zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

25. November 2017 | 12:42 Uhr

Dömitz : Warum das Amt Graugrün wollte

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Dömitzer Rathaus erhielt einfarbigen Anstrich wie zur Zeit der Entstehung. Die Farbe zu den klassizistischen Fensternachbauten passen.

von
erstellt am 13.Sep.2016 | 07:00 Uhr

Die Malerarbeiten am Dömitzer Rathaus sind fast abgeschlossen. Nur am Sockel seien noch einige Arbeiten erforderlich, wie Bürgermeister Helmut Bode gestern informierte. Wirklich glücklich ist er mit dem monochromen Anstrich in blassem Graugrün, der auch die Fachwerkhölzer überdeckt, nicht. „Daran werde ich mich nicht so schnell gewöhnen können“, sagt Helmut Bode. Die Stadt habe sich letztlich den Vorgaben des Denkmalschutzes gebeugt, wie sie auch in der Baugenehmigung enthalten waren (SVZ berichtete). Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hatte aber Gründe, warum es die monochrome Farbgebung, wie sie zur Entstehungszeit 1819/20 existierte, gefordert hat. Dabei habe auch der Zusammenhang zwischen Farbgebung und architektonischen Veränderungen am Gebäude ein Rolle gespielt.

Wegen vorhandener Schäden mussten ein Großteil der Gefache mit ihrer Backsteinimitationsmalerei von 1925 und die Dielenausstattung aus der Zeit um 1900 aufgegeben werden. „Damit war die prägende, auf das frühe 20. Jahrhundert zurückgehende Gestaltung nicht als denkmalpflegerisch maßgeblicher Zeithorizont für die Sanierung der Fassaden anzusehen“, erläutert das Landesamt. Wegen des Substanzverlustes bei der Fassadensanierung sei es auch legitim erschienen, die Fassung der Zeit um 1910 aufzugeben.

Der Bauherr wollte die ursprüngliche – zwischenzeitlich ausgebaute – Eingangstür wieder einbauen und die beiden originalen barocken Fenster als fassadenprägende Elemente erhalten und die neuen Fenster dem klassizistischen Vorbild folgend ausbilden. „Um eine Mischung verschiedener Bauphasen zu vermeiden, galt es eine Fassadenfarbigkeit zu wählen, die mit diesen beiden Bauelementen und dem später angebauten Archivturm von 1907 korrespondiert“, so das Landesamt. Anhand restauratorischer Untersuchungen und historischer Fotos aus der Zeit von 1873 bis etwa 1960 habe sich nachvollziehen lassen, dass die monochrome Farbfassung noch existierte, als das mittlere Obergeschossfenster über dem Haupteingang durch das Ziffernblatt der Uhr und das Stadtwappen ersetzt und der Rathausturm angebaut wurde. „Erst 1925 wurde der monochrome Anstrich der Fachwerkfassaden aufgegeben und der damaligen Anschauung entsprechend durch die bis zuletzt überlieferte Fassung ersetzt, bei der die Konstruktionshölzer deutlich hervorgehoben und die Gefache mit einer Backsteinmalerei überzogen waren.“

Auch wenn der Mecklenburger sein Fachwerk liebt – dessen farbliche Behandlung ist laut Landesdenkmalamt je nach Bautyp und Bauzeit unterschiedlich. „Fachwerkgebäude mit repräsentativem Anspruch wie Rathäuser und Gutshäuser erhielten im Barock und Klassizismus monochrome Anstriche, um ihnen die Erscheinung eines massiven Bauwerks zu vermitteln“, so das Landesamt. Wenn die Stadt die Gestaltung von 1925 mit den dunklen Konstruktionshölzern hätte wiederherstellen wollen, hätten auch die 1925 eingebauten dreiflügligen Fenster eingebaut werden müssen. Mit der Wahl der klassizistischen Fensternachbauten sei auch die Entscheidung für die zeitlich zugehörige, ältere monochrome Farbfassung verbunden gewesen.

Das Dömitzer Rathaus gehört laut Landesamt zu den wenigen komplett in Fachwerk errichteten Rathäusern des Klassizismus in Mecklenburg-Vorpommern. Innerhalb dieser Gruppe besitzt es in Verbindung mit der überlieferten monochromen Graufassung der Fassaden einen hohen architekturgeschichtlichen Stellenwert. So sei es naheliegend gewesen, die restauratorisch nachgewiesene Erstfassung des Rathauses zu rekonstruieren.

 



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen