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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 03:04 Uhr

Neustadt-Glewe : „Volleyball ist mein Leben“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Hossein Golabforushan aus dem Iran ist Asylbewerber und trainiert in Neustadt-Glewe junge Sportlerinnen des SV Fortschritt

Gekonnt spielen sich die Mädchen den Ball zu, „baggern“, „pritschen“ oder schlagen die Kugel. Am Spielfeldrand beobachtet ein Mann im grauen Jogginganzug das Training der jungen Volleyballerinnen. Dann unterbricht er das Spiel, „beordert“ die Mädchen zu sich. „Very cool. Jule, Sprungaufschlag...“

Training bei den U-12-Volleyballerinnen des SV Fortschritt Neustadt-Glewe. Der Mann am Spielfeldrand: Hossein Golabforushan (36). Seit einiger Zeit trainiert der Iraner die Mädchen als „Assistant Coach“, wie er selbst sagt.

Oliver Dunkel, Abteilungsleiter Volleyball beim SV Fortschritt, klärt auf: „Vor einiger Zeit fiel uns abends ein Mann auf, der während des Volleyballtrainings in der Sporthalle saß und zuschaute. Als er beim nächsten Mal wieder im Trainingsanzug da war, sprach ich ihn an. Er fragte mich, ob er wieder kommen und vielleicht mitspielen und -trainieren dürfe.“

Seit einiger Zeit nun gehört Hossein, wie sie ihn alle nur nennen, dazu. „Ich habe zu Hause im Iran selbst aktiv Volleyball gespielt, auch Jungs im Alter von 13 bis 19 Jahren trainiert“, erzählt Hossein auf Englisch und Deutsch. „Volleyball ist mein Leben, ich würde 1000 Kilometer fahren, um es zu spielen.“

Hossein musste sein Heimatland verlassen. „Ich kann im Iran leider nicht wirklich leben. Es gibt Probleme, weil ich kein Moslem, sondern Christ bin“, sagt er. Vor sechs Monaten kam er nach Deutschland, lebt jetzt als Asylbewerber in Neustadt-Glewe.

Beim Training der U-12 auf dem Volleyballfeld behilft sich Hossein mit einem Gemisch aus Englisch und Deutsch. Chefcoach Oliver Dunkel: „Hossein gibt den Mädchen gute Tipps, meist auf Englisch. Aber im Sport hilft auch die Zeichensprache weiter. Hossein hat es einfach, sich bei uns zu integrieren. Denn Sportler sind untereinander eine eingeschworene Gemeinschaft. Da ist es völlig egal, von wo wer herkommt.“ Findet auch Jule (12): „Hossein spielt sehr viel mit bei uns, gibt uns gute Tipps. Wir verständigen uns viel durch Zeichen. Ich habe von ihm den Sprungaufschlag gelernt, bei dem man viel Kraft und Druck braucht.“ Übrigens hat Oliver Dunkel vor, Hossein demnächst noch mehr Verantwortung zu übertragen: „In der Perspektive könnte er die U-16 und U-13 übernehmen.“

Hossein ist inzwischen nicht nur beim Training dabei. So war er als „Assistant Coach“ am Erfolg der U-12 beteiligt, die im Dezember in der ersten Vorrunde zum Landespokal in Stralendorf den 1. Platz belegte.

Sein Ziel ist es aber auch, sich bei uns über den Sport hinaus zu integrieren. Deshalb nimmt er auch am Integrationskurs im Institut für Berufsbildung und Umschulung (ibu) Neustadt-Glewe teil. Hier lernen Flüchtlinge seit Herbst unter Anleitung erfahrener Dozenten die deutsche Sprache, aber auch Dinge, die zum Leben bei uns wichtig sind (SVZ berichtete). Bereits zu Beginn des Kurses im Oktober hatte ibu-Geschäftsführer Christian Rosenkranz angekündigt, Flüchtlingen in Unternehmen des Neustädter Gewerbevereins, dessen Chef er ist, Praktika zu ermöglichen.

Rosenkranz belässt es nicht nur bei Worten: Hossein absolviert derzeit in der R+R Immobilien Verwaltungs GbR, deren Geschäftsführer Christian Rosenkranz ebenfalls ist, ein Praktikum. „Er ist sehr fleißig und unterstützt den Hausmeister tatkräftig. Man merkt ihm an, dass er sich hier integrieren möchte“, sagt Rosenkranz.

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