Neustadt-Glewe : Wahlforum unter freiem Himmel

Die Teilnehmer des Forums waren mit ihren Stühlen aus dem Remter in den Burghof gezogen.
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Die Teilnehmer des Forums waren mit ihren Stühlen aus dem Remter in den Burghof gezogen.

Gewerbeverein Neustadt-Glewes hatte zu Veranstaltung anlässlich der Bürgermeisterwahl auf die Burg geladen

Morgen in einer Woche wird in Neustadt-Glewe eine neue Bürgermeisterin oder ein neuer Bürgermeister gewählt. Am Donnerstagabend stellten die Kandidatin für das Amt, Doreen Radelow (SPD), sowie die Kandidaten Manuel Poddey (Einzelbewerber) und Matthias Achim Teichert (FDP, Einzelbewerber, von CDU und Liberalen unterstützt) auf einem Forum erneut ihre Pläne im Falle ihrer Wahl vor. Fast 200 Interessierte waren zu der Veranstaltung auf die Burg gekommen, zu der Neustadt-Glewes Gewerbeverein eingeladen hatte. Silke Hasselmann, Redakteurin des Deutschlandfunks, moderierte das Forum, das eigentlich im Remter stattfinden sollte. Weil der Platz dort nicht ausreichte, zog man kurzerhand auf den Burghof.

Im Gegensatz zu einer Veranstaltung vor einer Woche zeigten sich die Bewerber diesmal etwas angriffslustiger gegenüber ihren Konkurrenten. So verkündete Manuel Poddey erneut, dass er Projekte erarbeitet habe, um als Bürgermeister den Haushalt Neustadts auf stabile Füße zu stellen. Auf Nachfrage, um welche Projekte es sich handele, wich Poddey aus: „Dazu möchte ich zu diesem Zeitpunkt keine Aussage treffen.“ Seine zweifelhafte Begründung: Die anderen beiden Kandidaten könnten im Falle ihrer Wahl die Projekte aufgreifen und als ihre Ideen ausgeben.

Beim Thema „Wirtschaft“ wollte Silke Hasselmann von den Kandidaten u. a. wissen, was unter ihnen als Bürgermeister besser werden würde. Manuel Poddey plädierte dafür, Arbeitsplätze durch Schaffung von Gewerbegebieten zu gewinnen und dabei mit den anliegenden Gemeinden zu kooperieren. Doreen Radelow sprach sich ebenfalls dafür aus, gemeinsam Kosten zu sparen und effektiver zu arbeiten. Gleichzeitig aber machte sie darauf aufmerksam, dass naturgemäß jede Kommune auf ihrem Territorium ein „Sahnestück“ bei der Ansiedlung von Gewerben haben möchte. Die Stadt könne nicht direkt Einfluss darauf nehmen, welche Gewerbe sich wo ansiedeln.

Dem widersprach Teichert. Ein Bürgermeister müsse zwar nicht für alles zuständig sein, sondern entsprechende Mitarbeiter haben. Aber: Man müsse zu möglichen Investoren fahren, mit ihnen reden. „Ein Bürgermeister kann hier etwas tun und muss nicht auf den ,heiligen Geist‘ warten“, so Teichert.

Ein Einwohner wollte von den Kandidaten wissen, welche Ideen sie haben, die Innenstadt zu beleben und attraktiver zu gestalten. Doreen Radelow merkte dazu an, dass viele Immobilien in Privatbesitz sind. Man könne als Stadt einiges erwerben und für die Sanierung Städtebaufördermittel einsetzen, aber keinen Eigentümer zwingen, Gewerbe anzusiedeln. Radelow sprach sich für ein Umdenken aus, auch, weil vielerorts Barriere freie Zugänge und Präsentationsflächen für Geschäfte fehlen. Es gebe aber viele ältere Menschen, die Barriere freie Wohnungen suchen. „Ehemalige Geschäfte könnten zu Wohnungen umgebaut werden“, sagte Radelow.

Teichert nannte als eine Ursache leer stehender Ruinen mangelnde Kaufkraft. Tourismus könne diese steigern. Die Ankurbelung des Fahrradtourismus beispielsweise, aber auch neue Ferienwohnungen würden auch mehr Touristen bringen. Teichert sprach sich außerdem für mehr Parkplätze und „intelligente“ Einbahnstraßen-Regelungen aus.

Poddey will Gebäude in der Stadt durch Förderung sanieren und dort Geschäfte ansiedeln.

Abschließend fragte Silke Hasselmann die Kandidaten, welchen Verantwortlichen sie in Schwerin ansprechen würden, um ein besonders dringendes Problem in Neustadt-Glewe zu lösen. Matthias Achim Teichert nannte hier die Rettung des Stadtteilbüros, auch hinsichtlich der Integration aufzunehmender Flüchtlinge. Manuel Poddey würde Vertreter der Wirtschaft ansprechen, um Gewerbe weiter zu bringen. Doreen Radelow würde denjenigen kontaktieren, der die Stadt unterstützen kann, wieder befahrbare Straßen und Wege zu haben.

Nach über zwei Stunden endete das Forum. Inwieweit die Kandidaten überzeugen konnten, wird sich bei der Wahl am 12. Juli zeigen. Christian Rosenkranz, Vorsitzender des Gewerbevereins, dankte Silke Hasselmann, die „charmant und elegant“ moderiert habe.

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