Grabow : Wald an A 14 soll weichen

Dieses fast 40 Hektar große Waldstück an der A 14 soll gefällt werden für den Bau des Grabower Gewerbeparks neben der Autobahn.
Dieses fast 40 Hektar große Waldstück an der A 14 soll gefällt werden für den Bau des Grabower Gewerbeparks neben der Autobahn.

Studie zur Waldumwandlung liegt bis Freitag öffentlich aus. Gerodet wird erst, wenn Investoren zusagen

svz.de von
04. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Viel Zeit hat sich Annette Dietzel für ihren Besuch im Grabower Bauamt genommen. Sie hat Akten gewälzt, Skizzen kopiert und sich jede Menge Notizen gemacht. Zwei Stunden saß sie über der Studie zur Umweltverträglichkeit der Waldumwandlung an der A 14. Dort sollen fast 40 Hektar Wald einem neuen Gewerbegebiet weichen.

Seit Anfang November liegt die Umweltverträglichkeitsstudie im Forstamt Grabow, im Rathaus und im Bauamt öffentlich aus. Wer will, kann sie auch im Internet unter www.uvp.verbund im Detail nachlesen und seine Stellungnahme bis 8. Januar an die Landesforst schicken. Dort beschäftigt sich Bernd Fischer mit den Einsendungen. Bis heute sind etwa 40 Stellungnahmen eingegangen. Fischer ist Fachgebietsleiter für Forsthoheit und damit für die Umsetzung des Landeswaldgesetzes in Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich. „Die beantragte Waldumwandlung an der A 14 gehört mit zu den größeren Vorhaben im Bundesland“, sagt er. Für die neue A 14 zwischen Autobahnkreuz Schwerin und Grabow waren bereits 202 Hektar Wald gefällt worden. Nun sollen noch einmal 38 Hektar Wald weichen - für ein Gewerbegebiet, einen Autohof und eine Fastfoodkette. Ein Ausmaß, das Annette Dietzel mit „einer Waldvernichtung“ vergleicht. „Warum hat die Stadt Grabow nicht in Betracht gezogen, bestehende Ackerflächen als Gewerbegebiet zu erschließen?“, fragt sie. „Ackerflächen sind aufgrund von Dünger- und Pestizidkontamination ökologisch nicht wertvoll.“ Sie wundert sich, dass bis heute nur wenige vor Ort im Bauamt Einsicht in die Studie genommen haben. „In der großen Politik reden alle vom Klimaschutz und im Kleinen hört das plötzlich auf.“ Wirtschaftsförderung hält sie hier nur „für einen Vorwand“ und die Schaffung neuer Arbeitsplätze „für ein Totschlagargument“. „Welcher Preis wird hier gezahlt für eine Handvoll Arbeitskräfte im Niedriglohnsektor... Und den Profit? Den machen andere, nicht der Bürger.“

Das Vorhaben: Gewerbe und Autohof an A 14

Die Stadt Grabow plant die Ausweisung neuer Gewerbeflächen und beabsichtigt in diesem Zusammenhang die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans „Gewerbepark A14“. Damit verbunden ist die Umwandlung einer bisherigen Waldfläche in einem Umfang von etwa 38,62 Hektar.

Anlass des geplanten Bauleitplanverfahrens ist das Fehlen geeigneter Flächen für

eine Neuansiedlung von Gewerbe im Bereich der Stadt Grabow.  Gemäß landesplanerischer Stellungnahme zum Bebauungsplan „Gewerbepark A 14“ wird nach Fertigstellung der  A 14 ein Bedarf in Höhe von zirka  40 Hektar Gewerbefläche in der Region vorhanden sein, der mit dem Gewerbepark abgedeckt werden soll.

Quelle: Plan Akzent, Rostock

Das Verfahren: Stellungnahmen bis Januar möglich

Nach Bundesforstrecht unterliegen Waldumwandlungen ab einem  Hektar einer Vorprüfung. Für Waldflächen ab über zehn Hektar müssen Studien zur Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt werden. Die Umweltver-träglichkeitsstudie zur Waldumwandlung an der A 14 für einen Gewerbepark liegt noch bis  8. Dezember öffentlich aus.  Bürger,Träger öffentlicher Belange und Verbände können bis 6. Januar ihre Stellungnahmen dazu einreichen.   Jede Stellungnahme wird schriftlich von der Landesforst beantwortet.  Ende März,  heißt es beim Forstamt, sei  mit den Ergebnissen zu rechnen, so dass die Prüfung im Sommer abgeschlossen werden könnte.  Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist Voraussetzung für das B-Plan-Verfahrenfür den neuen Gewerbepark A 14. Erst wenn der B-Plan rechtskräftig ist, kann die Waldumwandlung  genehmigt werden. kahe

 

Sollte die Waldumwandlung an der A 14 bei Grabow umgesetzt werden, befürchtet die Ludwigslusterin, dass auch der Wald auf der anderen Autobahnseite nahe Techentin bald verschwindet, damit die Stadt Ludwigslust ihr bereits bestehendes Gewerbegebiet TE 7 erweitern kann. „Aber genau dieser Wald ist für die Luftqualität, Lärmminderung und den Emissionsschutz enorm wichtig“, sagt Annette Dietzel. Sie will weiter kämpfen. „Wenn ich jetzt schweige, dann kann ich mir auch später nicht erlauben zu meckern.“ 

In Grabow werden sich in der kommenden Woche Vertreter von Landesforst und Stadt zu den bis heute eingereichten Stellungnahmen das erste Mal verständigen. Einfach wird das Verfahren sicher nicht. Das mit der Umweltverträglichkeitsstudie beauftragte Rostocker Büro Plan Akzent spricht in seinem Fazit zur geplanten Waldumwandlung von „einer mittleren bis hohen Erheblichkeit der Beeinträchtigungen“. Frühestens in zwei Jahren, mit Ende des B-Plan-Verfahrens, könne die Waldumwandlung genehmigt werden. Die daraus resultierende Rodung sei dann wiederum an eine Frist gebunden, erklärt Bernd Fischer. „Sollten sich in den folgenden fünf Jahren keine Investoren finden, darf nicht mehr gefällt werden.“ Grabows Bürgermeister Stefan Sternberg hatte zudem früh klargestellt: „Es wird nur dann Wald weggenommen, wenn alle Bedingungen erfüllt sind und wir Investoren haben.“ Ein paar Bäume müssten schon fallen für die Erschließung. Aber: Es gebe keinen Kahlschlag für eine freie Wiese.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert