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Ludwigsluster Tageblatt

21. November 2017 | 05:43 Uhr

Der Vielanker: : Vom Partylöwen zum Brauereichef

vom

Andreas Hüttmann ist seit Januar Mitbesitzer und Chef des Vielanker Brauhauses und der Dömitzer Hafengastronomie. Wirtschaftlich erfolgreich er bisher im Großraum Hannover mit seiner Firma "Der Party Löwe".

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erstellt am 19.Apr.2013 | 09:49 Uhr

Vielank | Der drahtige 46-jährige Andreas Hüttmann ist seit Januar Mitbesitzer und Chef des Vielanker Brauhauses und der Dömitzer Hafengastronomie. Wirtschaftlich erfolgreich war der geborene Soltauer bisher im Großraum Hannover mit seiner Firma "Der Party Löwe". Jetzt hat er zusammen mit seiner Urfirma mehr als 180 Beschäftigte, dazu kommen noch einmal mehr als 300 freie Mitarbeiter. Damit ist er einer der größten Gastronomen in Norddeutschland. In Vielank und Dömitz hat er schon viel verändert, und das soll erst der Anfang sein.

Herr Hüttmann, die ersten 100 Tage sind um, würden Sie die Brauerei und den Dömitzer Betrieb wieder kaufen?

Ja, ich würde es wirklich wieder machen, weil beide Betriebe aus meiner Sicht sehr viel Potenzial haben. Und ich bin positiv überrascht worden, wie sehr sich alle Mitarbeiter hier wirklich in ihre Arbeit stürzen.

Es gibt schon erste Vorwürfe, Sie hätten gleich zum Start mal die Preise erhöht?

Was schlicht nicht stimmt. Wir haben die Speisekarte analysiert und deutlich entrümpelt. Wenn eine Garnelenpfanne so gut wie nicht bestellt wird, dann muss sie auch nicht auf der Karte sein. Es ist sicher nicht alles glatt gelaufen, z. B. wurde ein Salat vermisst, den wir wieder auf die Karte setzen, wir arbeiten an dem Thema.

Und die bisherigen gut 100 Mitarbeiter an beiden Standorten, sind die alle bei Ihnen geblieben?

Bis auf zwei Ausnahmen, und die waren absehbar, ist keiner gegangen. Bisher habe ich das Gefühl, dass es auch eine neue Motivation gibt. Klar ist schon jetzt, dass wir uns deutlich verstärken müssen, beispielsweise in der Küche, aber auch in der Produktion der Brauerei. Wir reden da derzeit von mindestens 16 Stellen.

Zu einer Bilanz nach 100 Tagen gehören auch Zahlen. Wie läuft die Produktion, was macht die Auslastung Ihrer Häuser?

Wir haben bei der Fassbrause, die bei uns ja selbst hergestellt wird, schon jetzt Wachstumsraten, die weit über das erwartete Maß hinausgehen. Wir müssen uns dringend um die Produktion und deren Erweiterung kümmern. Gut sieht es auch beim Bier aus, die Zahl der Abnehmer steigt. Mit der Brause sind wir jetzt auch schon in großen Ketten gelistet, außerdem verwenden wir unsere Produkte ja auch bei den Party-Löwen-Veranstaltungen in Hannover.

Und die Gastronomie?

Da war Ostern der Knackpunkt, bis dahin hatte ich auch wegen des Wetters Sorgen, aber seitdem kommen die Gäste mit Macht. Die Vorjahreszahlen konnten gehalten werden, und auch die Auslastung der Hotelzimmer (allein Dömitz hat 29 Zimmer) ist besser als im Vorjahr.

Also alles in Butter, ein wunderbarer Deal, nichts zu verändern?

Doch natürlich, beide Häuser haben sehr viel Potenzial, doch das müssen wir erst noch heben. Es bleibt beim Grundkonzept der Erlebnisgastronomie für die ganze Region. Dennoch gibt es viel zu ändern. Im Moment betrifft das vor allem unseren Produktionsbereich in Vielank. Hier haben wir als neue Besitzer schon im fünfstelligen Bereich investiert, um mehr produzieren zu können. Das betrifft vor allem die Flaschenabfüllung. Hier werden wir wohl in den kommenden Wochen zweischichtig arbeiten müssen, um voran zu kommen.

Es wird aber auch neue Produkte geben, die Sie vermarkten wollen.

Auch, aber natürlich kümmern wie uns zunächst um die Dinge, die wir schon anbieten können. Dazu gehören neben den Bieren auch unser eigener Kräuterlikör und der Bierbrand. Als neues Produkt, besonders für die Frauen, tüfteln wird an einer Rezeptur für einen Rhabarber-Vanille-Likör.

Hatten Sie diese Vermarktung bereits im Kopf, als Sie sich zum Kauf entschlossen?

Freunde, die mir den Kontakt zum Vorbesitzer Kai Hagen vermittelt haben, fragten mich schon, warum ich denn für meine Veranstaltungen nicht gleich mein eigenes Bier verkaufen wolle. Und als ich das erste Mal hier war, war ich von dem Haus überzeugt. Man fährt hier zehn Kilometer durch den Wald, und findet dann mit einem Mal so einen gastronomischen Leuchtturm vor. Das hat schon etwas. Nein, die Vermarktungsideen sind erst jetzt entstanden. Und sie steigen mit der Nachfrage.

Die Produktion soll ausgebaut werden. Was wird aus den einzelnen Gebäuden?

Seit neuestem gehört das Nachbargrundstück dazu. Nach Abriss des dort stehenden Hauses wird eine Lagerhalle entstehen mit einer Kapazität von ca. 1000 Paletten. Somit wird kein Bierkasten mehr auf der Straße stehen müssen. Wir haben die Abfüllung umgebaut, es gibt einen Flascheninspektor, der die Bügelflaschen nach der Wäsche automatisch prüft. Und wir werden sehr bald auch eine Maschine haben, die die Bügel nach dem Füllen schließt. Bisher musste das ja in anstrengender Handarbeit erledigt werden. All das passiert nicht im Handumdrehen, ist aber für den Erfolg des Unternehmens wichtig.

Sie sind mit Ihrer Frau nun jede Woche Wanderer zwischen den Welten in Hannover und Vielank. Welche Unterschiede bemerken Sie?

In Mecklenburg steht bei der Fassbrause der Himbeergeschmack ganz vorn, in Hannover trinkt man lieber Zitrone. Die Erfahrungen der Belegschaft sind hier ganz andere, der Zusammenhalt in der Belegschaft ist sehr eng.

Sie haben ja mit Vielank auch eine Whisky-Produktion geerbt. Wie geht es damit weiter?

Wir haben viel zu wenig Whisky, daher haben wir schon jetzt die Produktion vervierfacht. Der älteste Whisky, den wir im Keller haben, ist gerade einmal fünf Jahre alt. Und die Nachfrage ist groß. Wir bauen aus, aber es wird Jahre dauern, bis das wirksam werden kann.

Gibt es schon Investitionspläne für Dömitz, im Hafen und beim Kaufhaus?

Wir suchen nach Lösungen, die perfekte haben wir noch nicht. Klar ist, dass ich die Hotelkapazität in Dömitz gern erweitern würde und ich mir den Speicher dort genau ansehe. Beim Kaufhaus in Dömitz wird es schwierig. Geändert wird am momentanen Betrieb nichts, aber wir suchen auch nach Partnern, um das Projekt am Leben zu halten. Viel dringender sind jedoch andere Dinge. Wir brauchen sehr schnell ein modernes Kassensystem, wir müssen uns um unsere Energieeffiziens in beiden Häusern kümmern, die kaum isoliert sind. Und ich möchte die Dinge, die bei Veranstaltungen erfolgreich gelaufen sind, nicht gefährden. Also ich haben für die kommenden Jahre viel vor. Denn ich sind gekommen, um zu bleiben.

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