zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 08:33 Uhr

Ludwigslust : Wenn die Pflege überfordert

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Helferkreis bietet Demenzberatung an, um pflegende Angehörige individuell zu beraten.

von
erstellt am 14.Feb.2017 | 07:00 Uhr

Dreimal in der Woche fährt Iris J.* zu ihrem Onkel. 45 Minuten hin und 45 Minuten zurück. Dazwischen wäscht sie die Wäsche, geht einkaufen, ordnet den Haushalt, erledigt die Post, kocht… Allein schafft es der demenzkranke Onkel nicht mehr. Zurück zu Hause ist Iris J. nicht nur erschöpft, sondern auch in ständiger Sorge, dass ihrem Onkel irgendetwas passiert. „Das klingt nach einer Überlastung der Nichte“, sagt Juliane Vogler, Mitarbeiterin des Projektes „Helferkreis“ der Comtact GmbH. „Doch sie selbst erkennt das nicht.“ Den Termin bei der Demenzberatung des Helferkreises Ludwigslust-Parchim hatte ihr Mann gemacht. „Vielen hilft es, wenn eine unabhängige Stelle die Situation einschätzt“, sagt Juliane Vogler, „und erklärt, dass man Aufgaben an andere abgeben kann und muss, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.“

Die individuelle Beratung zum Thema Demenz ist ein weiteres Angebot des Helferkreises Ludwigslust-Parchim. „Angehörige von Demenzkranken haben nicht nur Fragen zu professionellen Pflegeangeboten, sondern häufig auch zum alltäglichen Umgang mit dem Erkrankten, zur Tagesstruktur, zum Krankheitsbild und den speziellen Verhaltensweisen“, erklärt Projektleiterin Susanne Müller. „Das können die Pflegestützpunkte zeitlich und personell nicht leisten.“ Manches könne in den regelmäßigen Treffen für Angehörige von Demenzkranken besprochen werden, die der Helferkreis organisiert. „Aber manche Fragen sind einfach zu individuell und zu intim, um sie in dieser Runde zu besprechen“, so Susanne Müller. Diese Lücke soll die kostenlose Demenzberatung, die in Ludwigslust und in Parchim angeboten wird, ausfüllen. Dabei gehe es auch darum, auf Entlastungsangebote hinzuweisen. „Viele Angehörige merken nicht, dass sie in einen Strudel geraten sind und immer mehr Aufgaben zu bewältigen haben, so dass das eigene Leben zu kurz kommt und die eigene Gesundheit leidet“, so Susanne Müller. Um Hilfe zu finanzieren, kann der Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro genutzt werden, der jedem zusteht, der mindestens Pflegegrad 1 hat und im häuslichen Umfeld gepflegt wird. „Ziel ist es, dass der Betroffene so lange wie möglich in der Häuslichkeit bleiben kann.“

Der Landkreis unterstützt die Demenzberatung, weil er um den steigenden Bedarf weiß. „Die Zahl der Demenzkranken wächst“, sagt Sarah Ledwig, bei der Kreisverwaltung für die Sozialplanung zuständig. „Im Jahr 2015 waren es knapp 4500, bis 2030 rechnen wir mit mehr als 5100 Betroffenen im Landkreis.“

Die nächsten Termine für die individuellen Beratungsgespräche sind am heutigen Dienstag und am 14. März (jeweils von 13.30 bis 16.30 Uhr im Landratsamt Ludwigslust). Um Voranmeldung unter helferkreis@comtact-dienste.de oder Tel. 0385 / 30340 wird gebeten.  

 * Name von der Redaktion geändert

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen