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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 18:01 Uhr

Ludwigslust : Weihnachten geheiratet, weil...

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Katharina und Reinhold Lauck aus Ludwigslust feierten Fest der Eisernen Hochzeit / Liebeserklärung auch nach 65 gemeinsamen Jahren

von
erstellt am 30.Dez.2014 | 19:00 Uhr

Dezember 1949: Die Menschen leiden unter den Kriegsfolgen. Es gibt nur selten genug zu essen, vielerorts leben mehrere Generationen, darunter Flüchtlinge, unter einem Dach. In dieser Zeit schließt ein junges Paar in Grabow den Bund fürs Leben. Es ist der 23. Dezember 1949.

65 Jahre später: In Ludwigslust feiern Katharina (86) und Reinhold Lauck (85) das Fest der Eisernen Hochzeit. Sie sind das Paar, das damals im Grabower Rathaus standesamtlich und im benachbarten Gotteshaus kirchlich getraut wurde. „Das Datum war ungewöhnlich“, lacht Katharina. „Aber mein künftiger Schwiegervater meinte, wir müssten Weihnachten heiraten, weil da ein Schwein geschlachtet wird und wir so etwas Besonderes zu essen hätten.“

Katharina wuchs in Neudorf im Sudetenland auf, musste ihre Heimat mit Mutter, Vater, Oma und Tante im August 1945 verlassen. Über mehrere Stationen kam die Familie 1946 nach Karstädt bei Ludwigslust. Wohin Reinhold Lauck, der von hier stammt und in den letzten Kriegstagen als 15-Jähriger eingezogen wurde, nach der Gefangenschaft zurückgekehrt war.


Beim Tanz kennen gelernt


In Karstädt kreuzten sich dann im Oktober 1946 die Wege von Katharina und Reinhold: beim Tanz in der Gastwirtschaft. Reinhold erinnert sich: „Die einheimischen Mädels saßen auf einer Seite, die Flüchtlingsmädel auf der anderen. Jeder von uns Jungs wollte mit den fremden Mädchen tanzen. Ich hatte schon ein Auge auf Katharina geworfen und ihr heimlich zugenickt.“ Trotzdem war es eher Zufall, dass beide an diesem Abend zusammen fanden. Katharina: „Ein anderer Junge wollte mit mir tanzen, aber ich nicht mit ihm. Da tauchte plötzlich ein Junge auf, nahm mich an die Hand und tanzte. Ich hatte erstmal keine Zeit zu ihm aufzublicken, weil ich genug zu tun hatte, den Rhythmus zu finden. Als ich dann doch schaute, sah ich einen langen Lulatsch vor mir, recht mager und mit einem Jackett, dessen Ärmel viel zu kurz waren. Es war Reinhold, und zwischen uns funkte es sofort.“

Fast sieben Jahrzehnte sind beide jetzt ein Paar, 65 Jahre davon verheiratet. Sie haben in dieser Zeit viel Glück, aber auch tragische Momente erlebt. Die älteste Tochter, Inge, starb 1962 im Alter von nur 12 Jahren nach einer Pockenschutzimpfung. Dem Paar blieben vier weitere Töchter. Inzwischen haben Katharina und Reinhold Lauck neun Enkel und 14 Urenkel. „Ein weiterer Urenkel ist unterwegs“, freut sich Katharina. Die jüngste Tochter, Regina (52), wohnt mit Ehemann Matthias im Elternhaus in Ludwigslust.


Der Staatsmacht nicht gebeugt


Wie gesagt, das Leben meinte es nicht immer gut mit Katharina und Reinhold Lauck. Auch 1958, als Reinhold nach acht Jahren bei der Berufsfeuerwehr aus dem Dienst geworfen wurde. „Man verlangte von mir, aus der Kirche auszutreten“, erinnert sich Reinhold. Die Polizei, der damals die Feuerwehr unterstand, zitierte sogar Ehefrau Katharina in die Dienststelle, forderte den Kirchenaustritt: „Ich entgegnete nur, dass wir von unserem Recht auf Religionsfreiheit Gebrauch machen möchten.“ Nachdem die Staatsmacht erkannt hatte, dass Reinhold Lauck nicht aus der Kirche austreten würde, forderte sie ihn vergeblich auf, bei der Feuerwehr zu kündigen.

Also wurde ihm gekündigt. „Als Begründung hieß es, ich sei den Anforderungen nicht gewachsen und würde auch das Studium des Marxismus / Leninismus vernachlässigen“, erinnert sich Reinhold Lauck. Er arbeitete danach in verschiedenen Betrieben, zuletzt im Wasserwerk. „Ich liebe meinen Mann, weil er ein Leben lang für seine Familie da war und ist. Ich konnte mich bis zum heutigen Tag immer auf ihn verlassen“, gibt Katharina Lauck auch nach 65 Jahren Ehe eine Liebeserklärung ab. Die ihr Mann erwidert: „Die Zeit hat uns fest zusammen geschmiedet. Ich habe damals mein Jawort gegeben, dabei bin ich geblieben und würde es meiner Frau immer wieder geben.“


Als Familie reich beschenkt


Auch, wenn die Gesundheit nicht immer mitspielt, nehmen beide regen Anteil am Geschehen um sie herum. Reinhold liest Zeitung („natürlich die SVZ“), löst gerne Kreuzworträtsel. Viele Jahre war er leidenschaftlicher Jäger. Seine Frau hilft Tochter und Schwiegersohn im Haushalt, bügelt und liest ebenfalls gerne. 25 Jahre lang haben Katharina und Reinhold Lauck im Chor der Landeskirchlichen Gemeinschaft gesungen. „Wir nehmen den christlichen Glauben sehr ernst. Jesus Christus hat uns nie im Stich gelassen. Wir sind als Familie reich beschenkt worden“, blickt Katharina Lauck zurück.

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