Ludwigslust : Widerstand formierte sich früh

Windpark Groß Krams scheint endgültig vom Tisch zu sein / Gegner trauen dem Frieden noch nicht / Repowering bleibt wichtiges Thema

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03. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Kein Plan zum Windpark, keine Andeutung zu einem Eignungsgebiet für mögliche Anlagen, ohne dass sich in den vergangenen Jahren nicht sofort Widerstand formiert hätte. Zu lange war und ist der Altkreis Ludwigslust von Windenergietürmen (Ausnahme Lübesse) verschont geblieben. Ausgerechnet die stimmgewaltigste Initiative gegen den so genannten Windpark Groß Krams kann wohl in wenigen Tagen ihren absoluten Erfolg feiern: Das endgültige Aus für alle Pläne. Auf die SVZ-Frage ob damit zu rechnen ist, dass Groß Krams im Dezember endgültig ausgewiesen wird, antwortete Landrat Rolf Christiansen: „Nein. Der Vorstand wird stattdessen vorschlagen, das Gebiet endgültig als Suchraum für die Windenergienutzung zu streichen. Die artenschutzrechtlichen Probleme, insbesondere hinsichtlich des Vogelschutzes, sind zu groß, um es als Eignungsfläche für Windenergie auszuweisen. Die entsprechenden Hinweise waren vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) gekommen. Der Vorstand folgt damit der Bewertung des beauftragten Büros, das die Abwägungsdokumentation zu den eingegangenen Anregungen und Bedenken erstellt hat.“

Auch wenn es damit noch nicht beschlossen ist, spricht derzeit wenig dafür, dass sich die Verbandsversammlung des Planungsverbandes dagegen stellt. Roswitha Böbel, Bürgermeisterin von Redefin und eine der seit Jahren führenden Widerständlerinnen, konnte die Nachricht gestern kaum fassen. „Ich bin geschockt “ gestand sie am Telefon, „ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wenn das stimmt, gibt es bei uns eine Freudenfeier. Allerdings glaube ich es erst, wenn es wirklich passiert ist. Wir haben vor wenigen Jahren schon einmal geglaubt, es geschafft zu haben, und dann kam das Thema wieder.“

Nicht alle Gegner der Windkraftanlagen sind so erfolgreich. Die Parchimer Bürgerinitiative „Gegenwind“ konnte unter dem Vorsitz von Dietlind Gohle die Errichtung besonders großer Türme zwischen Parchim und Lübz nicht verhindern. Dennoch wird weiter gekämpft. „Sorgen Sie dafür, dass dem Wildwuchs der Windparks ein Riegel vorgeschoben wird“, appellierte Dietlind Gohle erst jüngst an die neue Stadtvertretung. „Wir haben die Sorge, dass der Windpark Parchim-Ost nach Ausweisung neuer Eignungsgebiete durch den Regionalen Planungsverband erweitert und die Kreisstadt mit den vorhandenen und neuen Anlagen in Dargelütz verschandelt wird“, so die Chefin der Bürgerinitiative.

Nächstes Widerstandsthema ist das so genannte Repowering. Dabei werden schon bestehende Windanlagen durch modernere aber auch deutlich größere Windtürme ersetzt. Das war in Friedrichsruhe zwischen Parchim und Crivitz ein großes Thema.

Unmut gibt es auch an den Landesgrenzen zu dem relativ hemmungslosen Ausbau der Windkraft in Brandenburg, der zum Teil direkt bis an die Landesgrenze reicht. Und selbst dort, wo Gemeinden an dem politischen gewollten Boom der Windanlagen, wenigstens teilhaben wollen, herrscht alles andere als Einigkeit. Seit mehr als einem Jahr wird z. B. darüber geredet, dass zwischen Holthusen, Sülstorf, Alt Zachun und Bandenitz 19 Windräder aufgestellt werden sollen. Nun ist dieses Areal kein ausgewiesener Eignungsraum für Windkraftanlagen. Daher bleibt nur die Möglichkeit über die direkte Beteiligung der Gemeinden und Bürger am Park, mittels eines so genannten Zielabweichungsverfahrens. Drei Gemeinden stimmten dem Projekt prinzipiell zu – schon vor den Kommunalwahlen im Mai. Nur die Holthusener sind da anderer Meinung und damit geht es auch bei diesem Projekt nicht weiter.

Und die Gründe für die Ablehnungen? Der Bau von bis zu 200 Meter hohen Windrädern in Sicht- und Hörweite wird als unzumutbar erachtet. Kritisch wird die Zerstörung des Landschaftsbildes und des Naturraumes gesehen. Auch die Angst vor Wertverlust bei den Hausgrundstücken geht um. Verkehrsbelastungen und massiver Wegebau für die Großbaustellen werden ebenso abgelehnt. Dagegen wiegt dann der versprochen finanzielle Vorteil für einzelne Gemeinden nicht mehr viel.

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