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Grabow : Wer weiß etwas über den Tod des August Knoke?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Autobahnbau in der Region wirft ein Schlaglicht auf Ereignisse bei Ende des Zweiten Weltkrieges und viele Fragen auf

Wer war August Knoke? Fast 69 Jahre nach seinem Tod rückt diese Frage zunehmend in den Blickpunkt des Geschehens. Im Zuge des Weiterbaus der Autobahn 14 zwischen Grabow und Ludwigslust ist seine Grabstelle auf einmal deutlich hervorgetreten.

August Knokes Sterbedatum ruft die Geschichtskundigen auf den Plan. Es ist der 8. Mai 1945, der Tag der bedingungslosen Kapitulation Hitlerdeutschlands. Auch Karsten Richter, der Landesgeschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, ist sicher, dass es sich bei den sterblichen Überresten, die hier beigesetzt wurden, um ein Kriegsopfer handelt. Näheres ist auch seiner Organisation bisher unbekannt.

„Der Volksbund betreut Angehörige in Fragen der Kriegsgräberfürsorge, er berät öffentliche und private Stellen, er unterstützt die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kriegsgräberfürsorge und fördert die Begegnung junger Menschen an den Ruhestätten der Toten“, heißt es zur Aufgabe dieser humanitären Organisation auf ihrer Internetseite.

Der Landesgeschäftsführer hat sich bereits vor einigen Wochen von Schwerin aus auf den Weg zur letzten Ruhestätte des August Knoke gemacht. „Es muss entschieden werden, was mit der Grabstelle geschehen soll. Wir als Volksbund beraten die Behörden vor Ort dabei“, sagt Richter. Im Falle des August Knoke ist die Entscheidung bereits gefallen. Seine sterblichen Überreste werden umgebettet. Eine neu gebaute Straße würde zwar nicht über die Grabstelle hinwegführen, aber die Verantwortlichen sind sich einig: Die Totenruhe wäre bei dem in der unmittelbaren Nähe vorbei fließenden Verkehr überhaupt nicht gewährleistet.

Wann die Umbettung erfolgen soll und wohin die Gebeine des August Knoke gebracht werden, ist bisher allerdings völlig offen. Klar ist nur, dass dies in einer würdigen Form geschieht und dass der Volksbund alles dazu Nötige vermittelt. Zum Beispiel den kundigen Umbetter. Das wird laut Information des Volksbundes Joachim Kozlowski übernehmen. Ein überaus versierter Mann aus dem Brandenburgischen, früherer Rettungssanitäter, der seit Ende 2009 als Umbetter für die Organisation arbeitet und sich mit der Struktur des menschlichen Körpers und seinen Verletzungen auskennt.

Unterdessen sucht man in der Stadt Grabow nach Zeugnissen, die mit dem Tod von August Knoke zusammenhängen. Dort, wo sich sein Grab befindet, stand früher das Chausseehaus, es gehörte zur Gemarkung der Eldestadt. Was genau an jenem 8. Mai 1945 dort passierte, ist unklar. Bürgermeister Stefan Sternberg hat herausgefunden, dass bis vor zwei Jahren eine Frau regelmäßig das Grab gepflegt hat, die ebenfalls den Namen „Knoke“ getragen haben soll. Leider ist sie offensichtlich verstorben. „Wir wollen mehr über den Toten wissen. Wer Informationen hat, kann sich im Rathaus bei Frau Gerstberger (Tel. 038756 503-14, d. Red.) melden“, lädt der Bürgermeister zur Mithilfe ein.

Wie sich Eldestädter erinnern (www.grabow-erinnerungen.de), war Grabow am 8. Mai 1945 bereits fest in der Hand der Russen. Zuvor waren Bemühungen zweier beherzter Bürger gescheitert, die Stadt an die Amerikaner zu übergeben, die von Westen bereits bis Ludwigslust vorgedrungen waren. Nach Erinnerungen von Christian Madaus waren die Grabower mit dem Fahrrad nach Ludwigslust gefahren. Truppen der 9. US-Armee sind dann auch in die Eldestadt aufgebrochen. Am Bahnübergang Prislicher Straße trafen sie mit den russischen Soldaten der 2. Belorussischen Front zusammen, die von Osten aus Richtung Marnitz kommend in Richtung Ostsee vorstießen. Das war am 3. Mai 1945. Nach Verhandlungen zogen sich die Amerikaner wieder nach Westen aus der Stadt zurück.

Ältere Grabower, die die Zeit miterlebt haben, wollen sich um den 8. Mai 1945 herum an Schreie und Schüsse am Chausseehaus erinnern. Genaueres hat der Bürgermeister aber bis heute nicht herausfinden können.

Verbürgt ist unterdessen, dass die ersten Maitage nach Kriegsende eine schlimme Zeit für das Städtchen an der Elde und seine Bewohner gewesen sein müssen. Berichtet wird von Plünderungen und massenhaften Vergewaltigungen durch die Soldaten der Roten Armee. Rund 80 Grabower sollen sich das Leben genommen haben, nachdem klar war, dass die Amerikaner den Russen das Feld überlassen würden.

Wie August Knoke in das Bild passt, ist eine spannende Frage. Sie zu beantworten, fügt ein weiteres Puzzleteil in das Bild der hiesigen Regionalgeschichte.

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erstellt am 03.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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