Lewitz : Vorsicht: Gigant am Wegesrand

Immer wieder schiebt selbst eine oberirdisch verletzte Pflanze Blütendolden nach, über deren ausgereifte Samen sie sich verbreitet. Fotos: bernd möschl
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Immer wieder schiebt selbst eine oberirdisch verletzte Pflanze Blütendolden nach, über deren ausgereifte Samen sie sich verbreitet. Fotos: bernd möschl

Verdacht: Steht die sogenannte Hercules-Staude (Giftpflanze des Jahres 2008) inmitten der Lewitz?

svz.de von
21. Juli 2014, 17:22 Uhr

An der vor allem bei Radlern beliebten Verbindungsstraße Spornitz-Friedrichsmoor, dort wo sie mit einer schmalen Brücke die Müritz-Elde-Wasserstraße überquert und eines der fischreichen Teichgebiete durchschneidet, wächst und gedeiht auf gut 100 Metern Straßenrand unübersehbar ein wahrer Gigant aus dem Pflanzenreich gleich zu mehreren Dutzend. Der Anblick der weit über zwei Meter aufragenden krautigen Doldengewächse ist faszinierend und Besorgnis erregend zugleich.

Ist die imposante Pflanze einheimisch und relativ harmlos, oder handelt es sich hier etwa um die im Volksmund ob ihrer sogar bis über 3,5 Meter hoch aufragenden Größe und Ausdauer „Hercules-Staude“ genannte Art mit dem korrekten Namen Riesenbärenklau, die es 2008 sogar zur „Giftpflanze des Jahres“ brachte?

Jener als äußerst verbreitungsstark und hartnäckig beschriebene Neuankömmling (Neophyt) aus dem Kaukasus bildet nämlich in praktisch allen seinen Pflanzenteilen Substanzen, welche zusammen mit Sonnenlicht bzw. UV-Strahlung phototoxisch wirken. Besonders tückisch sei die Tatsache, dass die auch an schwerste Verbrennungen erinnernde allergische Hautreaktion bei Mensch und Tier erst einige Zeit nach dem Kontakt mit Riesenbärenklau und Sonne auftritt.

In den Jahren 2002 bis 2005 finanzierte die EU deswegen sogar ein internationales Forschungsprojekt mit dem Namen „Giant Alien“ (gigantischer Außerirdischer). Dieses Giant Alien Projekt erarbeitete schließlich Richtlinien (mit wissenschaftlichen Grundlagen und Empfehlungen in acht Sprachen) für das Management und die Kontrolle dieser invasiven Pflanzenart. Diese Richtlinien wurden ausdrücklich „Behörden aller nationalen und europäischen Verwaltungsebenen (Straßenbauämter und Naturschutzbehörden auf kommunaler, Kreis-, Bezirks- und Landesebene) sowie privaten Landeigentümern und Interessensgruppen“ an die Hand gegeben.

Nun ist jener „Praxisleitfaden Riesenbärenklau“ (ISBN 87-7903-211-7) aber auch kostenlos via Internet verfügbar und bringt im Falle des besagten Lewitz-Vorkommens Aufklärung: Hier an der Kreisstraße K 65 im Abschnitt 10 am Kilometer 1,2 – wo vor Kurzem von Mitarbeitern der Ludwigsluster Straßenmeisterei gemäht worden ist – handelt es sich offenbar nicht um die für Mensch und Nutztier gefährlichen „Hercules-Stauden“, sondern um ihre vergleichsweise harmlosen einheimischen Verwandten!

Allerdings sollte jeder arglose Passant auch ihnen mit Respekt begegnen, weil es gerade bei dem anhaltend sonnigen Sommerwetter durch Hautkontakt mit mechanisch verletzten Pflanzenteilen zu hartnäckigen dunkelbraunen Verfärbungen kommen kann, die aufgrund des beschriebenen Zeitverzugs seit der Einwirkung nur schwer zuzuordnen sind.


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