Biogasanlage: Landwirte fürchten um Ackerflächen : Wald aus Mais um Brenz befürchtet

<strong>Rapssilage</strong> wird bei der Landwirtschaftlichen Erzeugergemeinschaft Brenz ausschließlich als Futter für Viehbestände eingesetzt. Dieser Produktionszweig nimmt jedoch nur 15 Prozent der Jahresbilanz für Produktionserträge ein. <fotos>Harald Schulz</fotos>
Rapssilage wird bei der Landwirtschaftlichen Erzeugergemeinschaft Brenz ausschließlich als Futter für Viehbestände eingesetzt. Dieser Produktionszweig nimmt jedoch nur 15 Prozent der Jahresbilanz für Produktionserträge ein. Harald Schulz

Mit der Ankündigung in Brenz die heruntergekommene Biogas-Anlage nach dem Aufbau wieder in Betrieb gehen zu lassen und die Leistung sogar zu erweitern, hat der Investor für reichlich Diskussionen gesorgt.

svz.de von
21. Januar 2013, 07:04 Uhr

Brenz | Mit der Ankündigung in Brenz die heruntergekommene Biogas-Anlage nach dem Aufbau wieder in Betrieb gehen zu lassen und die Leistung sogar zu erweitern (SVZ berichtete), hat der Investor, die KTG-Gruppe mit Stammsitz in Hamburg, für reichlich Diskussionen, Freude wie Verunsicherung in der Gemeinde gesorgt. Während Bürgermeister Henry Topp zu den Befürwortern des Projekts zählt, äußert der Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Erzeugerrings Brenz e.G. (LER), Daniel Kühn, starke Zweifel, dass der börsennotierte Investor durch die geplante Biogas-Betreibergesellschaft Brenz der Gemeinde und der Landwirtschaft nachhaltige Vorteile verschaffen werde. Kühn sieht in der KTG-Gruppe "eine Aktiengesellschaft, die ihre Ziele durchaus mit radikalen Mitteln durchzusetzen versucht."

Der 31-jährige Kühn ist geborener Brenzer. Er befürchtet, dass die KTG-Gruppe mit für die Landwirte der Region äußerst vorteilhaften Preisen versuchen wird, Pachtland in Masse zu erwerben. Der Betriebswirt im seit 60 Jahren in Brenz beheimateten Agrarbetrieb geht davon aus, dass für die Erzeugung von einem Megawatt Biogas-Energie rund 1200 bis 1800 Hektar Mais als Monokultur erforderlich sind. Für die von der KTG-Gruppe nach der noch zu genehmigenden Erweiterung der Brenzer Anlage anvisierten 1,5 MW würde sich die Fläche entsprechend potenzieren. Würde der Mais in einer Fruchtfolge angebaut, dann könnte es sich in der Summe sogar um bis zu 6000 ha handeln, rechnete der Landwirtschaftsmeister im Gespräch mit der SVZ vor.

Der LER Brenz bewirtschaftet rund 1885 ha Nutzfläche, davon 1165 ha unter dem Pflug und 720 ha Grünland, von denen 450 ha ökologisch bewirtschaftet werden - mit Ziel, diesen Anteil an Grünland zu erweitern. Angebaut werden Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen, Triticale, Hafer, Körnermais, Winterraps und Sommergerste. Aufgegeben wurde die Milchproduktion. Junge Rinder werden bis zur tragenden Färse aufgezogen. Der LER Brenz hat sich auf die ökologische Haltung von Mutterkühen spezialisiert, möchte diesen Wirtschaftsteil auf 450 Tiere durch eigene Reproduktion ausweiten. Die Brenzer Erzeuger setzen auf Vielfalt in Produktion wie Dienstleistung. Deshalb gehören zu den 28 Arbeitnehmern im Unternehmen auch Kräfte für die eigene Betriebsküche. Täglich gehen bis zu 110 Essen raus. Die werden auch in den Kindergärten in Brenz und Blievenstorf sowie an Firmen und Betriebe in der nahen Region und an Rentner in der Gemeinde geliefert, informiert Daniel Kühn.

Der Geschäftsführer des LER Brenz betont, dass Vielfalt, die Nachhaltigkeit und eine ausgedehnte Fruchtfolge für ihn oberstes Gebot besitzen. Kühn: "Unsere Kinder sollen in 30 Jahren noch von unseren Böden ernten können, nach guter fachlicher Praxis."

Folgen für die Landwirtschaft nicht absehbar

Kühn, der seinen Beruf von der Pike auf erlernt hat, will diese Vielfalt der Brenzer genossenschaftlichen Vereinigung bewusst in der Öffentlichkeit vertreten wissen. Er glaubt nicht, dass die KTG-Gruppe die kalkulierten Kapazitäten von jährlich 61 000 Tonnen Nutzmasse der Biogas-Anlage durch Beschicken aus anderen KTG-Unternehmen bewältigen werde. "Um diese Massen kostengünstig für die Biogas-Gewinnung bereit zu stellen, wird die KTG AG versuchen, Landwirte aus der Region für den Anbau von Mais zu gewinnen. Oder über möglichst viel Pachtland nah der Anlage zu verfügen", ist Kühn der Meinung. Nach seiner Einschätzung bedeutet solch ein Vorgehen, dass rund um Brenz für die Dauer von Jahrzehnten und Jahr für Jahr ein Wald aus Mais entstehen wird. Die Folgen für die Landwirtschaft seien nicht absehbar. Allerdings steht für Kühn fest, dass nach 20 bis 25 Jahren die Anbauflächen ausgelaugt sein werden. "Die KTG-Gruppe wird ihre Zelte abbrechen, wenn die Zahlen nicht mehr stimmen. Die Biogas-Anlage wird aufgegeben und die Brenzer bleiben auf ausgemergelten Ackerflächen sitzen. Ich halte die KTG-Gruppe für moderne Raubritter."

KTG-Planer sicherte transparente Information zu

Hintergrund: Der ProjektentwicklerRoman Motzko von der KTG Energie AG und der KTG Agrar AG, die als KTG-Gruppe mit Hauptsitz in Hamburg und auch vom brandenburgischen Oranienburg aus wirtschaften, informierte im Verlauf einer öffentlichen Sitzung des Brenzer Bau- und Finanzausschusses am vergangenen 11. Januar Zuhörer und Ausschuss über die Absichten des Investors. Die KTG-Gruppe hat die Anlage samt Grundstück gekauft, will in den kommenden zwei Jahren zwischen 12 und 14 Millionen Euro investieren und sichert der Gemeinde Brenz unter anderem auch die Zahlung von Gewerbesteuer zu.

Motzko versprach zudem vier bis fünf Vollarbeitsplätze in der eigenständig wirtschaftenden Brenzer Biosgasanlagengesellschaft. Die Energieerzeugung soll in zwei Bauabschnitten erfolgen. Bereits in diesem Jahr solle über ein Blockheizkraftwerk verwertbare Energie in der Größenordnung von 499 Kilowatt/Stunde (kW/h) erzeugt werden. Im zweiten Bauabschnitt sollen weitere 499 kW/h folgen. Die dann aber über eine Gasaufbereitungsanlage direkt an einen Gasnetzbetreiber abgegeben werde, hieß es damals von Motzko. Der Projektentwickler stellte deutlich in seinem Vortrag heraus, dass die Zusammenarbeit mit der regionalen Landwirtschaft durchaus als fruchtbar angesehen werde. Möglich sei aber auch das interne Beschicken der Brenzer Anlage, direkt vom rund 30 Kilometer entfernten Putlitzer KTG-Unternehmen über die Autobahn, ohne die Ortsdurchfahrt Brenz mit Transporten zu belasten. Das würde bedeuten, dass gut 2800 Lkw-Fuhren bei jeweils 28 Tonnen Fracht zu bewältigen wären, um die anvisierten jährlichen 61000 Tonnen Nutzmasse in die Brenzer Anlage zu transportieren, rechnete Motzko vor.

Der Planer sicherte an diesem Abend transparente Informationen und jederzeit mögliche Gespräche mit Bürgermeistern von anderen KTG-Standorten zu. Auch um die Gärreste als hochwertigen Naturdünger absetzen zu können, wünschte sich Motzko ein Zusammenwirken mit der Landwirtschaft in der Region.

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