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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 14:21 Uhr

picher : Webstuhl klappert eigene Melodie

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Kat von Stenglin vom Eichenhof in Picher betreibt seltenes Handwerk und lädt zusammen mit ihrem Mann ein, Kunstwerke anzuschauen

„Weben ist etwas sehr Angenehmes und Sinnliches an den Händen. Man arbeitet mit wohlriechenden Materialien, wie Leinen“, gesteht Kat von Stenglin. Es sei für sie nach wie vor faszinierend, aus ein paar Fäden ein Stück Stoff herzustellen. Das Muster zu berechnen, habe etwas sehr Abwechslungsreiches wie auch Geordnetes.

Kat von Stenglin ist in ihrer Werkstatt die Künstlerin, die niemals den Faden verliert. Ein Laie würde schon beim Versuch, auf dem großen Webstuhl mit seinen 1,60 Metern Arbeitsbreite etwas in Bewegung zu bringen, hoffnungslos auf ganzer Linie scheitern. Kat von Stenglin bedient ihre beiden Webstühle hingegen mit schwungvoller Leichtigkeit. Kein Wunder, beherrscht sie ihr seltenes Handwerk doch bereits seit über drei Jahrzehnten, wie sie im SVZ-Gespräch verrät. Die schwarze Katze rekelt sich derweil herrschaftlich auf dem Stuhl, der Ofen bollert seine Wärme in den Raum neben der Küche. Und an der Wand zerhackt ein in die Jahre gekommener Regulator die Zeit hörbar in kleine Stückchen.


Man tritt das Muster ähnlich wie im Orgelspiel


„Wenn der Webstuhl seine ganz eigene Melodie klappert, weiß man, dass es wird. Dass man einst ist, mit der Arbeit. Dann hat man das Zusammenspiel zwischen Füßen, Händen und Kopf begriffen. Man tritt das Muster mit dem Fuß, ähnlich wie beim Orgelspiel. Mit der Hand schießt man das Schiffchen“, erklärt die Handwebmeisterin, die sich einst in Weißenfels bei Halle das berufliche Rüstzeug innerhalb von zwei Ausbildungsjahren aneignete. „Ursprünglich wollte ich Töpferin werden, aber zu Ostzeiten war einfach kein Herankommen an eine der Lehrstellen. Die waren einfach zu rar. Da ich aber schon immer gern textile Bilder zusammengenäht habe und eine gewisse Liebe zu Wolle besaß, bin ich eben auf Handweberei umgesattelt“, erinnert sich Kat von Stenglin, die heute auch längst wie ihr Mann Alexander, eine anerkannte Keramikerin ist. Und das auf völlig unprätentiöse Art und Weise. Ihre einnehmende Art, Unkundige wie Profis in das Reich ihrer Textilgestaltung einzulassen, ist nur als warmherzig zu beschreiben.


Gefärbt wird nur mit Produkten aus der Natur


„Wenn ich es bunt brauche, färbe ich Wolle oder Seide selbst. Beispielsweise mit Eichenrinde, Galläpfeln, Erdbeerblättern, Apfelbaumrinde, Krauser Ampfer oder Krappwurzel, dem sogenannten Franzosenrot. Als junge Frau mochte ich vor allem Grün-, Gelb- und Brauntöne. Seit 20 Jahren haben es mir Blau und Türkis in all’ ihren Variationen angetan“, betont die Picheranerin. Pflanzenfarben passten immer zusammen, die Palette der Natur sei stets harmonisch. Wer sich selbst ein Bild darüber machen möchte, der kann sich am kommenden Sonntag, dem 13. Dezember, von 11 bis 18 Uhr, auf den Weg machen, um dem Eichenhof einen Besuch abzustatten. In diesen Stunden soll eine Adventsausstellung stattfinden. Als Gast ist Schmuckgestalterin Simone Mönch aus Tempel bei Ribnitz-Damgarten eingeladen. Auch Keramikmeister Alexander von Stenglin freut sich schon auf anregende Gespräche über seine Arbeit, Gott und die Welt. Zum Aufwärmen wie auch Verweilen gibt es Kaffee, Tee, Glühwein, heiße Süppchen, herzhafte und süße Kuchen sowie die seltene Gelegenheit, wirklich einmal die Seele baumeln lassen zu können. Beim Blick über die sanfte Landschaft des Künstlerhofes. Und der wohltuenden wie unerschütterlichen Gewissheit, mal kein Getriebener des Alltags zu sein.

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