Ludwigslust : Wie viel Windkraft soll es sein?

Realistisches Szenario oder blanke Übertreibung? Darüber gibt es auch rund zwei Jahre, nachdem die Bürgerinitiative (BI) „LandWindLeben“ Bilder von simulierten Windparks veröffentlichte, unterschiedliche Meinungen. Doch Holger Friel, BI-Vertreter und Stadtvertreter, ist überzeugt, dass die Darstellungen realistisch zeigen, was den Ludwigslustern blühen könnte.  Collage: LandWindLeben (2)
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Realistisches Szenario oder blanke Übertreibung? Darüber gibt es auch rund zwei Jahre, nachdem die Bürgerinitiative (BI) „LandWindLeben“ Bilder von simulierten Windparks veröffentlichte, unterschiedliche Meinungen. Doch Holger Friel, BI-Vertreter und Stadtvertreter, ist überzeugt, dass die Darstellungen realistisch zeigen, was den Ludwigslustern blühen könnte. Collage: LandWindLeben (2)

Ausschüsse beraten heute über Antrag von Stadtvertretern / Gespräch mit Flächeneigentümern und ökologische Betrachtung gefordert

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19. März 2015, 07:00 Uhr

Im Extremfall könnte die Lindenstadt eines Tages von Windrädern umzingelt sein. „Wir haben aber das Gefühl, die meisten glauben weiter, dass in Ludwigslust nichts dergleichen passiert“, sagt Holger Friel von der Bürgerinitiative (BI) „LandWindLeben“. Doch die aktuelle Rechtslage lasse anderes befürchten. „Selbst die Investoren, deren Gebiet nicht  als Eignungsgebiet ausgewiesen wird, könnten versuchen, ihr Projekt auf dem Klageweg durchzusetzen“, sagt der Stadtvertreter aus Glaisin mit Blick auf aktuelle Urteile.

Gemeinsam mit Heiko Böhringer, seinem Fraktionskollegen von der „Alternative für Ludwigslust“, will Holger Friel jetzt in Ludwigslust die Debatte befeuern, was in der Stadt in puncto Windenergie passieren soll. Ihr auf der jüngsten Stadtvertretersitzung gestellter Eilantrag war in Teilen in die Ausschüsse verwiesen worden und soll heute im Bauausschuss und im Ausschuss für Stadtentwicklung (Beginn jeweils 18 Uhr, Rathaus) beraten werden.

Der erste Teil des Eilantrages war von den Stadtvertretern nach Friels Aussage beschlossen worden. Damit wurde der Bürgermeister beauftragt, Gespräche mit den Flächeneigentümern in den Suchräumen für Windenergieanlagen aufzunehmen.  Ziel solle es sein, einen Flächenpool zu schaffen, um die Auslastung der Gebiete und die Anordnung der Windkraftanlagen in den Gebieten zu steuern, so Heiko Böhringer. Zudem solle ein Variantenvergleich erstellt werden, auf dessen Grundlage die Bürger entscheiden, in welche Richtung sich die Stadt in dieser Frage entwickeln soll, heißt es im Antrag.  Immerhin sieben Potenzialsuchräume hat der Regionale Planungsverband rund um Ludwigslust markiert. Sie liegen zwischen Techentin und Hornkaten, zwischen Glaisin und Hornkaten, am Heldenhain, im Bereich des Industriegebietes an der B 191 in Richtung Dömitz, zwischen Kummer, Göhlen und Hornkaten sowie nördlich von Ludwigslust (Die Karte gibt es hier).

Der Eilantrag ist eine Reaktion auf die jüngste Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbandes, in der Friel und Böhringer Mitglied sind. Dort war – abweichend vom 1000-Meter-Abstand des Baugesetzbuches – die 7-H-Regel als Kriterium für Windeignungsgebiete beschlossen worden. Danach sollen Windräder die siebenfache Anlagenhöhe als Mindestabstand  zur Wohnbebauung haben. Die unter anderem von Kreistag und Stadtvertretung favorisierte 10-H-Regel hatte keine Mehrheit gefunden. „Dabei hätten Gemeinden, die es wollen, in ihrer Bauleitplanung davon abweichen können“, so Holger Friel. Zuvor hatte ein Gutachter bereits klargestellt, dass Gemeinden bei der Ausweisung von Eignungsgebieten nicht das entscheidende Wort haben dürfen. „Dass nicht vor Ort entschieden werden kann, wo und nach welchen Modellen Windenergie produziert und wie der Nutzen aufgeteilt werden soll, ist undemokratisch“, so Friel.

Da der Planungsverband eine gemeindliche Vorabbeteiligung plant, sollen nach dem Willen der Antragsteller in der Stadt nun entsprechende Daten gesammelt werden. Dazu sollen – so der jetzt zu beratende Teil des Antrages – unter Federführung der Naturforschenden Gesellschaft (NGM) die Suchräume ökologisch betrachtet werden – unter Mithilfe der Bürger, die Beobachtungen melden möchten.

Holger Friel und Heiko Böhringer sind nach eigener Aussage keinesfalls Gegner der Windenergie. „Wir sind prinzipiell für Windkraft. Wir sind Ingenieure und sehen die Technik dahinter“, so Holger Friel. Aber Windräder in einem Abstand von 1000 Metern würden sehr, sehr erschlagend wirken. Und wenn man die Menschen vor Ort nicht mitnimmt, erzeuge das Ablehnung sowie Frust und treibe einen Keil zwischen Nutznießer und diejenigen, die nichts von den Windenergieanlagen haben.

Heiko Böhringer verweist darauf, dass Windkraft (derzeit) gar nicht so grün ist. „Diese Technik macht Sinn, wenn sie grundlastfähig ist (konstant elektrische Energie liefert, d. Red.)“, sagt der Ingenieur. Noch seien aber im Hintergrund konventionelle Kraftwerke erforderlich, um die Stromversorgung zu sichern. Und fleißig seien Windräder derzeit auch nicht. Die tatsächliche Stromeinspeisung entspricht nach Angaben des Portals www.vernunftkraft.de im Durchschnitt nur 15 Prozent der Nennleistung.

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