Ludwigslust : Wie lang ist eine halbe Minute?

Die Beamten kontrollierten auch, ob beispielsweise Warnweste, Warndreieck und Verbandskasten im Wagen sind.
Die Beamten kontrollierten auch, ob beispielsweise Warnweste, Warndreieck und Verbandskasten im Wagen sind.

Polizei führte in Ludwigslust Kontrolle speziell hinsichtlich Fahrens unter Drogeneinfluss durch

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22. März 2018, 21:00 Uhr

„Bitte schließen Sie die Augen, heben den Kopf und sagen mir, wenn dreißig Sekunden vorbei sind.“ 27 Sekunden später glaubt der Autofahrer: „Jetzt.“ Polizeioberkommissar Michael Schröder ist zufrieden. „Sie dürfen weiterfahren.“

Polizeikontrolle am späten Mittwochnachmittag auf der Wöbbeliner Straße in Ludwigslust. Speziell haben es die Polizisten in diesen rund zwei Stunden auf solche Kraftfahrer abgesehen, die unter Drogeneinfluss unterwegs sind. Die eingangs erwähnte Situation beschreibt den sogenannten „Romberg-Test“. Michael Schröder: „Wenn sich jemand bei der Zeit grob verschätzt, kann das auf Drogeneinfluss hinweisen.“ Allerdings würde es da noch eine ganze Menge weiterer Indizien geben.

Ein junger Mann wird mit seinem Pkw herausgewunken. Er glaubt bereits nach 15 Sekunden, die halbe Minute sei vorbei. Die Polizisten bitten ihn, während des Tests die Hände vorzuhalten. „Wenn Hände, Körper oder Beine zittern, kann das ebenfalls auf Drogeneinfluss hinweisen“, erläutert Michael Schröder. Beim jungen Mann, der gerade getestet wird, zittern die Hände und auch die Augenlider flackern. Ein Urin-Vortest soll jetzt erste Klarheit schaffen, doch der Mann „kann gerade nicht.“ Wenig später klappt es dann doch und damit bleibt ihm ein Bluttest erspart. Der Urin-Vortest vor Ort ergibt keine Hinweise darauf, dass der Mann in diesem Augenblick unter Drogen steht. Auch er darf weiter fahren.

Bei einem weiteren jungen Autofahrer deutet der Urin-Vortest zunächst ganz leicht auf den möglichen Konsum von Methamphetaminen hin. Allerdings behauptet er, seit zweieinhalb Jahren keine Drogen mehr zu konsumieren, dafür aber bis zu vier Dosen Energydrinks täglich. Das könnte die Ursache für den anfänglichen Verdacht sein. Der Urintest deutet letztlich dann auch nicht daraufhin, dass der Mann gegenwärtig unter Drogeneinfluss steht.

Insgesamt werden an diesem Nachmittag 50 Fahrzeuge kontrolliert. Acht Kraftfahrer werden zum Urin-Vortest gebeten. Die Beamten stellen niemanden fest, der unter Drogeneinfluss fährt. Allerdings gibt es sieben Fälle, in denen beispielsweise Warnweste, Warndreieck, Verbandskasten oder Dokumente fehlen. Jeweils einmal gibt es Verstöße gegen die Gurtpflicht und das Handyverbot am Steuer.

Die Kontrolle erfolgte im Rahmen einer speziellen Schulung für die Beamten. Dafür ist Oberkommissar Michael Schröder, Drogenexperte aus Wismar, am Mittwoch bereits zum zweiten Mal in kurzer Zeit nach Ludwigslust gekommen, um die hiesigen Beamten zu schulen – zunächst in der Theorie und unmittelbar danach in der Praxis. Dabei geht es speziell darum, zu vermitteln, welche Anzeichen auf Drogenkonsum hinweisen und wie entsprechende Kontrollen effektiv durchgeführt werden können.

Polizeiobermeisterin Denise Bosbach: „Ich finde, solche Schulungen und die Kontrollen gleich danach sind eine gute Sache. Man lernt immer wieder Neues dazu, was uns dann im täglichen Dienst hilft.“

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