Ludwigslust : Wenn Botschaften nerven

Mediatorin Dr. Ulrike Tabbert erläutert den Schüler der Klasse 7.2 den Inhalt der Aufgabe.
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Mediatorin Dr. Ulrike Tabbert erläutert den Schüler der Klasse 7.2 den Inhalt der Aufgabe.

Schüler der Klasse 7.2 des Ludwigsluster Goethe-Gymnasiums nahmen gestern an Mediationsprojekt teil

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21. Juni 2016, 05:00 Uhr

„Ulrike, du fängst an“, sagte Stefan Jäger zu seiner Kollegin. Und das in einer Art, die seine Kollegin Dr. Ulrike Tabbert so gar nicht als freundliche Botschaft verstand. „Das klingt so, als ob ich machen soll, was du sagst“, so die Mediatorin und sie fühle sich dadurch angegriffen. „Ach, du bist einfach nur empfindlich“, entgegnete Stefan Jäger. Dieser szenische Einstieg in die gestrige Doppelstunde der Klasse 7.2 des Goethe-Gymnasiums Ludwigslust zum Thema Mediation war natürlich vor den Schülern von Mediator Stefan Jäger nur gespielt. „Wir wollen den Schülern zeigen, was es mit Ich- und Du-Botschaften auf sich hat, dass die Art und Weise, wie man etwas ausspricht, beim Gegenüber unangenehme oder ärgerliche Reaktionen auslösen kann.“ Eigenverantwortlich und gemeinsam mit einem Konfliktpartner eine zukunftsorientierte und tragfähige Problemlösung anzustreben - darum geht es bei der Mediation.

Dritter im Bunde der Mediatoren war an diesem Tag Steffen Güll. Gemeinsam mit Remo, Arthur, Jette, Mia, Niklas, Lenny, Justin, Felix, Johann und all den anderen Mädchen und Jungen der 7.2 spielten die Mediatoren anhand verschiedener Aussagen Reaktion und Gegenreaktion der Angesprochenen durch. „Du nervst mit deinem ständigen Reden“ war solch ein Satz, den die Schüler aus ihrer Sicht freundlicher und angenehmer im Ton formulieren sollten. „Ich finde, dass es nervig ist, dein Gerede“ oder „Ich würde es gut finden, wenn du dein Gerede etwas reduzieren könntest“ sind dafür schon brauchbare Beispiele. „Für uns ist dieses Mediationsprojekt wichtig, denn wir wollen das Klima in der Klasse verbessern“, sagte Ramona Stein, die am Gymnasium nicht nur Lehrerin, sondern auch Schulsozialarbeiterin ist. „Die Klasse ist da schon verhaltensoriginell. Wir müssen daran arbeiten, dass einige Schüler eben nicht von anderen im Unterricht gestört werden. Da helfen Streitschlichter, und wir wollen Schüler auch dafür ausbilden“, so Ramona Stein. Stefan Güll ist der Meinung, dass die Schüler in der 7. Klasse schon kommunikativ weit fortgeschritten seien. „Die Mediatoren-Ausbildung zu Konfliktschlichtern ist dann sinnvoll.“

Im zweiten Teil des Mediationstages wartete dann eine besondere Aufgabe auf die Schüler, die sie in Dreier-Gruppen zu bewältigen hatten. Es ging darum, aufmerksam mit Anteilnahme zuzuhören und dem Erzähler die Geschichte so wiederzugeben, wie es der Zuhörer verstanden hat - und zwar so authentisch wie möglich. Und der Erzähler wird dann sagen, ob und wie das gelungen ist. „Das war eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, eine ganz schwierige Übung, aber die Schüler haben da sehr aktiv mitgemacht“, resümiert Stefan Jäger. Obwohl es Unterschiede in der Mitarbeit und Herangehensweise bei den Siebtklässlern gab. Die Mädchen waren ein Stück weit aufgeschlossener und identifizierten sich oft mehr mit der Aufgabe als die Jungs, so der Eindruck von Stefan Jäger und Stefan Güll. „Und besonders interessant war die Erfahrung, die wir alle gemacht haben: Dass die Zuhörer, so schien es, oftmals gar nicht so richtig bei der Sache waren, den Erzähler nicht anschauten. Wir waren dann aber doch alle erstaunt, dass die Schüler alles richtig wiedergegeben haben.“

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