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Politik hautnah : Vom Landtag in die Schulwerkstatt

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Politiker der Linken besuchen sonderpädagogische Einrichtung der Caritas und bemerken: Den Bedarf an sozialer und emotionaler Förderung muss mann rechtzeitig erkennen.

svz.de von
erstellt am 12.Mai.2015 | 07:00 Uhr

Aus einem kleinen, weißen Radio klingt ein tiefer, beruhigender Gesang. Sanft kreist Sabine Bartel dazu mit dem Massageball über den Rücken von Julien und spricht dabei mit gedämpfter Stimme. „Atme tief ein, sammle deine Energie und starte in den Tag.“

Für den 12-Jährigen und seine Mitschüler beginnt auf diese Art jeder Morgen in der Schulwerkstatt der Caritas. „Wir machen die Dinge eben anders. So ein Morgenkreis ist für die Motivation der Kinder ganz wichtig“, erklärt die Lehrerin und Koordinatorin der Schulwerkstatt.

Gestern jedoch war etwas anders in der einzigen Schulwerkstatt des Landkreises: Zu den drei Schülern und der Sozialpädagogin gesellten sich der Arbeitskreis Soziales, Bildung und Kultur der Landtags-Linke. Für den Fraktionsvorsitzenden Helmut Holter war es der erste Besuch einer solchen Einrichtung – doch keine Stippvisite, denn die neun Politiker nahmen direkt am Unterricht teil. „So ein Morgenkreis wäre auch etwas für den Landtag“ scherzt einer von ihnen.

Anschließend bezog Sabine Bartel die Besucher in ein Spiel ein, in dem die Schüler Zeichen der nonverbalen Kommunikation lernen sollen. Die Leiterin des Arbeitskreises, Jacqueline Bernhardt, probte das mit dem 14-jährigen Leon. Als er ihr eine Minute lang etwas erzählen sollte, musste die Linke-Politikerin deutliches Desinteresse am Gespräch signalisieren und steckte sich prompt beide Finger in die Ohren.

„Wir wollen den Kindern ein Paket fürs Leben geben, sie sozial und emotional fördern und ihnen ein Handwerk beigeben“, erklärt Sabine Bartel den praktischen Unterricht, der das Verhalten der Schüler und anderer reflektieren soll. Davon zeigt sich der Arbeitskreis begeistert. „Die Art und Weise wie die Lehrerin mit den Schülern umgeht und vermittelt, ist sehr lobenswert“, meint Helmut Holter. Dem pflichtet auch die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Simone Oldenburg, bei: „Für uns ist es eine tolle Erfahrung, Politik nicht nur im Schweriner Schloss zu machen, sondern unsere Entscheidungen auch hautnah zu spüren und daraus auch Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit zu schließen.“ Und einen Kritikpunkt bringt Oldenburg gleich an: Dass nur Kinder der fünften bis siebten Klasse Einrichtungen wie die Schulwerkstatt besuchen dürften, halte sie für viel zu spät. „Förderbedürftigkeit erkennt man bereits in der dritten Klasse. Schon dann sollte man reagieren können“, fordert sie.

Heute und morgen besucht der Arbeitskreis der Linksfraktion im Landtag 22 weitere Projekte, um sich mit Trägern und Beschäftigten über Probleme auszutauschen.

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