zur Navigation springen

Klasse für Migrationsschüler in Ludwigslust eingerichtet : Wenn die "Erdbäre" im Mund reift

vom

Was erstmalig in der Fritz-Reuter-Grundschule in der Klasse für Kinder mit Migrationshintergrund seit dem Beginn des Schuljahres 2012/2013 passiert, ist eine besondere Herausforderung - für Lehrer wie für die Schüler.

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2012 | 09:57 Uhr

Ludwigslust | Unterrichtsalltag in den Klassenzimmern der Schulen in der Region Ludwigslust sieht anders aus. Was erstmalig in der Ludwigsluster Fritz-Reuter-Grundschule in der Klasse für Kinder mit Migrationshintergrund seit dem Beginn des Schuljahres 2012/2013 passiert, ist eine besonders große Herausforderung - für Lehrkräfte wie für die Schüler. Derzeit werden 24 solcher Mädchen und Jungen aus sechs Nationen von zwei Lehrkräften und einer Schulsozialarbeiterin in Teilzeit beschult. Diese Unterrichtsversorgung verläuft nach einem Schlüsselverfahren, das gewährleisten soll, dass die Schüler später auch weiterführende Schulen besuchen können.

Schulleiterin Cornelia Schubring ist zuversichtlich, dass die Art, wie dieses neue Lernangebot mit der Qualität einer zentralen Standortschule umgesetzt wird, für die fremdländischen Schulkinder alltagstauglich ist. Schubring: "Es ist alles neu. Wir sind wie die Kinder am Lernen. Es wird unterrichtet, es werden notwendige Veränderungen eingefügt und es wird motiviert mit einem individuellen Stundenplan unterrichtet." Was der Schulleiterin allerdings etwas Magendrücken bereitet, ist, dass die Schulsozialarbeiterin ihre für die Unterstützung der Migrantenkinder wichtige Hilfe nur halbherzig durch die Stundenvorgabe erfüllen kann.

Für diese 24 Kinder mit Migrationshintergrund, also Mädchen und Jungen, deren Eltern nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, wurde in der Ludwigsluster Grundschule eine eigene Klasse eingerichtet. Dort erhalten alle diese Schüler in der Woche 20 Stunden "Deutsch als Fremdsprache". Ausgenommen sind die Erstklässler, die in ihren Klassenverband bleiben.

Die Unterrichtsversorgung garantieren Antje Korinth und Regina Wächter. Korinth ist eigentlich Lehrkraft an der Sportschule Schwerin. Dort unterrichtet sie Englisch, Spanisch und eben Deutsch als Fremdsprache - pendelt. Und auch Regina Wächter ist nach solchen Unterrichtsstunden geschafft. Doch sie motiviert sich an den hörbaren und lesbaren Fortschritten ihrer ausländischen Schützlinge.

Gejad, Golagha, Islam, Parisa und Zurah, das sind nur fünf Namen, die für diese Klasse der Deutschlernenden stehen. Deutsch lernen - für sie eine Aufgabe mit besonders hohem Schwierigkeitsgrad. Häufig stammen die Migrantenkinder aus Krisengebieten wie Tschetschenien oder Afghanistan. Von dort sind sie geflohen: Ohne Möbelwagen, zum Überleben in ein fremdes Land, in eine fremde Kultur, dafür mit Hoffnungen.

Das ist dann im Unterricht zu erkennen. Nicht jeder Buchstabe des deutschen Alphabets findet sich auch in der Heimatsprache beispielsweise von Zurah und Parisa aus Afghanistan. Dass ein Artikel noch etwas völlig anderes sein kann, als das, was man als Warenartikel im Kaufhaus bekommt, das muss erst in den Kopf rein, reifen und als Worte wieder aus dem Mund heraus. Doch nicht nur die beiden Mädchen schaffen diese ersten Schritte in verständlichem Deutsch. Die beiden Lehrerinnen sind überzeugt von den Kindern, üben immer wieder, bis ihre Schützlinge die "Erdbäre" auch als Erdbeere aussprechen und im Satz verwenden. Parisa und Zurah freuen sich über jedes gelernte Wort in ihrer vielleicht neuen Heimatsprache und das ist bereits auf dem Pausenhof zu hören.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen