. „Am Freitag werden drei Bäume ganz abgesägt“, erklärte Stadtförster Karl August Ihde. „In den Tagen darauf wird an weiteren 44 Bäumen ein Kronensicherungsschnitt durchgeführt.“ Soll heißen: Die Kronen werden abgenommen, die Stämme bleiben stehen. Bei den Arbeiten ist Vorsicht geboten. „Es könnte sein, dass sich der geschützte Eremit in einigen der Stämme angesiedelt hat“, so Karl August Ihde. „Wenn das der Fall ist, muss der jeweilige Stamm sehr vorsichtig zu Fall gebracht werden. Anschließend wird der Stammtorso gedeckelt und im Schlosspark aufrecht aufgestellt – an einer Stelle, an der der Eremit bereits zu Hause ist.“

Die ganze Aktion, die etwa die Hälfte aller Bäume am Kirchenplatz betrifft, wird von einem Umweltingenieur vor Ort ökologisch begleitet. „Der Ingenieur verfolgt und dokumentiert jeden Handgriff der beauftragten Firma und steuert die jeweils nächsten Schritte, um den Stamm segmentweise untersuchen zu können“, so Karl August Ihde. Das Augenmerk ist dabei auf den Mulm im Inneren der Stämme gerichtet. Möglicherweise wachsen dort Larven des seltenen Eremit-Käfers heran – wie schon in einigen Bäumen auf dem benachbarten Areal am Bassin.

Über die Fällaktion auf dem Kirchenplatz hatte sich die Stadt im Vorfeld mit der Denkmalschutzbehörde und der Naturschutzbehörde verständigt. Eigentlich darf nach dem 28. Februar die Motorsäge nicht mehr angesetzt werden. „Glücklich sind wir mit der Situation nicht“, betonte Reinhard Mach. „Wir hätten die Linden gern noch stehen gelassen, um im Zuge der Gesamtmaßnahme Kirchenplatz zu entscheiden, wie wir mit ihnen verfahren.“ Weil dafür Städtebaufördermittel fließen sollen, während die Stadt die jetzigen Arbeiten aus normalen Haushaltsmitteln bezahlen muss, wäre das für die Stadt billiger gewesen. „Aber die Verkehrssicherungspflicht fragt nicht nach Fördermitteln“, so Mach.

Fakt ist, dass sich der Anblick des Kirchenplatzes massiv verändern wird. Das hätte allerdings so oder so passieren können, nur später. „Im Gespräch mit der Denkmalschutzbehörde wurde deutlich, dass sie Kirchenplatz und Bassin als Gesamtanlage betrachtet“, so Karl August Ihde. Am Bassin waren im vergangenen Jahr rund 80 Bäume gefällt worden. Das Areal wird derzeit nach historischem Vorbild umgestaltet. Dort sollen dann fast 200 kleinwüchsige Linden neu gepflanzt werden.

 

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