Ludwigslust : Weiter Unruhe im Krankenhaus

Hinter den Mauern des Ludwigsluster Krankenhauses rumort es offenbar noch immer.
Hinter den Mauern des Ludwigsluster Krankenhauses rumort es offenbar noch immer.

Brief der Ärzteschaft des Ludwigsluster Hauses / Geschäftsführung verweist auf erfolgreich gestartete Kooperation mit Helios

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05. März 2015, 08:08 Uhr

Die erste Änderung am Ludwigsluster Krankenhaus ist vollzogen: Seit Montag haben die Helios Kliniken Schwerin – wie geplant – die ärztliche Verantwortung für das Herzkatheterlabor. Doch Ruhe scheint hinter den Mauern des Hauses nicht eingekehrt zu sein. Gerade hat sich die Ärzteschaft in einem Brief, der SVZ mitsamt den Unterschriften von 24 Medizinern vorliegt, an Chefarzt Dr. Rüdiger Friedrich gewandt und darin ihre Sorgen bezüglich der Zukunft des Krankenhauses geäußert. „Wir sehen eine rasch zunehmende Destabilisierung des Krankenhauses durch das Verhalten der Geschäftsführung“, heißt es darin.

Fakt ist: Der einstige Chefarzt der Inneren, Prof. Dierk Werner, der im Zuge der Umstrukturierungsdiskussion gekündigt hatte, hat das Haus bereits verlassen. Ende vergangener Woche haben dem Vernehmen nach – zusätzlich zu den bereits bekannten Kündigungen – zwei weitere Ärzte der Inneren ihre Kündigung eingereicht. „Welche ärztliche Personalstruktur soll die Abteilung für Innere Medizin in Zukunft haben?“ fragen die Unterzeichner des Briefes. Weiter heißt es: „Nach dem nicht nachvollziehbaren Umgang der Geschäftsführung mit Dr. Werner ist die Besetzung des Chefarztpostens von außen und aus den eigenen Reihen nicht vorstellbar.“

Die Ärzte befürchten durch den Weggang von Prof. Werner zudem Folgen für die Nachwuchsgewinnung. Werner habe Weiterbildungsermächtigungen für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie. Man befürchte „eine rasche Abwanderung der Assistenzärzte…, wenn sie durch ihre Arbeit keine adäquaten Weiterbildungszeiten erwerben können“.

Große Verunsicherung bestehe bezüglich der Zukunft der interdisziplinären Intermediate-Care-Abteilung (Wachstation) und der Intensivstation (ITS). Ein Bettenabbau erscheine höchst problematisch, weil die dortigen Aufnahmemöglichkeiten im Vorjahr mehrfach an ihre Grenzen stießen. Die Ärzte plädieren bis auf Weiteres für eine Bewahrung von ITS und Wachstation in der aktuellen Kapazität. „Hochqualifizierte Pflegekräfte sollten keinesfalls versetzt werden und teure Ausstattungen nicht beräumt werden, solange es kein ausgereiftes Konzept für die Entwicklung der Inneren Medizin und der Chirurgie gibt“, heißt es in dem Schreiben.

Die Geschäftsführung des Westmecklenburg Klinikums Helene von Bülow zeigte sich überrascht von dem Vorstoß der Ärzte, hält sich aber bedeckt. Keine Dementis, keine Bestätigungen. „Wir bitten um Verständnis, wenn die Geschäftsführung hausinterne Entscheidungen und damit verbundene Vorgänge in laufenden Abstimmungsprozessen nicht öffentlich diskutiert oder kommentiert. Diese werden zunächst mit verantwortlichen Mitarbeitern, Mitarbeitervertretung und Aufsichtsgremien besprochen“, heißt es in einer von Stiftspropst Jürgen Stobbe unterschriebenen Erklärung. Die Öffentlichkeit werde selbstverständlich umgehend informiert, wenn der Diskussionsprozess abgeschlossen ist. Oberstes Ziel sei eine nachhaltige und hochwertige Versorgung mit medizinischen Leistungen an beiden Standorten des Klinikums. Wie das in Ludwigslust vor dem Hintergrund kündigender Ärzte gesichert werden soll, wurde nicht konkretisiert. Auch zum künftigen Chefarzt der Inneren äußerte man sich nicht.

Die Geschäftsführung bedauere das Ausscheiden zweier Oberärzte aus den Abteilungen Gastroenterologie und allgemeine Innere Medizin, die das Klinikum zu Ende August verlassen wollen, heißt es in der Erklärung weiter. Oberstes Ziel sei es aber auch in diesem Fall, im August eine nahtlose Versorgung der Patienten im Krankenhaus Ludwigslust zu gewährleisten – „wie im Linksherzkathetermessplatz“.

Dort seien die Ärzte der Helios Kliniken mit einem umfangreichen Programm in die Kooperation gestartet. „Bereits am ersten Tag konnten acht Patienten behandelt werden“, so Stobbe. „Und auch in den kommenden Tagen ist der Katheterplatz vollständig ausgelastet.“ Dessen Leiter, Prof. Alexander Staudt, wird mit den Worten zitiert: „Wir sind am Standort Ludwigslust freundlich empfangen worden. Wie versprochen können wir die ärztliche Dienstbereitschaft […] rund um die Uhr sicherstellen.“ Zur Abstimmung der klinikinternen Prozesse in der Kardiologie werde ein Facharzt aus dem Hagenower Krankenhaus zur Verfügung stehen.

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