Ludwigslust : Wer zu spät kommt, zahlt Filter und Einbau selber

Um die Nachrüstung von Partikelfiltern bei Dieselfahrzeugen anzukurbeln, hat der Bund heuer Nachrüstprämien in Höhe von 260 Euro ausgelobt.
Um die Nachrüstung von Partikelfiltern bei Dieselfahrzeugen anzukurbeln, hat der Bund heuer Nachrüstprämien in Höhe von 260 Euro ausgelobt.

Aber einen riesigen Run hat die Neuauflage der Partikelfilterförderung für alte Diesel noch nicht ausgelöst

von
14. August 2015, 07:00 Uhr

260 Euro bar auf die Hand, wenn der alte Diesel einen neuen Partikelfilter erhält. Das ist das Angebot von Vater Staat. Riesigen Run hat die Neuauflage der Partikelfilterförderung für alte Diesel noch nicht ausgelöst: Dabei gibt's durchaus noch reichlich alte Diesel. Für diese Erkenntnis reichte ein Blick in die Bestandsliste. Danach waren allein im Kreis Ludwigslust-Parchim zu Beginn der Nachrüstaktion am 1. Februar noch 11  921 Diesel-Pkw unterwegs, die alle noch der Schadstoffklasse Euro 1 bis Euro 3 entsprechen. Und Euro 3 abwärts ist der kritische Bereich, in dem sich die Autohalter die Frage stellen müssen, wie lange das Auto noch halten soll, denn Zukunft hat es, je dichter die Umweltzonen werden - entweder als Oldtimer oder nachgerüstet. Wobei, Tücke 2, es muss auch einen Filter geben. Und das ist nicht immer der Fall.

Um die Nachrüstung anzukurbeln, hat der Bund heuer Nachrüstprämien in Höhe von 260 Euro ausgelobt, die es seit 1. Februar verteilt werden. Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das die Fördermittel verwaltet, ist alles ganz entspannt: „Aktuell stehen genügend Fördermittel zur Verfügung“, steht auf www.bafa.de zu lesen: 115  385 Nachrüstungen können mit den bereitgestellten Mitteln gefördert werden. 2012, als die erste Nachrüstaktion lief, gab’s tägliche Antragsstandmeldungen. Da liefen aber auch 500 und mehr Anträge am Tag auf. Wäre die Nachfrage 2015 wie die 2012 stünde irgendetwas in der Art von „Derzeit können noch ca. 55  000 Nachrüstungen gefördert werden“, auf der Seite. Denn die Tücke an der Förderung ist, dass sie in der Reihenfolge des Antragseingangs ausgegeben wird. Wer zu spät kommt, zahlt die 700 bis 1  500 Euro Partikelfilter - samt Einbaukosten selber. Nachrüstung ist ein Diesel-Thema, da Otto-Motoren keinen Feinstaub im Abgas haben. Otto-Motor-Nachrüstung wird nicht gefördert. Sie haben entweder einen geregelten Katalysator, der zur grünen Plakette berechtigt oder nicht.

Bei Dieselautos sind die Partikel krebserregend. Hier sah die Verteilung zu Jahresanfang in den Schadstoffgruppen bei uns so aus: Euro 1: 321 Diesel-Pkw (Vorjahr: 344). Euro 2: 3204 Diesel-Pkw (Vorjahr: 3545). Euro 3: 8396 Diesel-Pkw (Vorjahr: 8943). Euro 4: 12280 Diesel-Pkw (Vorjahr: 12581). Euro 5: 12164 Diesel-Pkw (Vorjahr: 12581). Euro 6: 579 Diesel-Pkw (Vorjahr: 226). Ohne Emmissionsgruppe, weil zumeist Oldtimer, sind 125 Diesel-Pkw (Vorjahr: 134).

Überall freie Fahrt sichert nur die grüne Plakette, die gibt’s nur bei Minimum Euro 4 und Euro 4 geht nicht ohne Partikelfilter, um die Lage vereinfacht zusammenzufassen. Von Euro 3 zu Euro 4 geht’s nur mit Nachrüstung. Vorausgesetzt, es gibt Nachrüstsätze. Aber die Nachrüstung kostet Geld. Bis zu 1500 Euro, sagt der Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes, kommt immer drauf an, was nachgerüstet wird. Die Zielgruppe im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind also vor allem die 8396 Euro-3-Pkw. Und soweit technisch möglich die 3525 Fahrzeuge in noch niedrigeren Schadstoffklassen.

Das Problem der Partikelschleudern erledigt zumindest teilweise auch der Zahn der Zeit: In der Gruppe der Euro 1-Diesel sank die Zahl der Pkw im Kreis Ludwigslust-Parchim binnen eines Jahres um 23. In der Gruppe Euro 2 betrug der Rückgang 341. Euro 3-Diesel wurden von 2014 auf 2015 um 547 weniger. Neue und gebrauchte Diesel der Gruppen Euro 4 bis Euro 6 kamen 3009 zusätzlich auf die Straßen.

Vor allem der Austausch von Uralt-Dieseln (ohne Oldtimer-Chancen) gegen modernere Gebrauchtwagen kann wirtschaftlich gegenüber der Nachrüstung Sinn machen, auch wenn’s keinen Barzuschuss gibt. Bei 1500 Euro Nachrüstkosten sind die Eintauschprämien bei Herstelleraktionen lukrativer, wenn das Auto nicht das Potenzial zum Oldtimer hat. Wobei das der Umwelt nur bedingt hilft: Mancher Alt-Diesel schleudert seine Partikel dann am Ende in Afrika.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen