ludwigslust : Wichtige Stütze für Pflegende

Im Ludwigsluster Zebef trifft sich Susanne Müller regelmäßig mit Joachim Möbius und anderen ehrenamtlichen Betreuern, um sich über ihre Arbeit auszutauschen.
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Im Ludwigsluster Zebef trifft sich Susanne Müller regelmäßig mit Joachim Möbius und anderen ehrenamtlichen Betreuern, um sich über ihre Arbeit auszutauschen.

Joachim Möbius ist ehrenamtlicher Betreuer beim Helferkreis Ludwigslust / Er kümmert sich um eine an Demenz erkrankte Frau

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21. März 2016, 21:00 Uhr

Auf „Mensch ärgere dich nicht“ oder Rommé hat Dora G.* keine Lust. Sie mag keine Gesellschaftsspiele. Sie möchte lieber raus aus dem Haus. Raus und laufen, laufen, laufen. Doch allein kann die 73-Jährige nicht mehr durch die Umgebung streifen. Sie leidet an Demenz. Doch jetzt hat sie einen Begleiter gefunden, der genauso gern wie sie an der frischen Luft unterwegs ist. Joachim Möbius aus Belsch bei Redefin besucht Dora G. einmal in der Woche, und dann marschieren die beiden los. Dass sie sich gefunden haben, ist kein Zufall. Claudia L., Doras Tochter, hat den 72-Jährigen über den Helferkreis Ludwigslust kennengelernt, der ehrenamtliche Betreuer für Demenzkranke und andere Pflegebedürftige vermittelt.

Vor rund drei Jahren hatte sich bei Dora G. die Demenz bemerkbar gemacht. Zu diesem Zeitpunkt lebte die alleinstehende Frau noch in Sachsen-Anhalt, kümmerte sich um ihren großen Garten. „Irgendwann war klar, dass wir sie dort nicht mehr allein lassen können“, sagt Claudia L., die in der Ludwigsluster Region wohnt. In der Zeitung habe sie vom hiesigen Pflegestützpunkt erfahren. „Ich wollte wissen, welche Wohnformen es neben Pflegeheimen für Demenzkranke gibt“, erzählt sie. „Ich wurde sehr gut beraten.“ Schließlich fand sie eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke. „Dort wird meine Mutter rund um die Uhr betreut. Pflege und Verpflegung sind sehr gut“, erzählt Claudia L.. Doch mit der Betreuung ist sie nicht zufrieden. Und der Bewegungsfreude ihrer Mutter werde diese gleich gar nicht gerecht. Beim Pflegestützpunkt hörte sie vom Helferkreis und der Möglichkeit, einen ehrenamtlichen Betreuer zu engagieren. „Unsere Helfer gehen stundenweise zu den Pflegebedürftigen und entlasten so die pflegenden Angehörigen“, erklärt Susanne Müller, Projektleiterin des Helferkreises. „Was Inhalt der Betreuung sein soll, wird – genauso wie die Termine – individuell mit den Familien abgesprochen.“ Das können gemeinsame Spiele, Gespräche am Kaffeetisch und Lesestunden sein, aber auch Spaziergänge oder die Begleitung zum Arzt oder Friseur. „Schön ist es, wenn die Betreuung so früh wie möglich beginnt“, so die Expertin von der comtact GmbH. Zum einen bekommen Angehörige dadurch frühzeitig wichtige Auszeiten von der physisch wie psychisch anstrengenden Rund-um-die-Uhr-Pflege. Zum anderen können die Betreuer so noch in „besseren Tagen“ ein gutes Verhältnis zum Pflegebedürftigen aufbauen. Das bestätigt Joachim Möbius. „Die Demenz schreitet jetzt doch voran, ich erlebe von Mal zu Mal die Veränderungen“, sagt er. Doch in diese Situation habe er hineinwachsen können, so Susanne Müller.

Zehn ehrenamtliche Betreuer, die im vergangenen Jahr in einer speziellen Schulung auf ihre Einsätze vorbereitet worden waren, wirken derzeit im Helferkreis Ludwigslust mit. Gemeinsam haben sie 2015 schon mehr als 400 Betreuungsstunden geleistet. „Und die Nachfrage steigt weiter“, sagt Susanne Müller. Doch während es im Raum Grabow Betreuer gibt, die noch auf ihren Einsatz warten, fehlen in Boizenburg, Wittenburg oder Dömitz noch Ehrenamtler. „Wir wollen die Betreuer natürlich wohnortnah einsetzen, und sie müssen jeweils zu den Pflegebedürftigen passen.“

Bei Dora G. und Joachim Möbius passte es besser, als man gemeinhin erhoffen kann. „Wir stellten gleich beim ersten Treffen fest, dass wir aus der gleichen Gegend stammen“, erzählt der Belscher, der Sachsen-Anhalt vor gut 25 Jahren verlassen hatte. „Wir haben nur 30 Kilometer voneinander entfernt gewohnt“, so der 72-Jährige. „Und mit dem Bruder von Frau G. habe ich sogar zusammen gearbeitet. So haben wir immer wieder Anknüpfungspunkte für Gespräche.“

Inzwischen ist Dora G. tagsüber nicht mehr in ihrer Demenz-Wohngemeinschaft, sondern in einer Tagespflegeeinrichtung. „Die Mitarbeiter der Tagespflege Johnke in Kummer machen viel mit den Patienten“, sagt Claudia L.. „Sie basteln und kochen gemeinsam, sie machen Spiele, gehen spazieren und unternehmen Ausflüge.“ Joachim Möbius fährt trotzdem einmal pro Woche zu Dora G., um mit ihr spazieren zu gehen. „Wenn ich ankomme, strahlt sie mich jedes Mal an“, sagt er. „Es bringt mir eine innere Befriedigung, jemandem so helfen zu können.“ Claudia L., selbst noch berufstätig, ist über die Unterstützung sehr froh und hofft, dass es noch lange dabei bleibt. „Herr Möbius und meine Mutter verstehen sich sehr gut. Dank ihm bekommt sie zusätzlich Bewegung“, erklärt sie. „Das bereichert ihr Leben und bedeutet für sie Lebensqualität.“  

 *Namen von der Redaktion geändert

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