Ludwigslust : Wenn Lebensträume sterben

Ingrid Hoyer (links vor der Tafel), Ilona Jungbluth und Klassenleiterin Elke Pauli (v. l.) im Gespräch mit den Jugendlichen. Fotos: muen
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Ingrid Hoyer (links vor der Tafel), Ilona Jungbluth und Klassenleiterin Elke Pauli (v. l.) im Gespräch mit den Jugendlichen. Fotos: muen

Präventionsprojekt „Tod im Straßenverkehr“ am Regionalen Beruflichen Bildungszentrum in Ludwigslust

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28. November 2014, 19:00 Uhr

„Schreibt doch bitte auf, was eure Lebensträume sind“, bat Ingrid Hoyer die Jugendlichen. Sie gehört dem Notfallbegleitungsteam des DRK in Hagenow an. Die Mädchen und Jungen, an die sie ihre Bitte richtete, sind 15 und 16 Jahre alt. Die meisten von ihnen werden in ein paar Jahren selbst am Lenkrad eines Autos sitzen. Das Fahren soll Spaß machen. Aber: Es kann auch zu schlimmen Tragödien führen.

Genau darum geht es derzeit in einem Projekt, das Schulsozialarbeiterin Ilona Jungbluth im Regionalen Beruflichen Bildungszentrum in Ludwigslust organisiert hat. Thema: „Tod im Straßenverkehr“. „Das Projekt richtet sich speziell an die Schüler der Berufsvorbereitung und erstreckt sich über drei Wochen“, sagt Ilona Jungbluth. „Es ergänzt den Unterricht in Sozialkunde und Philosophie.“ Das Projekt dient, wie auch andere an der Schule, der Prävention.

Nachdem bereits Ralf-Theo Mundt, Präventionsbeamter der Ludwigsluster Polizei, und Fahrschullehrer Harry Kahnert aus Muchow an der Schule waren, widmete sich am gestrigen Freitag Ingrid Hoyer diesem Thema. Als Mitglied des Notfallbegleitungsteams ist sie beispielsweise dabei, wenn Polizisten nach einem tödlichen Unfall den Hinterbliebenen die Nachricht überbringen müssen.

„Ich möchte den Jugendlichen Erfahrungen mitteilen, Erfahrungen über den Straßenverkehr, aber auch den damit verbundenen Gefahren und den Tod.“

Doch Ingrid Hoyer begann die Gesprächsrunde nicht mit Gedanken über den Tod. Familie, Job, Haus oder Auto – einige der Lebensträume, die von den Jugendlichen auf eingangs erwähnte Frage aufgeschrieben wurden. Lebensträume, die aber durch Unfälle im Straßenverkehr brutal zerstört werden können. Wie schnell so etwas geschehen kann, zeigte Ingrid Hoyer in einer aufgezeichneten TV-Dokumentation: Eine junge Frau war unter Alkoholeinfluss gegen einen Baum gefahren. Sie sitzt seitdem im Rollstuhl, ihre Mitfahrerin starb damals. Heute, viele Jahre später, sieht sich die Frau, inzwischen selbst Mutter, nach eigenen Worten eher als Täter denn als Opfer. Eine Dokumentation, die zum Nachdenken anregen soll. Wie es auch Anne macht, nicht erst seit gestern. „Mein Cousin war Lkw-Fahrer und ist bei einem Unfall auf der Autobahn ums Leben gekommen. Den Unfall hatte ein Geisterfahrer verursacht. Seitdem habe ich manchmal Angst, wenn ich in einem Auto mitfahre.“ Ihre Freundin Rhonda sagt: „Manchmal fahren die Leute richtig bekloppt. Wenn ich bei jemandem mitfahre und der fährt zu schnell, sage ich ihm das auch.“

Anne und Rhonda erlebten selbst einmal einen Unfall. „In Wöbbelin stießen mal zwei Autos zusammen. So, wie es geknallt hat, musste es ganz schlimm gewesen sein“, sagt Anne. „Wir sind dann hingelaufen, um zu helfen und haben Polizei und Krankenwagen gerufen.“

Ingrid Hoyer: „Es geht darum, den Jugendlichen bewusst zu machen, dass es immer auch ein Risiko ist, in ein Auto zu steigen. Ein Wagen kann eine Waffe sein, die ich benutze.“ In diesem Zusammenhang fragte sie die Jugendlichen auch, wie sie mit ihrer Wut umgehen, wenn es zum Beispiel zu Hause oder in der Schule Probleme gibt. „Gegenstände werfen“, „ins Kissen schreien“ oder „ganz laute Musik hören“, waren einige der Antworten. Eine ganz bewusste Frage von Ingrid Hoyer, denn es gibt auch Menschen, die ihre Wut ganz anders heraus lassen: Sie setzen sich ins Auto und rasen los.

Wenn die Jugendlichen über die an diesem Vormittag innerhalb von 90 Minuten angesprochenen Fakten nachdenken, vielleicht ihre Kumpels hindern, angetrunken mit dem Auto von der Disko nach Hause zu fahren und später als Autofahrer selbst auf richtige Verhaltensweisen achten – dann hat das Projekt der Bildungseinrichtung ein wichtiges Ziel erreicht.

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