Ludwigslust : Wechselbad der Gefühle

Grundschullehrerin Marion Marggraff hat schon viele vierte Klassen ziehen lassen - mit Stolz und Tränen

von
12. Juli 2014, 07:00 Uhr

Dieser Tag wird tränenreich. Denn Marion Marggraff muss sie wieder ziehen lassen. Ihre Schulkinder, die sie vier Jahre Tag für Tag in ihrem Klassenraum oben unterm Dach der Fritz-Reuter-Schule sitzen hatte: Josina, die Gewissenhafte, Julius, den Pfiffikus, oder den zurückhaltenden, aber herzensguten Peter. Nach der Zeugnisübergabe in der letzten Stunde werden sie auseinandergehen. Und viele, das weiß Marion Marggraff aus Erfahrung, wird sie nie wieder sehen. „Sie sind reif für den Wechsel“, sagt die Lehrerin. „Sie können jetzt gehen.“ Selten hatte sie eine so soziale Klasse wie diese. Mit hilfsbereiten, umgänglichen Kindern. „Nur ein bisschen fleißiger hätten sie sein können.“ So sind sie, die Lehrer. Den Kindern ihrer 4b wird sie als witzige Klassenlehrerin in Erinnerung bleiben. Die gern mal die Hausaufgaben vergisst (O-Ton Jil) und für jeden Spaß zu haben ist (O-Ton Simon). Mit ihr haben die Kinder ihren ersten Buchstaben gelernt. Das „M“ wie „Mimi“. Mimi, die gestreifte Plüschkatze, hat jeden Tag auf dem Schreibtisch der Lehrerin gesessen und die Kinder durch die Grundschulzeit begleitet. „Am Ende der Woche durfte einer von uns sie für das Wochenende mit nach Hause nehmen“, erzählt Simon, der noch genau weiß, wie ihm Mimis Auge zuhause abgefallen war und Oma den Knopf wieder annähte.

Zum achten Mal muss sich Marion Marggraff in ihrer Zeit als Grundschullehrerinvon einer Klasse trennen. Ihre Rede auf der Abschlussfeier sollte eigentlich viel länger werden. „Ich habe dann ein paar Mal geschluckt und mich kurz gefasst“, sagt sie. Für ihre Schüler hat die 58-Jährige gemeinsam mit den Eltern eine Abschlusszeitung verfasst. Mit Fotos und Reimen für jedes einzelne Kind. Der Lehrerberuf sei für sie immer noch ein Traumberuf. „Jeder Tag ist anders. Und jedes Kind stellt mich vor neue Herausforderungen.“

Ende August wird Marion Marggraff eine neue erste Klasse übernehmen. „Es ist ein Wechselbad der Gefühle“, sagt sie. „Schwerer Abschied und aufregender Anfang.“ Das erste Treffen mit den Eltern ihrer neuen Kinder hat sie schon hinter sich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen