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Ludwigsluster Tageblatt

20. November 2017 | 20:22 Uhr

Gross Schmölen : Waschen, wenn die Sonne scheint

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

… um den Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Solarstrom zu erhöhen / Groß-Schmölener ist Pionier unter privaten Solarstromerzeugern

von
erstellt am 24.Mär.2017 | 07:00 Uhr

Als sich Günther Schmädt entschied, eine Fotovoltaikanlage auf das Dach seines Hauses zu bringen, war vom Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) noch nicht einmal die Rede. Seither sind 20 Jahre vergangen. Der Groß-Schmölener hat seine damals kühne Entscheidung nicht bereut. Auch heute noch wird er immer wieder auf sein Projekt angesprochen. „Die Leute wollen wissen, ob die Leistung der Module im Laufe der Jahre nachgelassen hat“, erzählt der 85-Jährige. Seine Antwort darauf ist eindeutig und basiert nicht auf einem Bauchgefühl.

Dass Günther Schmädt wohl zu den allerersten Privatleuten gehörte, die Solarstromanlagen installieren ließen, ist kein Zufall. „In meinem Berufsleben hatte ich gelernt, was Energie wert ist – besonders, wenn man sie nicht hat“, erklärt der rüstige Rentner. Als Diplomchemiker war er im Stickstoffwerk Piesteritz für den Betrieb der Phosphoröfen verantwortlich, die eine Leistungsaufnahme von jeweils 16 Megawatt hatten. „Da unser Werk ein Großverbraucher war, mussten in Spitzenbelastungszeiten einige Anlagen abgeschaltet werden“, so Günther Schmädt. „Doch für die Phosphoröfen musste man das unbedingt vermeiden, weil es schwierig war, den Prozess wieder in Gang zu bringen und weil das Phosphor für Waschmittel genutzt wurde. Und das war wichtig für die DDR-Volkswirtschaft.“ Und in seiner Diplomarbeit, die er Mitte der 1950er-Jahre an der Universität Rostock schreib, befasste sich der gebürtige Groß-Schmölener mit Feststoffelektrolyten, die heute bei bestimmten Brennstoffzellen genutzt werden. „Es ging darum, die Effektivität der Energieherstellung zu erhöhen“, so Schmädt. So fiel der Vorschlag seines ältesten Sohnes, der damals ein Ingenieurbüro für Elektro- und Energietechnik hatte, auf fruchtbaren Boden.

„Zuerst wollte ich eine Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung“, erzählt Günther Schmädt. „Aber da man im Sommer die erzeugte Wärme nicht loswird, verwarf ich den Plan und entschied mich für die Fotovoltaikanlage.“ Eine Investition, die mit den heutigen Preisen nicht mehr zu vergleichen ist. „Aber es gab damals 40 Prozent Fördermittel, und wir hatten einiges an Geld angespart“, so Schmädt, der damals nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben gerade erst wieder in sein Elternhaus zurückgezogen war. „Und ich hatte das Bedürfnis, mich im Ruhestand neben Garten und Jagd mit etwas Anspruchsvollem zu beschäftigen.“

Der heute 85-Jährige lässt die Anlage nicht einfach vor sich hin arbeiten, sondern verfolgt ihr Tun akribisch. „Ich freue mich immer, wenn ich die Daten aus den Wechselrichtern auf den Computer übertragen und auswerten kann“, so Schmädt. „Ich erstelle Tabellen und Diagramme und kann sagen, dass die Solarmodule über die Jahre in der Leistung nicht nachgelassen haben“, so der Groß-Schmölener. Diese Aussage gelte natürlich nur für seine Anlage, fügt er hinzu. Damit die Ausbeute möglichst groß ist, reinigt er die Oberflächen der Module von Zeit zu Zeit. „Wir wohnen in einem Vogelzuggebiet, da landet häufiger mal etwas auf dem Dach“, so Schmädt.

Den erzeugten Strom speist Günther Schmädt etwa zur Hälfte ins öffentliche Netz ein, die andere Hälfte verbraucht er selbst. Zu Anfang lag die Einspeisevergütung bei gerade einmal 17 Pfennig je Kilowattstunde. Seit Inkrafttreten des EEG erhält Schmädt rund 50 Cent. Trotzdem versucht er, den Anteil des Eigenverbrauchs möglichst hoch zu halten, und stellt deshalb seinen Alltag auf den Stand der Sonne ein. „Großverbraucher wie den Rasenmäher oder die Waschmaschine schalte ich möglichst ein, wenn die Anlage gerade Strom liefert“, erklärt er. „Und die Kreissäge natürlich auch.“ Daran wird sich auch nichts ändern. „Mit steigenden Strompreisen wird der Eigenverbrauch immer wichtiger.“

 

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