EU-Agrarförderung : Weitere Brachen befürchtet

Brachland statt blühender Raps: Der Bauernverband Ludwigslust befürchtet, dass die umweltorientierte EU-Agrarförderung dazu führt, dass weniger Flächen bewirtschaftet werden.
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Brachland statt blühender Raps: Der Bauernverband Ludwigslust befürchtet, dass die umweltorientierte EU-Agrarförderung dazu führt, dass weniger Flächen bewirtschaftet werden.

Bauernverband Ludwigslust wünscht sich endgültige Regelungen zur EU-Agrarpolitik

svz.de von
08. Juli 2014, 12:07 Uhr

Die Spitze des Bauernverbandes Ludwigslust befürchtet weitere Flächenstilllegungen in der Region. Anlass der Sorge sind nach wie vor fehlende Einzelfestlegungen in der europäischen Agrarpolitik zum sogenannten Greening, die eine Einführung von Umweltkomponenten in der EU-Agrarförderung ab 2014 vorsieht.

„Wir haben das Problem, dass bestimmte Dinge, die unter den Oberbegriff Greening fallen, noch nicht bis ins letzte Detail geregelt sind“, sagt Geschäftsführer Harald Elgeti. Dabei wäre es für die Landwirte mit Blick auf die Wiederbestellung der Äcker wichtig zu wissen, was im nächsten Jahr von ihnen verlangt werde. Im Moment gebe es aber noch einige Unklarheiten, weil man sich in Brüssel nicht rechtzeitig habe einigen können.

Elgeti fehlen vor allem konkrete Aussagen zum EU-weiten Vorhaben, dass künftig fünf Prozent der Böden ökologische Vorrangflächen sein sollen. Im Moment gebe es dazu nur einen Arbeitsstand, aber keine endgültigen Beschlüsse, sagt er. Die Planungen sehen nach seiner Darstellung vor, die Vorgabe beispielsweise mit dem Anbau von Zwischenfrüchten wie der Hülsenfrüchtler Leguminose zu erfüllen, aber auch mit Brache, sprich Flächenstilllegung.

„Ich habe das Gefühl, dass es im Wesentlichen darauf hinauslaufen wird, dass fünf Prozent der Ackerflächen stillgelegt werden müssen. Und in einer Situation, wo weltweit eine Milliarde Menschen hungern und wir im Rahmen der Energiewende von Atom- und Kohlekraftwerken wegwollen und auf landwirtschaftlichen Flächen Energie produzieren, über Flächenstilllegungen nachdenken zu müssen, ist eigentlich unerklärbar“, sagt der Verbandsvertreter.

Durch Größenvorgaben und Umrechnungsfaktoren sei der Anbau von Zwischenfrüchten vermutlich unwirtschaftlicher, als die Fläche brach liegen zu lassen. Leguminosen versprechen Elgeti zufolge keine großen Erträge auf den leichten Böden in der Region. Insofern könnte eine Brache wirtschaftlich das Sinnvollste für die Landwirte sein, sagt er. „Eigentlich müsste man in der aktuellen Situation aber so etwas nicht tun“, fügt er hinzu.

Erforderlich seien daher konkrete Festlegungen zum Greening. „Es muss jetzt endlich mal auf den Punkt gebracht werden, das und das soll passieren.“ Dafür müssten die Verhältnisse EU-weit verbindlich festgelegt werden.

Klar hingegen sind laut Elgeti Bestimmungen zum Greening wie das Umbruchverbot für Grünland. Das sei in Mecklenburg-Vorpommern schon seit Längerem gesetzlich geregelt. In diesem Punkt komme auf die Landwirte nichts Neues zu. „Grünland bleibt Grünland“, betonte der Verbandsfunktionär.

Festgelegt ist nach seinen Angaben auch die Anbaudiversität. Landwirte mit mehr als 30 Hektar Acker müssten demnach ab 2015 mindestens drei Kulturen anbauen. Für die allermeisten Landwirte sei die Neuerung auch kein Problem. Ein sehr spezialisierter Milchviehbetrieb, der auf seiner relativ geringen Ackerfläche für die Versorgung der Kühe Mais vorhalten müsse, könne die Vorgabe dagegen schon schwerer umzusetzen sein. Durch die Neuregelung sollen Monokulturen unattraktiv werden. „Das ist grundsätzlich auch in Ordnung“, sagt Elgeti. Der Bauernverband hätte sich allerdings gewünscht, dass ein Nebenerwerbslandwirt mit 30 oder 40 Hektar Acker weiterhin die übliche Fruchtfolge hätte einhalten können. Mit dieser Idee habe man sich aber nicht durchsetzen können.


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