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Eichenprozessionsspinner in Wöbbelin : Widerstand gegen Luft-Einsatz

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Gestern startete die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus der Luft, zumindest auf dem Papier. Doch nicht jeder traut den Helikopter-Einsätzen gegen die kleinen Raupen des nachtaktiven Schmetterlings.

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erstellt am 29.Apr.2013 | 06:10 Uhr

Wöbbelin/Ludwigslust | Gestern startete im Landkreis die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus der Luft, zumindest auf dem Papier. Helikopter-Einsätze gegen die kleinen Raupen des nachtaktiven Schmetterlings sind in dieser Woche allerdings noch nicht geplant. Weder die Raupen noch die Eichen sind für diesen Angriff weit genug entwickelt. Die Raupe ist für Menschen gefährlich, weil sie Brennhaare ausbildet, die bei Kontakt Hautreaktionen, Augenentzündungen und sogar Schockreaktionen auslösen können.

Doch nicht jeder traut den von Hubschraubern eingesetzten Mitteln "Dipel ES" und "Karate" sowie der Bekämpfung aus der Luft. Wöbbelins Bürgermeisterin Viola Tonn kündigte dann auch auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung an, gegen den Hubschraubereinsatz Widerspruch beim Landrat einzulegen. "Nach meinen Informationen sind in den Bekämpfungsmitteln krebserregende Substanzen enthalten", sagte Viola Tonn. Speziell für Kita, Schule und Sportplatz sieht die Bürgermeisterin unabsehbare Gefahren. "Möglicherweise sind nach dem Einsatz der Schädlingsbekämpfungsmittel aus der Luft ganze Bodenflächen verseucht."

Ebenso fürchtet Viola Tonn, dass die aus ihrer Sicht schädlichen Stoffe nicht nur in den Boden eindringen, sondern auch Grund- und Trinkwasser verseuchen. "Wenn es ganz schlimm kommt, müssten wir zumindest auf dem Spielplatz den Boden abtragen und auswechseln. Und unseren Sportplatz müssten wir wohl auch dichtmachen. Neben dem gesundheitlichen Risiko kämen dann auch noch zusätzliche Kosten auf uns zu."

Bürgermeisterin Tonn würde es lieber sehen, wenn statt aus der Luft ein "Bodeneinsatz" gegen die gefährlichen Raupen erfolgen würde. "Ein Absaugen der Raupen vom Boden aus könnte das Problem lösen", ist sie überzeugt.

Im zuständigen Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern versteht man die Aufregung nicht. Ministeriumssprecher Christian Moeller: "Die Bekämpfungsmittel, die gegen den Eichenprozessionsspinner aus Hubschraubern eingesetzt werden, sind nicht gesundheitsschädigend." Bis jetzt sei aber auch überhaupt noch nicht entschieden, ob die Hubschrauber über Gemeinden Bekämpfungsmittel versprühen dürfen. "Im Moment ist noch nicht geklärt, ob Hubschrauber über bewohntem Gebiet zum Einsatz kommen", erklärte Christian Moeller gestern gegenüber SVZ. "Es gibt zwar die Genehmigung für die Schädlingsbekämpfung aus der Luft, aber noch keine Erlaubnis für solche Einsätze über bewohntem Gebiet." Trotzdem hofft das Ministerium auf eine positive Entscheidung durch das zuständige Verkehrsministerium des Landes. "Wir drängen auf eine Entscheidung noch in dieser Woche", sagte Sprecher Christian Moeller. Kein Wunder, denn die Raupen des Eichenprozessionsspinners schlüpfen Anfang Mai und häuten sich bis zur Verpuppung etwa fünfmal. Ab der dritten Häutung entstehen die für Menschen gefährlichen Brennhaare.

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim hat es bisher laut Landratsamt drei Widersprüche gegen die geplante Schädlingsbekämpfung gegeben. Andreas Bonin, Sprecher des Landrats: "Bisher ist ein Widerspruch von einer Gemeinde (nicht Wöbbelin - d. Red.) eingegangen. Weiter gibt es Widersprüche von zwei Privatpersonen, die sich auf die eingesetzten Mittel beziehen. Wir prüfen solche Widersprüche und geben den Betroffenen dann unsere Entscheidung bekannt. Grundsätzlich gilt, dass Gemeinden selbst entscheiden können, was auf ihrem Grund und Boden passiert."

Allerdings sagte Bonin auch, dass sich jede Gemeinde, die Schädlingsbekämpfung aus der Luft ablehnt, überlegen müsse, wie das Problem des Eichenprozessionsspinners sonst gelöst werden kann. Gestern teilte der Landkreis Ludwigslust-Parchim schließlich mit, dass es Hubschrauberflüge zur Bekämpfung des Schädlings nicht vor dem 6. Mai geben werde. Alle Interessierten können bei der Kreisverwaltung in Sachen Eichenprozessionsspinner nachfragen unter der Service-Nummer 03874/6 24-23 99. Außerdem veröffentlichte der Landkreis eine Bürgerinformation, in der erklärt wird, warum und mit welchen Mitteln der Eichenprozessionsspinner bekämpft wird (www.kreis-swm.eu).

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