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Rettungseinsätze : Vorwürfe gegen Retter entkräftet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mann stürzte – Angeblich kam Rettungswagen ohne Martinshorn und Blaulicht – Rettungsdienst: Das stimmt nicht

von
erstellt am 22.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Gibt es zu wenig Rettungswagen im Landkreis? Diesen Vorwurf erhebt ein Krankenpfleger, der in einer Notfallambulanz außerhalb MVs arbeitet. Der Mann möchte anonym bleiben, wir kennen seinen Namen, nennen ihn Axel B. Er schildert einen Einsatz, der sich am Sonntag in Parchim ereignet hat. Im strömenden Regen stürzte ein Mann, der sein Fahrrad schob. Axel B.: „Der Mann konnte nicht alleine aufstehen, sein Gesicht war blutüberströmt, er hatte Schmerzen, konnte sich aber nicht äußern wo. Mein Kumpel und ich leisteten Erste Hilfe.“ Der Kumpel habe um 19.35 Uhr den Rettungsdienst alarmiert. Erst um 20 Uhr sei ein Rettungswagen gekommen. Axel B.: „Mich hat geschockt, dass der Rettungswagen ohne Blaulicht und Horn gekommen ist, der Herr hätte auch bewusstlos werden können. Ich bin selbst Krankenpfleger und hab mir sagen lassen, dass es unter den Rettungsdienstmitarbeitern als cool bezeichnet wird, ohne Blaulicht zu fahren.“

Christoph Richter, Geschäftsführer der Rettungsdienst Parchim Ludwigslust gGmbH, hat den Einsatz nachrecherchiert: „Im vorliegenden Fall wurde korrekt gehandelt.“ Der Rettungswagen sei sehr wohl mit Blaulicht und Martinshorn gefahren. Richter: „Kurz vor Erreichen des Einsatzortes, dieser war bereits in Sichtweite, wurde das Sondersignal ausgeschaltet und die Einsatzfahrt beendet. Der Zustand des Patienten war zu keinem Zeitpunkt kritisch.“ Und weiter: „Während sich der den Einsatz leitende Rettungsassistent um den Patienten kümmerte, holte der zweite Kollege die Trage aus dem Auto. In der Zwischenzeit äußerte der Patient, dass er zum Fahrzeug laufen könne mit Hilfe unseres Personals.“

Zum Zeitpunkt des Notrufes waren die Rettungswagen aus Parchim und Groß Godems bereits im Einsatz, so dass der RTW aus Lübz alarmiert wurde. Christoph Richter: „Auf Grund der Einsatzmeldung des Notrufers war für die Leitstelle erkennbar, dass es sich nicht um eine lebensbedrohliche Situation handelte. Ein Notarzt wurde nicht alarmiert, da er nicht benötigt wurde.“

Der Verletzte ist versorgt worden und wurde im Krankenhaus ambulant behandelt. Dies lasse sich mit allen dokumentierten Werten belegen.

Was das „coole“ Fahren ohne Blaulicht betreffe: Hier halte sich das Einsatzpersonal an die Anweisung der Integrierten Leitstelle Westmecklenburg. Deren Leiter Edwin Mörer verweist auf genau ausgefeilte Vertreterregelungen. Wenn zum Beispiel der Rettungswagen Groß Godems auf Einsatzfahrt sei, springe der Parchimer ein. In Suckow können auch Prignitzer Retter vorfahren. Im geschilderten Parchimer Einsatz seien die Helfer zwölf Minuten nach Alarmierung vor Ort gewesen. Die Mitarbeiter der Leitstelle gehen nach einem ausgeklügelten Abfrageschema vor, damit sie die Lage richtig einschätzen können.

Ein korrekter Einsatz also. Bleibt die Frage, ob genügend Rettungswachen, Notärzte oder Rettungswagen im Einsatz sind. Träger des Rettungsdienstes ist der Landkreis. Ein so genannter Vorhalteplan bestimmt die Anzahl der Rettungsmittel, wird von Gutachtern geprüft. Die Zahl der Einsätze spielt z.B. eine Rolle. „Rettungsmittel stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung“, sagt Landrat Rolf Christiansen (SPD). Die Frage sei, wer zusätzliche Leistungen bezahle. Es gebe aber einen ständigen Abgleich. Wenn irgendwo eine Lücke drohe, werde sie gestopft.



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