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Ludwigslust : „Was wir tun, entsteht im Gehen“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Seit Schulsozialarbeiterin Corinna Wolf in der Fritz-Reuter-Grundschule arbeitet, fühlen sich Lehrer entlastet und Kinder besser verstanden

von
erstellt am 05.Jun.2014 | 07:00 Uhr

Zweite große Pause. Jenny klopft an die Tür mit den lustigen grünen Fröschen. Früher war hier mal ein Klassenzimmer, aber seit einem Jahr ist es das Reich von Schulsozialarbeiterin Corinna Wolf. Jenny sagt freundlich „Guten Tag“ und bittet um einen Termin. „Frau Wolf, hast du morgen Zeit für mich?“ Sie hat. Obwohl der Kalender von Corinna Wolf bis zum Ferienbeginn schon gut gefüllt ist. Die Kinder suchen ihre Nähe. Nach einem beleidigenden Wort in der Pause. Nach einem heftigen Streit am Morgen zuhause mit der Mutter. Nach einer schlechten Note in der Mathearbeit. Corinna Wolf lässt die Kinder sprechen, hört zu, tröstet. „Sie reden sich ihren Frust von der Seele und manchmal erzählen sie auch von ihren Ängsten. Wenn die Oma schwer krank ist oder die Mutter lange im Krankenhaus liegt“, sagt Corinna Wolf.

Mit Schuljahresbeginn ist sie nach sechs Jahren an der Europa-Schule aus Hagenow an die Grundschule nach Ludwigslust gewechselt. Die Fritz-Reuter-Schule ist eine der wenigen Grundschulen im Landkreis, die eine Schulsozialarbeiterin ganz für sich allein hat. In Boizenburg müssen sich zwei Schulen, in Grabow, Balow und Eldena sogar drei Schulen eine Sozialpädagogin teilen. Für Corinna Wolf undenkbar. Nach einem Jahr kennt sie hier fast jedes Kind beim Namen. „Die Kinder haben Vertrauen gefasst und auch die Lehrer bekommen durch die Schulsozialarbeit neue Freiräume“, sagt sie. Wenn zum Beispiel ein Kind den Unterricht stört, wütet, nicht zur Ruhe kommt - dann ist das ein Fall für Corinna Wolf. „Manchmal reicht es schon, dem Kind ein Stück Kreide in die Hand zu geben“, erzählt sie. Erst kürzlich sei ein Junge von der Lehrerin zur Schulsozialarbeiterin geschickt worden. „Er hat dann angefangen, auf die Tafel zu malen“, erzählt Corinna Wolf. „Und am Ende war in seinen Bildern der ganze voraus gegangene Konflikt zu erkennen.“ Die Lehrer schätzen die Unterstützung durch die Fachkraft. Manche bitten Corinna Wolf in ihren Unterricht, um Konflikte zu lösen. „Dann spielen wir gezielt bestimmte Situationen nach und sprechen über Gefühle, die ein bestimmtes Verhalten bei ihnen auslöst“, sagt Corinna Wolf. Lehrerin Marita Nehls nimmt die Hilfe gern an. „Wir können nicht alles wissen“, sagt die stellvertretende Schulleiterin. Wenn schnell reagiert werden müsse, dann könne die Kollegin sofort Kontakt zu Jugendämtern schaffen. Auch bei der Arbeit mit den Migrationskindern sei Corinna Wolfs Hilfe viel wert. „Sie tut viel für die Sozialkompetenz und das Miteinander an unserer Schule.“

Dreißig Migrationskinder besuchen zurzeit die Schule. Allein zehn sind in den letzten drei Monaten dazugekommen. „Wir befinden uns immer im Prozess. Müssen oft spontan und sehr individuell entscheiden“, sagt sie. „Was wir tun, entsteht im Gehen.“ So habe sie kürzlich mit den Klassensprechern Fragen gesammelt, die die Kinder ihren ausländischen Mitschülern gern stellen würden. Am letzten Schultag wird es zum ersten Mal eine Kinderkonferenz geben. Zudem denkt Corinna Wolf über ganz gezielte Nachmittagsangebote für Migrationskinder nach. Sie besucht das Asylbewerberheim, spricht mit Eltern und den Heimleitern. Den von vielen Eltern eher kritisch gesehenen hohen Anteil von Migrationskindern sieht Wolf als Vorteil. „Aus meiner Perspektive ist das eine Chance. Eine Befruchtung. Vielfalt ist gut.“ Ihre Einstellung vor einem Jahr sei der ideale Zeitpunkt gewesen. Sie will Sprachbarrieren abbauen, neue Projekte anschieben. Der Jugendhilfe e.V unterstützt sie dabei. Er hat ihren befristeten Vertrag in dieser Woche für ein Jahr verlängert.

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