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Ludwigsluster Tageblatt

21. November 2017 | 20:40 Uhr

Ludwigslust : Von außen auf die Stadt blicken

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Antonie Armbruster-Petersen und Bettina Lobenberg wollen Konflikte in der Stadt aufspüren / Ihr Ansatz: Betroffene zu Beteiligten machen

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 09:00 Uhr

Betroffene zu Beteiligten machen. Diesem Ansatz folgt die Ludwigsluster Verwaltung mit einem neuen Vorschlag an die Stadtvertretung. Danach soll der bestehende Integrationsbeirat zur Unterstützung von Flüchtlingen und Asylsuchenden künftig zu rund 50 Prozent aus Einwohnern mit Migrationshintergrund bestehen. Die Anregung dazu kam von den Mitarbeiterinnen des Forums Ziviler Friedensdienst Deutschland (ZFD), die die Stadt im Rahmen der Kommunalen Konfliktberatung derzeit begleiten. „Es geht darum, Flüchtlingen die gleiche Teilhabe und Beteiligung am politischen Leben zu ermöglichen wie Senioren, Jugendlichen und Familien“, erklärt Antonie Armbruster-Petersen. „Und dann müssen sie im Integrationsbeirat auch mitarbeiten können.“

Mit dem neutralen Blick von außen Konflikte in der Stadtgesellschaft zu analysieren, die dem Zusammenhalt und einem respektvollen Umgang entgegenstehen, ist die eigentliche Aufgabe der ZFD-Mitarbeiter. „Konflikte sehen wir dabei aber positiv“, sagt Bettina Lobenberg. „Als Abweichung des Ist-Zustands vom Soll-Zustands mit der Möglichkeit zur Weiterentwicklung.“ Bevor sich das Team aber an die systemische Konfliktanalyse machen konnte, stand auf Wunsch der Stadt eine andere Aufgabe. Mit Blick auf die vielen Flüchtlinge, die damals in Ludwigslust ankamen, galt es, die vorhandenen Unterstützungsangebote von Institutionen, Vereinen, Verbänden und Privatpersonen zu koordinieren, ein funktionierendes Netzwerk aufzubauen. „Es gab unglaublich viele Aktivitäten“, sagt Bettina Lobenberg. „Alle liefen in die gleiche Richtung, aber oft nebeneinander her.“ Am Runden Tisch „Integration“ hätten die Akteure nach eigenem Bekunden innerhalb weniger Stunden Fragen klären können, für die sie sonst Wochen benötigt hätten, so Antonie Armbruster-Petersen. Inzwischen steht das Netzwerk. „Die Leute wissen voneinander und können auf die richtige Person zugehen“, so Bettina Lobenberg. Und damit konnte sich das ZFD-Team seiner eigentlichen Aufgabe, der Konfliktanalyse, widmen.

„Dazu ist es erforderlich, dass die Menschen ihre Meinung äußern können, ohne gleich stigmatisiert zu werden“, sagt Bettina Lobenberg. „Wir haben unzählige Gespräche geführt und danken unseren Gesprächspartnern ausdrücklich für ihre Bereitschaft.“ Zu ihnen gehörten auch mehr als 70 Neubürger von Ludwigslust und Migranten. Der Blick von außen sei dabei wichtig gewesen. „Zuhören, inspirieren, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Fragen stellen – all das war möglich, weil wir nichts wussten“, erklärt Bettina Lobenberg.

Inzwischen ist die Analyse abgeschlossen. Welche Konflikte das forumZFD in Ludwigslust, einschließlich der Verwaltung, ausgemacht hat – darüber liegt derzeit noch der Mantel des Schweigens. Erst solle mit den Stadtvertretern darüber gesprochen werden, so Bürgermeister Reinhard Mach erklärend. Danach könnte der nächste Schritt – aus den Erkenntnissen Handlungsempfehlungen ableiten – folgen. „Wir wollen aber nicht sagen, wie man es machen soll, sondern gemeinsam mit den Akteuren vor Ort besprechen, welche Möglichkeiten sie sehen, die Situation zu verändern, gemeinsam Handlungsoptionen entwickeln und deren Umsetzung begleiten.“ Auch dabei gehe es darum, die Betroffenen zu Beteiligten zu machen.

Die Frage ist jedoch, ob genügend Zeit dafür bleibt. Denn die Kooperation zwischen Stadt und Friedensdienst ist bis Mitte kommenden Jahres vereinbart worden. Allerdings hat der Bürgermeister eine Verlängerung der Zusammenarbeit bereits ins Auge gefasst. „Ich habe eine entsprechende Absichtserklärung gegenüber dem ZFD abgegeben und würde mich freuen, wenn die Stadtvertreter das genauso sehen“, so Mach. Wenn nicht, könne man die Absichtserklärung zurückziehen. Hintergrund seien die kurzen Fristen für die Beantragung der Fördermittel.  

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