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Ludwigsluster Tageblatt

17. Dezember 2017 | 09:17 Uhr

Klein Schmölen : Warten auf den Geistesblitz

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bis zur Idee für seinen pointierten Wochenrückblick blättert sich Jochen Böttcher tagelang durch die Schweriner Volkszeitung

von
erstellt am 02.Jan.2017 | 08:34 Uhr

Es gibt Tage, da reicht ein Blick in die Zeitung und Jochen Böttcher weiß, was er zeichnen wird. Die meisten Tage aber verlaufen wie dieser: Böttcher denkt nach. Er greift immer wieder zum Zeitungsstapel.   Er überfliegt die Überschriften, schaut sich jedes Foto an,  blättert vor und wieder zurück.   Er überlegt: „Der Polizeibericht ist kurios. Da lässt sich  was draus machen.  Aber wird der Leser  die Pointe verstehen, wenn er die Meldung gar nicht gelesen hat?“ Böttcher lässt es lieber. Er orientiert sich an Fotos, großen Schlagzeilen und Themen, die die Menschen in der Region persönlich bewegen.

Bis Donnerstagabend sollte er eine Idee haben. Wenigstens eine Idee. Das Zeichnen fällt ihm leicht. Aber bis zu dem Witz, bis zur Pointe hinter der Geschichte,  vergehen manchmal endlose Stunden,  sogar Tage...

Gezeichnet hat Jochen Böttcher schon als kleiner Junge gern. Seine Mutter war Kunstlehrerin an der  Dorfschule in Grebs, die auch Böttcher bis zur vierten Klasse  besucht hat. „Wahrscheinlich habe ich  ein bisschen  von ihrem Talent geerbt“, sagt er.  Nach der Schule  erlernt  er den Beruf des Steinmetz’, wird für zwanzig Jahre Werkstattmeister bei Böhm in Dömitz und arbeitet  heute für die selbe Firma  als Schrifthauer in Dannenberg.

Zeit für  das Zeichnen  nimmt er sich immer. Selbst nach  einem langen Arbeitstag. „Wenn ich donnerstags immer noch keine Ahnung für den Wochenrückblick  am Sonnabend habe, dann wird der Abend lang“, sagt er. 

Meistens kommt er dann doch irgendwann, der Geistesblitz. Und manchmal muss er sich dafür auf seinem Stuhl nur umdrehen. Wie beim Cartoon zur Vogelzählung im Januar 2016. Da vermeldete die SVZ den Aufruf, die  Vögel im eigenen Garten zu zählen.  Keine leichte Aufgabe für Böttchers, wenn   ihre Katze „Sissy“ auf der Fensterbank sitzt... Das Vogelhäuschen vor der Scheibe denkt sich der Autor dazu, alles andere zeichnet er fast originalgetreu ab. „Ich bin oft  neugierig, welches Detail er  aus unserer Wohnung in seinen Zeichnungen unterbringt“, sagt seine Frau Dörthe. Sie will das Motiv vor der Veröffentlichung nie sehen. „Da  lass ich mich gern überraschen.“ Manchmal rufen  Freunde an und erzählen Geschichten, die Jochen Böttcher  für die SVZ zeichnen soll. Es kommt auch vor, dass Leute ihn   auf der Straße zu einem  Cartoon aus der SVZ  ansprechen oder  dass der Vater aus Güstrow anruft. Um keine Zeichnung  seines Sohnes zu verpassen, liest er  dort auch die Ludwigsluster Ausgabe. 

 Früher hat sich Jochen Böttcher oft so genannte „Inselwitze“ ausgedacht. Manche haben es sogar bis in den „Eulenspiegel“ geschafft. Bei Wettbewerben der Zeitschrift hat Böttcher für seine  Cartoons  mehrere erste  Preise bekommen.  Für die SVZ zeichnet er seit 2002. Erst  sind es  bebilderte Witze,  seit 2008 liefert er  regelmäßig „Böttchers   Wochenrückblick“. Immer mit dem Anspruch: Lustig sein, aber sich nicht auf Kosten anderer lustig machen. „Niemand soll sich durch den Cartoon verletzt oder angegriffen fühlen.“ 

Für  Wortspiele und Bilder, die ihm  im Alltag einfallen, trägt der 55-Jährige  ständig ein Notizbuch bei sich. „Das  Zeichnen  macht immer noch Spaß“, sagt er. „Und so lange es das tut, höre ich  nicht auf damit.“

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