Ludwigslust : Von Stein zu Stein bis ans Schloss

Alexander Faßlrinner (r.) und Gunther Schmalz richten einen Literarischen Stein aus.
Alexander Faßlrinner (r.) und Gunther Schmalz richten einen Literarischen Stein aus.

Projekt „Kunst im Raum“: Literarische Steine mit Zitaten von Theodor Heuss, Gertrud von le Fort und Johannes Gillhoff aufgestellt.

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05. Mai 2017, 07:00 Uhr

„Die Überraschung aber ist das Städtchen, ist diese musterhafte einheitliche und im Spielerischen doch muntere Anlage, die Kavaliersgebäude um das Bassin, in zarter Schwingung, die Schlossstraße mit den guten Profilen der Häuser und den gefälligen Ausbuchtungen – Klassizismus in Backstein, Biedermeier ohne Verputz.“ Als Theodor Heuss, der spätere erste Bundespräsident der BRD auf einer Reise durch Mecklenburg 1920 nach Ludwigslust kam, war er hingerissen. Seine Worte der Bewunderung können Einheimische und Gäste beim Spaziergang durch die Schlossstraße nun tagtäglich nachlesen – auf einem der „Literarischen Steine“, die gestern aufgestellt wurden.

Es regnet, als der Radlader einen der insgesamt vier Steine über das Fundament an der Einmündung zur Nummerstraße hievt. Alexander Faßlrinner und Gunther Schmalz von der Maintal Naturstein GmbH richten den Koloss aus, dann hat dieser seinen Platz gefunden. „Ein Stein wiegt knapp zwei Tonnen“, erklärt Alexander Faßlrinner. „Er besteht aus Avorio-Kalkstein, den wir aus Kroatien geholt haben.“ In ihrer Werkstatt in Zeil am Main hauten sie die Zitate und die Namen deren Urheber in den Stein. Neben Theodor Heuss ist es noch Heimatdichter Johannes Gillhoff, der in Glaisin geboren wurde und in Ludwigslust die „Mecklenburgischen Monatshefte“ herausgab. Und Schriftstellerin Gertrud von le Fort, die als Tochter eines Großherzoglichen Kommissars für Polizeiangelegenheiten in Ludwigslust einen Teil ihres Lebens in der Lindenstadt verbracht hatte.

Die Wahl des Materials war kein Zufall. „Der Stein ist mit seiner Farbigkeit eine Reverenz an das Schloss und dessen Sandsteinfassade in einer Backsteinstadt“, erklärt Constanze Altemüller. Sie hatte gemeinsam mit ihrem Kollegen Elmar Torinus vom Architektur-Atelier Berlin vor knapp 15 Jahren das Konzept „Kunst im Raum in Ludwigslust“ entwickelt, das auch die „Literarischen Steine“ beinhaltet. „Grundidee ist die Verbindung von der Alexandrine zum Schloss“, sagt Constanze Altemüller. Der erste Stein steht am Alexandrinenplatz, der letzte kurz vor der Schlossbrücke. „Die Texte beziehen sich alle auf den Ort und stammen von Menschen, die einen Bezug zu Ludwigslust haben“, so die Architektin. Als letzter Baustein des ursprünglichen Konzeptes soll am Schloss noch eine Sperger-Figur aufgestellt werden – ein Bronzeguss wie die Reitende Alexandrine. „Noch läuft der Entwurfsprozess. Klar ist aber, dass es Sperger mit einem Kontrabass sein wird“, betont Ulrike Ehrecke, bei der Stadtverwaltung für die Stadtsanierung zuständig. Die Skulptur, die von Bildhauer Andreas Krämmer aus Seßlach erschaffen wird, soll möglichst noch in diesem Jahr aufgestellt werden. Krämmer hatte auch an der Reitenden Alexandrine mitgewirkt.

Für das Projekt „Kunst im Raum“ kann die Stadt eine 50-prozentige Finanzierung aus der Städtebauförderung nutzen, der Rest kommt aus dem städtischen Haushalt. Geplant ist dabei noch ein weiteres Projekt – ein Erinnerungsort vor der Post. Dort soll nach Aussage von Ulrike Ehrecke ein Bronzerelief in den Boden eingelassen werden. Wann genau steht noch nicht fest.

Am 13. Mai, dem Tag der Städtebauförderung, sollen erst einmal die „Literarischen Steine“ eingeweiht werden. Ab 16 Uhr stehen die Architekten Rede und Antwort, anschließend wird zu den Steinen spaziert, wo es Informationen zu den jeweiligen Persönlichkeiten geben wird.  

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