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86-jähriger Willi Kassun aus Bochin als Kunstfluggast : Wenn Opa Willi in die Luft steigt

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Alles begann vor etwa sieben Jahren. Rentner Willi Kassun aus Bochin besuchte einen Flugtag in Neustadt-Glewe. Es war der Beginn eines Fliegerlebens, und das mit 79 Jahren. Den Traum hatte er schon als Kind.

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erstellt am 05.Jun.2013 | 06:40 Uhr

Neustadt-Glewe/Bochin | Alles begann vor etwa sieben Jahren. Rentner Willi Kassun aus Bochin besuchte einen Flugtag in Neustadt-Glewe, stand am Rande des Rollfeldes. "Wahrscheinlich schaute ich so neugierig auf die Maschinen", erinnert sich Opa Willi heute, "dass ein Pilot mich plötzlich fragte, ob ich denn Lust hätte, mal mitzufliegen."

Es war der Beginn eines Fliegerlebens, und das mit 79 Jahren. Zu seinem 86. Geburtstag lud Willi jetzt die Mannschaft des Luftvereins für historische Luftfahrzeuge aus Neustadt-Glewe ein. "Ich wollte allen meinen Freunden Dank sagen, dass sie mit mir fliegen", sagt der Senior gerührt. Und muss ein paar Tränen wegdrücken.

Willi Kassun fliegt nicht einfach nur so mit. Wenn schon fliegen, dann will er als Fluggast auch etwas erleben. "Es ist sehr schön, wenn die Sportflieger mit mir einen Flug zwischen weißen Wolkentürmen und -bänken unternehmen und ich aus der Vogelperspektive auf die wundervolle Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns oder Brandenburgs schaue", schwärmt Willi. Wenn am Himmel über Lenzen, Dömitz, Ludwigslust und Neustadt-Glewe Sportmaschinen Kunstflüge veranstalten, dann sitzt oft auch Willi Kassun mit im Cockpit. Je nach Flugzeugtyp vor oder hinter dem Piloten. "Kunstflug ist für mich das schönste", sagt der Rentner. Auf die Frage, ob er dabei keine Angst hat, lacht er: "Angst spüre ich keine, nur manchmal etwas Übelkeit."

Seit vielen Jahren fährt Opa Willi nun schon zum Flugplatz Neustadt-Glewe, fachsimpelt mit seinen Freunden und fliegt natürlich mit, wenn es möglich ist. "Es macht viel Spaß und ein bisschen Nervenkitzel ist auch dabei, wenn Jörg mit mir einen Tandemsprung (am Fallschirm - d. R.) unternimmt, Michael einen Turn, Falko einen Looping und Kai einen minutenlangen Rückenflug mit mir in der Kabine machen." Schon als Kind hatte der heute 86-Jährige nur einen Wunsch: Er wollte Flieger werden. Doch die damaligen Umstände und vor allem der Krieg ließen diesen Wunsch nicht Wirklichkeit werden. Willi Kassun besaß dann zwar einen Segelflugschein, doch mit dem Fliegen wurde es nichts.

Im Gegenteil: Die Russen hielten Willi Kassun im Juni 1945 bei Pritzwalk in einem großen Sammellager gefangen. "Wir sollten zur Arbeit nach Russland gebracht werden", erzählt Kassun. Doch gemeinsam mit einem Freund konnte er aus dem Lager entkommen und wurde Landwirt.

Heute lebt Willi mit seiner Ehefrau in Bochin bei Steesow unmittelbar an der Grenze zu Brandenburg. Er liebt die Idylle und Ruhe, wenn er aus dem Wohnzimmer schaut, wo hinter dem Haus zwei Pferde grasen. Aber dann zieht es ihn auch wieder hinaus. Zu den Fliegern, auf den weiten, von schönen Kiefernwäldern umgebenen Flugplatz und in die Maschinen. "Ich möchte Euch Fliegern und Fallschirmspringern aus Neustadt-Glewe danke sagen. Es ist immer schön, bei Euch zu sein, auch wenn ihr mich manchmal wegen meines Alters hänselt", scherzt Willi.

Für ihn steht fest, dass er auch künftig an Bord der Flugzeuge sein wird, wenn es heißt: "Start frei".

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