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ludwigslust : Was das Innere des Suchtsacks verrät

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Claudius Hannemann vom Suchtberatungszentrum Ludwigslust sprach mit Siebtklässlern der Pestalozzi-Schule über verschiedene Suchtarten

Claudius Hannemann greift in den „Suchtsack“, wie er das Behältnis nennt und holt allerlei Gegenstände heraus, die Suchtpotenzial verkörpern. Eine Dose Energy Drink, eine leere Kaffeetüte, eine Zigarettenschachtel, ein Handy, ein Schminkpinsel, einen Controller für Spielekonsolen, Musikkassetten. Die Auswahl all dieser Sachen oder Gegenstände zeigt heutzutage die Bandbreite auf, was uns alles süchtig machen kann. „Beim jüngsten Präventions-Projekt zum Thema Suchtarten habe ich auch die Schüler der 7a und der 7b der Pestalozzi-Schule in Ludwigslust in den ,Suchtsack’ hineingreifen lassen“, sagt der Präventionsberater. „In insgesamt sechs Veranstaltungen von Oktober 2013 bis Januar 2014 habe ich den jungen Leuten eine Einführung in die verschiedenen Bereiche der Sucht gegeben“, so Claudius Hannemann vom Suchthilfezentrum Ludwigslust in der Kanalstraße 20. Alkoholsucht, Tabaksucht, Kaufsucht, Glücksspielsucht stehen bei den Veranstaltungen mit den Schülern immer im Mittelpunkt. „Sucht hat auch immer etwas mit Gefühl zu tun. Wir versuchen, damit etwas zu überdecken, was uns beschäftigt, mit dem wir nicht zufrieden sind“, so Claudius Hannemann. „Die Leute leben oft in den Tag hinein, sie machen sich keine großen Gedanken. Damit es ihnen dann wieder besser geht, greifen sie zu Suchtstoffen wie Cannabis und Alkohol“, formuliert es der Präventionsberater. „Die Menschen glauben, dass es ihnen dann vom Grundgefühl her besser geht. Aber die eigentlichen Probleme, die sie haben, die bestehenden Missstände oder Negativerlebnisse, z.B. Streitigkeiten mit Freunden, sind damit nicht beseitigt.“


Es ging um Gefühle und die Selbstwahrnehmung


Innerhalb des Projekts gab es eine Menge Spiele, gute Gespräche, um herauszufinden, welche Gefühle die Jugendlichen haben, wie ihre Selbstwahrnehmung aussieht. Zur Abschlussveranstaltung am Dienstag hatte sich Claudius Hannemann auch den Bauchredner Eddy Steinfatt eingeladen, der mit seiner Figur Karlchen auf Alltagsprobleme der jungen Leute einging. So wollte Karlchen zu seiner Geburtstagsfeier seine ehemalige Freundin nicht mehr einladen, weil sie zu viel raucht. Auch seinen Kumpel möchte er auf seiner Party nicht mehr sehen, weil er zu viel Alkohol trinkt und sich nicht benehmen kann. „Die Kids waren vom Auftritt Eddy Steinfatts total begeistert“, ergänzte der Präventionsberater. Zum Abschluss des Projekts stellten die Siebtklässler ein von ihnen entwickeltes Plakat vor, auf dem sie die Ergebnisse der bisherigen Veranstaltungen zum Thema Suchtarten zusammengefasst haben. „Die Präsentation war sehr gelungen. Die Jungs haben sich das Mikro von Eddy Steinfatt genommen und es ganz prima gemacht“, freute sich Claudius Hannemann.

Der Präventionsberater war vor wenigen Tagen auch an der Karl-Scharfenberg-Schule in Neustadt-Glewe, referierte dort über Cyber-Mobbing und die Auswirkungen für die Betroffenen sowie für die Verursacher im Internet. „Viele wissen gar nicht, dass sie damit Straftaten begehen, wenn sie andere im Netz beleidigen, bloßstellen oder verleumden“, so Claudius Hannemann.

Als Präventionsberater hatte er mit seinen Kollegen vom Suchthilfezentrum aus Ludwigslust und Parchim im vergangenen Jahr im Landkreis rund 350 Veranstaltungen an Schulen und Berufsschulen organisiert und mitgestaltet. In diesem Jahr wird es gewiss nicht weniger werden, denn der Bedarf an derlei Prävention ist immens.

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erstellt am 30.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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