Fresenbrügge : Werben für die Ausbildung

Wie eine Kantenanleimmaschine funktioniert, erklärte Geschäftsführer Andy Mrowiec (r.) Bildungsministerin Bettina Martin (2.v.l.), Wirtschaftsminister Harry Glawe (2.v.r.) und seinen Gästen bei einem Besuch in der Tischlerei.
Wie eine Kantenanleimmaschine funktioniert, erklärte Geschäftsführer Andy Mrowiec (r.) Bildungsministerin Bettina Martin (2.v.l.), Wirtschaftsminister Harry Glawe (2.v.r.) und seinen Gästen bei einem Besuch in der Tischlerei.

Beim Ministerbesuch in der Tischlerei Mrowiec machten Geschäftsführer Zukunftsängste im Handwerk deutlich

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09. Dezember 2019, 18:45 Uhr

Eigentlich waren Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) nach Fresenbrügge gekommen, um sich in der Tischlerei Mrowiec ein Bild über die Ausbildungsbedingungen im Handwerk zu machen. Seit der Gründung 1986 bildet der Betrieb bei Grabow aus, wurde in diesem Jahr erneut als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ ausgezeichnet. Doch Geschäftsführer Andy Mrowiec nutzte den Besuch, um die Minister darauf aufmerksam zu machen, dass es um das Personal im Handwerk in den kommenden Jahren schlecht bestellt sein wird, wenn sich an der beruflichen Ausbildung nicht bald etwas ändern wird.

Die fehlende Qualität der Realschulabschlüsse, Lehrermangel und Stundenausfall, aber auch unzureichende Grundkenntnisse der Auszubildenden – nur einige Punkte, die Andy Mrowiec zum Thema berufliche Ausbildung im Handwerk zu sagen hatte. „Wenn diese Voraussetzungen nicht stimmen, kann in der Ausbildung nicht alles besser werden.“ Auch ein weiterer Aspekt macht dem Handwerk zu schaffen. Immer mehr Eltern würden darauf drängen, dass ihre Kinder Abitur machen. „Das ist ja gar nicht immer notwendig. Ein guter oder sehr guter Realschulabschluss reicht aus, zumal nicht alle Jugendlichen das Abitur machen wollen“, so Andy Mrowiec. Er sieht die Politik in der Pflicht, mehr für die berufliche Ausbildung zu werben und auch die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Schulstandorte oder Mobilität, zu verbessern.

Bildungsministerin Bettina Martin gab zu, dass man die berufliche Ausbildung in den vergangenen Jahren eher stiefmütterlich behandelt habe. „Die wollen wir jetzt stärker in den Vordergrund rücken. Die Auftragsbücher der Handwerker sind voll, aber dafür müssen auch zukünftig ausreichend Fachkräfte da sein.“ Das Handwerk habe goldenen Boden, daher wolle man die berufliche Ausbildung in den kommenden Jahren auf Augenhöhe mit einem Studium sehen. Dafür müsse man enger mit den Schulen zusammenarbeiten, aber auch die Landräte sehen Bettina Martin und Harry Glawe in diesem Punkt stärker in der Verantwortung.

Bei der Tischlerei Mrowiec absolvieren aktuell drei junge Leute ihre Ausbildung, außerdem macht sich eine Praktikantin ein Bild von dem Beruf. Bei einem Rundgang durch die Hallen der Tischlerei konnten die Gäste, unter anderem auch Peter Günther, Präsident der Handwerkskammer Schwerin, und Dr. Gunnar Pohl, Hauptgeschäftsführer der Kammer, das neue Lackierzentrum der Firma kennenlernen. Im vergangenen Jahr wurde die Halle gebaut, seit einigen Monaten werden Türen und Fenster von einem Lackierroboter nach den Wünschen der Kunden gestaltet. So konnte die Arbeit für die Mitarbeiter erleichtert aber auch die Qualität noch weiter verbessert werden. Gefördert wurde der Bau zu 25 Prozent vom Wirtschaftsministerium. „Mit ihrer Arbeit, ihrem Einsatz und der Investition in die Zukunft sind sie hier auf dem richtigen Weg und machen die beste Werbung für den Handwerksberuf“, erklärte Wirtschaftsminister Harry Glawe anerkennend.

Andy Mrowiec hofft, dass beide Minister die Anregungen aus dem Gespräch mitnehmen und sich künftig etwas in der Ausbildung ändern wird. Damit das Handwerk auch weiterhin goldenen Boden haben wird.

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