Neustadt-Glewe : Von Hippolita und der Schandgeige

Ständige Ausstellung „Eine feste Burg - Zur Geschichte der Burg Neustadt-Glewe“ eröffnet

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29. März 2014, 07:00 Uhr

Hexen kann sie nicht und auch die Schandgeige zu tragen hat Britta Kley keineswegs verdient. Aber von Hexenverfolgungen in Neustadt-Glewe zu mittelalterlichen Zeiten weiß die Museumsleiterin der Neustädter Burg seit geraumer Zeit sehr wohl überaus spannend und historisch belegt zu berichten.

Das bewies sie gemeinsam mit dem Publizisten und Museumsberater Dr. Wolf Karge aus Schwerin am Donnerstagnachmittag in den Museumsräumen auf der Burg z.B. mit der Geschichte über die vermeintliche Hexe Hyppolita Dornbusch aus Neustadt-Glewe vor einer großen Schar von geladenen Gästen.

Die Stadt hatte nämlich zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung „Eine feste Burg - Zur Geschichte der Burg Neustadt-Glewe“ eingeladen. Bürgermeister Arne Kröger dankte dort neben Dr. Wolf Karge, der das wissenschaftliche Konzept zur Umgestaltung der ständigen Ausstellung in der Burg besorgt hatte, und der Diplom-Ingenieurin Susanne Kirstein von den „Fachwerklern“, die für das architektonische und grafische Gesamtkonzept und die Koordination der Ausführung verantwortlich zeichnete, auch dem Land sowie dem Landkreis für die großzügige Förderung des in drei Teilprojekten seit 2011 umgesetzten Ausstellungskonzepts.

Während eines Rundgangs im Obergeschoss des „Neuen Hauses“ und durch den Wehrgang bis zum Burgturm konnten sich die Gäste davon überzeugen, dass die Neustädter Burg auch dank der vielen original präsentierten bzw. originalgetreu nachgebildeten Fundstücke wie kaum eine andere im Norden Deutschlands das Leben seinerzeit nachvollziehbar macht.

Neben dem Burgmodell, das bereits zu PQS-Zeiten 1997 entstand und durch den Erbauer Siegmund Messall vollständig saniert wurde, erfährt der Museumsbesucher im Neuen Haus auch dank großflächiger Informationstafeln viel über das Werden dieser Burg und zum Leben in ihr. Im Wehrgang und im Burgturm indes bekommt man viele Fragen zur Verteidigung und Waffentechnik sowie zu Mittelalterstrafen und Folterinstrumenten beantwortet.

Als Dr. Wolf Karge Neustadts Museumsleiterin Britta Kley zum Ende des Rundgangs die Schandgeige anlegte, geschah das natürlich nur zu Zwecken der Anschaulichkeit. Es machte den Rundgang aber dank auch dazu gelieferter Informationen bis zum Blick in die Tiefen des Kerkers informativ, unterhaltsam und, zugegeben, hier und da auch etwas schauerlich.

Und um noch einmal auf die Hexenverfolgungen in Neustadt-Glewe zurückzukommen: Die hat es wirklich gegeben. Dank Dr. Wolf Karge, der viele Jahre als Archivar tätig war und Schriftstücke aus früheren Zeiten zu lesen versteht, kann die Ausstellung auf der Burg da viel Wissenswertes vermitteln. Zum Beispiel über eine Familie Siggelkow, die eine Ilse Niemann der Hexerei beschuldigte, woraufhin man diese 1674 in Neustadt verbrannte. Zwei Jahre später wird auch eine Häsche Draben verurteilt. Doch bevor sie auf dem Scheiterhaufen in Neustadt den Feuertod erleidet, bezichtigt sie - warum auch immer - eine Hippolita Dornbusch ebenfalls der Hexerei. Deren Hexenjagd in Neustadt-Glewe wiederzugeben, würde hier zu lange dauern. Die sollten Sie sich als Museumsbesucher einmal in aller Ruhe anhören. Oben auf dem Burgturm. In einem kleinen Gelass kann man das dort dank moderner Medien in aller Ruhe tun.



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