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ludwigslust : Vom Leben der kleinen Prinzen am Hofe

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Museumspädagogin Sylvia Wulff berichtete gestern in einer Familienführung über den Alltag der Kinder der herzoglichen Familie im Barockschloss Ludwigslust

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erstellt am 07.Aug.2014 | 07:00 Uhr

Wie mag es wohl gewesen sein, als Prinz oder als Prinzessin in der Ludwigsluster Residenz aufzuwachsen? Wie sahen der Alltag und wie sahen die Feste des fürstlichen Nachwuchses aus? Hatten Prinzen und Prinzessinen eigentlich auch Schule? Was haben sie in den Ferien gemacht? Und wie sahen ihre Kleider aus?

All das und viele andere Fragen beantwortete Museumspädagogin Sylvia Wulff gestern bei einer Führung unter dem Motto „War es immer toll eine Prinzessin zu sein? - Das Leben der Kinder am Hofe“. Umso erstaunlicher, dass diese angebotene Ferienveranstaltung bei diesem herrlichen Wetter so gut besucht war. Fast 30 Kinder wollten diese museumspädagogische Veranstaltung als festen Bestandteil des Sommerferienprogramms miterleben. Und sie kamen in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern, so dass die Besucherzahl weit über der 50 lag, was wiederum Sylvia Wulff mit großer Begeisterung aufnahm.

Von der Museumsmitarbeiterin gab es erst einmal eine kleine Einführung zur Entstehungsgeschichte des Barockschlosses Ludwigslust und seines Herrschers, Herzog Christian Ludwig. Dieser war auch auf einem Porträt aus jener Zeit verewigt, mit langer Perücke aus gelockten Haaren. „Wenn die früher so geschwitzt haben, nahmen sie Puder oder Parfüm, um den Geruch wegzukriegen“, sagte ein Zehnjähriger aus der Runde der jüngeren Besucher.

Das Jagdschloss in Klenow reichte dem Herzog irgendwann nicht mehr, so hatte er die Idee ein Schloss zu bauen. Das Barockschloss Ludwigslust - weil Herzog Christian Ludwig große Lust am Jagen fand, hatte er das kleine Dörfchen Klenow einfach umbenannt. 1772 bis 1776 entstand das Schloss mit über 100 Räumen. „Davon sind aber aktuell nur wenige zu sehen, weil im Haus eine umfangreiche Restaurierung stattfindet. Wenn ihr dann mit euren Eltern und Großeltern in zwei Jahren wiederkommt, ist alles fein.“

Beim Rundgang durch das Schloss ging es dann auch in die oberen für die Besucher zugänglichen Räume, wo es viele Bildnisse der Herzogenfamilie und ihrer Kinder gab. Die Ludwigsluster Herzöge waren für Glanz und Prunk zu haben. Aber vieles war mehr Schein als Sein, so die in der unteren Etage gehaltenen Fußböden, die in einer spezielle Sichtweise räumlich auf den Betrachter wirken, heute würde man sagen in 3-D-Optik. Oder der Blattgoldersatz für Türrahmen und Einfassungen bis hin zu den Raumgestaltungen mit Papiermaché. Sylvia Wulff erzählte vom Alltag am Hofe, von den Empfängen, Besuchen, von Hochzeiten, für die es schöne Geschenke gab. So konnten die Kinder in einer großen Vitrine einen Tafelaufsatz aus edlem Porzellan bestaunen, der ein Geschenk des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. an den Erbprinz Friedrich Ludwig von Mecklenburg-Schwerin und Großfürstin Helena Paulowna war.

Sylvia Wulff erzählte aber auch, dass es mit dem Waschen und der Hygiene doch zu damaliger Zeit etwas anders aussah als heute, die Adligen und ihre Kinder mit Flöhen und Läuse zu kämpfen hatten und da oft nur noch Parfüm und Puder half. Als dann hundert Jahre später im Schloss Badewannen eingebaut wurden, besserte sich die hygienische Situation. Sylvia Wulff sprach auch davon, dass es damals auch nicht immer einfach war, Prinz oder Prinzessin zu sein. Da musste der Prinz stundenlang Klavier üben, wurde er in Reiten, Fechten, gutem Benehmen und in der Hofsprache Französisch unterrichtet. Auf die Figurentafeln waren Prinzen und Prinzessinnen zu sehen - für die Kinder eine interessante Reise in die Zeit des Barock, die wie im Flug verging.

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