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Ludwigsluster Tageblatt

13. Dezember 2017 | 08:17 Uhr

Ludwigslust : Viele „Hausaufgaben“ im Gepäck

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Bürgerbeauftragter Matthias Crone nahm sich bei seiner Sprechstunde in Ludwigslust neun Stunden Zeit für die Anliegen der Menschen

von
erstellt am 27.Okt.2015 | 15:17 Uhr

„Ich bin sehr positiv überrascht von dem Gespräch. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, hierher zu kommen“, verriet Anke Brallentin aus Ludwigslust. Sie und ihr Ehemann Olaf hätten zum ersten Mal diesen Termin wahrgenommen, betonen sie. „Wir waren heute hier, um uns über das Thema Straßenbaubeitragssatzung zu informieren“, erzählt der 54-Jährige, der Ingenieur für Verfahrenstechnik ist. Als Gesprächspartner saß dem Ehepaar im Landratsamt der Bürgerbeauftragte Matthias Crone gegenüber. Er war gekommen, um sich neun Stunden lang aufmerksam Fragen und Probleme der Menschen aus Ludwigslust und Umgebung anzuhören. Der 57-jährige Politiker absolvierte mit seinem Mitarbeiter Dr. Wolfgang Leist 15 Gesprächsrunden.

Der Bürgerbeauftragte Crone, der schon seit März 2012 im Amt ist, stellte sich den Fragen von SVZ-Mitarbeiterin Franziska Meier.
Welche Themen wurden heute hauptsächlich bei Ihnen besprochen?
Crone: Das war sehr unterschiedlich. Wir hatten oft Gebühren- und Beitragsfragen, etwa zu Entwässerungsanschlüssen. Außerdem auch baurechtliche Fragen, Windenergie und soziale Themen. Fragen zur Rente wurden auch häufig gestellt.
Wie vielen Menschen konnten Sie heute helfen, beziehungsweise glauben Sie, helfen zu können?
Eine Prognose zu stellen, ist nicht einfach, da möchte ich mich nicht festlegen. Aber in den Fällen, in denen wir Bürgern sofort Auskünfte oder Weiterverweisungen geben können, ist ja schon ein Teil des Problems geklärt. Viele Ratsuchende kommen auch mit mehreren Anliegen zu mir. Sehr oft verabreden wir am Ende des Gesprächs für beide Seiten „Hausaufgaben“ zum weiteren Vorgehen. Für uns fängt nach dem Gespräch die Arbeit meist erst an: Wir haben das Problem vorliegen, müssen dann aber die nötigen Prüfungen machen, ob und wie wir das Problem lösen können.
Muss man in Ihrem Amt eine gewisse Distanz zu den Problemen und Nöten des Bürgers wahren, oder darf emotionale Nähe zugelassen werden?
Ich finde, wenn man diese Aufgabe innehat, muss man sich einfühlen können. Man muss ein Menschenfreund sein und den Mensch so annehmen, wie er ist, in seiner Art. Ohne eine wohlwollende Grundstimmung geht es nicht. Die Bürger haben Anspruch auf einen mitfühlenden Partner, wenn sie hier in dem Gespräch sitzen. Trotz aller Nähe, muss ich aber auch etwas Distanz wahren, um die Bürger fachlich und professionell zu beraten.
Gab es heute einen Fall, der sie bewegt hat?
Ja. Heute kam ein Mann, wegen einer DDR-Unrechtsfrage. Er wurde als junger Mensch zwangsausgesiedelt aus dem Sperrgebiet. Da hatte ich stark den Eindruck, dass es ihm selbst jetzt noch, nach Jahrzehnten, sehr nahe ging. Er wurde von seinen Eltern getrennt, die im Sperrgebiet verblieben sind. Selbst, als er zur Beerdigung seines Vaters gehen wollte, schaffte er es nur mit einem enorm großen Kraftaufwand, hinfahren zu dürfen. Wenn man dies nun sehr plastisch beschrieben bekommt, dann fühlt man einfach mit.
Was sind die schwierigsten Situationen in Ihrem Amt?
Das Schwierigste ist für mich, wenn eine bestimmte helfende Lösung nicht möglich ist, weil die Verwaltungsseite richtig blockiert. Das tut mit besonders in den Fällen weh, wo es um Menschen mit Behinderung geht. Oder wenn jeder sieht: Es müsste was getan werden, die Zuständigkeit aber hin und her geschoben wird und keiner verantwortlich sein will. Dann könnte ich wirklich einen heiligen Zorn bekommen.
Würden Sie sich mit dem heutigen Wissen noch einmal für das Amt entscheiden?
Ja. Denn es ist ein Amt, in dem man Menschen wirklich helfen kann. Das stiftet viel Sinn in der Arbeit. Ich finde diese Aufgabe auch wichtig, weil sie Vertrauen geben kann in Demokratie und Rechtsstaat. Wissenschaftler sehen das ebenso, dass Petitionsrecht und Bürgerbeauftragte vertrauensbildend für vertrauensbildend für das große Ganze sind und nicht nur im Einzelfall.


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