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Ludwigsluster Tageblatt

16. Dezember 2017 | 19:55 Uhr

Dömitz : Von Austern und Pfeifenköpfen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Archäologe Rolf Schulze legt Fundstücke in Bastion auf Dömitzer Festung frei und liefert Beweise für Siedlungskultur verschiedener Epochen

von
erstellt am 12.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Sonnenschein und blauer Himmel - davon bekommt Rolf Schulze in diesen Tagen wenig mit. Wo er arbeitet, ist es dunkel und feucht. Er kniet in einem Erdloch und ist kurz davor, einen historischen Beweis zu liefern. Vor ein paar Tagen noch vermutete der Archäologe an dieser Stelle einen alten aus Ziegeln gemauerten Abwasserkanal. Jetzt sieht es so aus, als hätte hier früher mal ein Backofen gestanden. „Damit wäre belegt, dass sich in der Bastion Greif die Festungsbäckerei befand“, sagt Schulze. Mit der Spitzkelle kratzt er die Steine frei, mit dem Handbesen fegt er hinterher. Der gemauerte Halbkreis vor ihm öffnet sich nach hinten. „Hier war ganz offensichtlich der Zugang zum Ofen.“ Schulze ist glücklich. Wieder kennt er ein Puzzleteil mehr. „Bisher wusste man von der Bäckerei nur aus alten Unterlagen, jetzt haben wir den Beweis.“

Seit März gräbt sich der Archäologe Meter für Meter durch den Festungsboden in der Bastion Greif. Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe lässt hier die Kasematte zu einer Ausstellungsfläche umbauen. Und bevor der Innenausbau beginnt, dürfen die Archäologen an die Arbeit. „Das ist unsere Chance, mehr über alte Siedlungskulturen herauszufinden“, sagt Schulze. Auf der Festung in Dömitz arbeitet Rolf Schulze seit 2009, als mit der Sanierung der Courtine (Festungsmauer) begonnen wurde. Ein Jahr später, beim Wiederaufbau der alten Zugbrücke, fand Schulze im Damm unter der Brücke vier andere zum Teil noch vollständig erhaltene Holzbrücken. Bei der Sanierung des Zeughauses 2011 entdeckte er Sandsteinreliefs der italienischen Renaissance und ein Jahr darauf legte er die Fundamente des alten Burgturms frei. Auch dieser Fund war für den Archäologen eine kleine Sensation: „Seitdem wissen wir, dass der Turm auch ein Verlies hatte.“

Die Dömitzer Festung ist für Archäologen wie Schulze eine Schatzgrube. „Hier zu arbeiten ist ein Traum“, sagt er. „Ich erfahre aus erster Hand mehr über das Alltagsleben der Menschen.“ Holländische Pfeifenköpfe aus der Frühneuzeit, Austernschalen, Kupfermünzen, Pfannenstiele, bunte Keramik, Mecklenburgisches grünes Waldglas, Grauware aus dem Mittelalter, Tablettenkästchen aus dem frühen 20. Jahrhundert, Tierknochen, Ofenkacheln... Schulze kann die vielen Funde nicht nur den historischen Epochen zuordnen. Er kann auch Geschichten über sie erzählen.

Noch lagern die Fundstücke zum Trocknen in Dömitz. Bis zum Winter werden sie im Landesdepot in Schwerin archiviert. Die Sandsteinreliefs bleiben den Dömitzern vielleicht erhalten. „Wir müssen nur noch einen passenden Ausstellungsraum finden“, so Schulze. Auch der Standort des Burgturms soll für die Gäste sichtbar gemacht werden - mit quadratischen farbigen Steinen im Kopfsteinpflaster und auf dem Rasen.

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