Neustadt-Glewe : „Vogelschutz steht nur auf dem Papier“

Ralf Ottnmann ist als Naturfotograf stets auf der Suche nach tollen Motiven.
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Ralf Ottnmann ist als Naturfotograf stets auf der Suche nach tollen Motiven.

Der ehrenamtliche Lewitz-Ranger Ralf Ottmann zog im vergangenen Jahr aus Tuckhude weg / Doch der Region ist er treu geblieben

svz.de von
11. Februar 2018, 05:00 Uhr

Seit vielen Jahren setzt er sich für den Natur- und Vogelschutz in der Lewitz ein, bietet hier Exkursionen an, lädt zu Vorträgen über das EU-Vogelschutzgebiet ein und hat sich auch einen Namen als Buchautor und Fotograf gemacht: Ralf Ottmann, ehrenamtlicher Lewitz-Ranger. Viele Jahre lebte und arbeitete er in Tuckhude. Doch von hier zog er 2017 weg und lebt jetzt in Garwitz. Wie er sich seine persönliche Zukunft, aber auch die der Lewitz vorstellt, darüber sprach Ottmann jetzt im Interview mit SVZ-Redakteur Andreas Münchow.

Haben Sie der Lewitz den Rücken gekehrt?

Auf keinen Fall. Ich bin der Lewitz näher als je zuvor. Und ich habe neue Ideen und Lust, etwas Neues zu versuchen und zu etablieren.

Das heißt konkret?

Ich werde dieses Jahr Fotoseminare zum Thema Natur- und Makrofotografie anbieten. Und dann wird 2018 ein neues Buch erscheinen. Ich bin diesbezüglich im Gespräch mit einem Verlag. Natürlich bleibt aber auch Bewährtes. So werde ich auch künftig Kremserfahrten insbesondere für Familien organisieren, damit die Menschen die Tier- und Pflanzenwelt hier kennenlernen und auch sehen, wie schützenswert die Natur ist. Und natürlich fotografiere ich auch weiterhin zu Familien- oder Firmenanlässen.

Viele unserer Leser kennen Sie als Lewitz-Ranger…

…der ich auch bleiben werde. Da es ja leider keine hauptberuflichen Ranger in der Lewitz gibt, übernehme ich diese Funktion weiterhin ehrenamtlich. Übrigens ohne jegliche finanzielle Zuwendung durch die öffentliche Hand.

Sie leben und arbeiten jetzt sozusagen nur einen Steinwurf von ihrer ehemaligen Wirkungsstätte, der Wiesenmeisterei in Tuckhude, entfernt. Warum sind Sie der Lewitz treu geblieben?

Das ist die Heimatverbundenheit. Körper und Seele halten mich einfach hier fest. Und dann möchte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass man Verbesserungen erzielen kann im Hinblick auf den Schutz der hier vorkommenden Vogelwelt und auch hinsichtlich eines umweltfreundlichen Tourismus.

Wie schätzen Sie denn diesbezüglich den erreichten Stand ein?

Noch nicht befriedigend. Wir brauchen für die Lewitz und besonders für das EU-Vogelschutzgebiet, endlich einen Managementplan…

…der was beinhalten sollte?

Ein solcher Plan muss Maßnahmen zu einem besseren Schutz der Vogelwelt in der Lewitz festlegen. Das geht aber nur, wenn Land- und Forstwirtschaft, Fischer und Naturschützer im Plan gemeinsam abstimmen, was in dieser Hinsicht zu tun ist. Denn Fakt ist, dass der Status des EU-Vogelschutzgebietes Lewitz derzeit nur auf dem Papier steht. Dieser Status müsste mit tatsächlichen Maßnahmen glaubhaft unterlegt werden.

Was genau gefährdet aus Ihrer Sicht die hiesige Vogelwelt?

Es gibt zu wenig geeignete, störungsarme Brutflächen. Und es gibt zu wenig Nahrung für bestimmte Vogelarten.

Worauf ist das zurückzuführen?

Insektenforscher haben festgestellt, dass in den vergangenen 30 Jahren in Deutschland 75 Prozent aller Insektenarten ausgestorben sind. Insekten aber sind Nahrungsgrundlage von Vögeln. Fachleute sind sich einig, dass der Bestand an einigen heimischen Vogelarten stark zurückgegangen ist. Das gilt insbesondere auch für die auf Wiesen brütenden Vogelarten wie Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Bekassine und Kiebitz. Ebenso trifft das auf den Weißstorch zu.

Wie kann dieser Entwicklung Ihrer Meinung nach entgegengewirkt werden?

Indem die Brutflächen für diese Vogelarten besser geschützt und weniger Umweltgifte ausgebracht werden.

Das bedeutet für die Lewitz?

Dass diejenigen, die in der Lewitz wirtschaften, noch enger mit haupt- und ehrenamtlichen Naturschützern zusammen arbeiten müssten, dass der Vogelschutz in der Lewitz nachhaltig verbessert wird. Alle müssen in dieser Beziehung endlich aufeinander zu gehen.

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